Lokalsport

Stippel entlassen Gavranovic im Glück

Unterschiedlicher hätte das Wochenende für zwei einstige VfL-Trainer nicht verlaufen können.

REIMUND ELBEDITZINGEN

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Die Pressekonferenz nach dem Verbandsligaspiel zwischen den TSF Ditzingen und den SF Dorfmerkingen war fast vorüber, da ergriff SFD-Boss Josef Schill das Mikrofon. Zur Verblüffung der meisten Anwesenden gab der Dorfmerkinger Funktionär die sofortige Entlassung des direkt neben ihm sitzenden Norbert Stippel und dessen "Co" Michael Butrej bekannt. Das Team von der Ostalb hatte sieben der letzten acht Partien verloren.

Der frühere Kirchheimer Trainer er führte den VfL zum WFV-Pokalsieg 2003 - war entsprechend perplex. "Ich dachte erst, unser Vorsitzender macht einen Aprilscherz", so Stippel, "aber als ich seine Miene sah, wurde mir klar, dass er es ernst meinte." Nachkarten will der geschasste Coach aber nicht. "So ist das Trainergeschäft eben, damit muss man leben." Am 13. April will er sich das Duell seiner beiden Ex-Clubs an der Jesinger Allee trotzdem nicht entgehen lassen dann trifft der VfL freitagabends eben auf die SFD und Stippel wird wohl auf den Zuschauerrängen zu finden sein.

Viel bessere Zeiten als Stippel erlebt momentan sein damaliger Nachfolger auf der VfL-Trainerbank, Alexander Gavranovic. Mit dem SV Vaihingen eilt er von Sieg zu Sieg. Vorgestern schüttelte der SVV mit dem FC Frickenhausen einen weiteren Verfolger ab. Sechs Punkte Vorsprung haben die Vaihinger derzeit - der Verbandsligaaufstieg ist für den Landesliga-Neuling zum Greifen nah.

Das Thema Aufstieg ist beim Bezirksligisten TSV Notzingen ebenfalls so aktuell wie nie zuvor in dieser Runde. Gestern löste das Team von Spielertrainer Stefan Haußmann den TSV Jesingen an der Ligaspitze ab. Der Notzinger Übungsleiter bleibt trotz der jüngsten Erfolgsserie gelassen. "Wir haben uns in dieser Saison konsequent weiterentwickelt, auch im taktischen Bereich", so Haußmann, "nun haben wir es als Tabellenführer selbst in der Hand, die Ernte einzufahren." In puncto eigener Zukunftspläne gibt sich der Notzinger Spielertrainer bedeckt. "Dieses Thema steht nicht zur Debatte."

Einen ähnlich erfolgreichen Sonntag wie die Notzinger brachten die Oberlenninger Kicker hinter sich. Das 2:1 über den TSV Oberboihingen in der Kreisliga A - vor immerhin 120 Zuschauern - brachte den Sprung an die Spitze und verstärkte die Hochgefühle bei den Lenningern. Oberlenningens Abteilungsleiter Heinz Klingler ist auch guter Dinge. "Unser Mannschaft will vorne mitspielen und tut alles dafür, dass es so bleibt." Der überraschende Weggang von Spielertrainer Antonio Portale zur SGEH hat laut Klingler keine negativen Auswirkungen. "Unser Spiel ist ohne ihn sogar unberechenbarer geworden."

Auch die Neidlinger hätten gestern liebend gerne die Tabellenspitze übernommen, doch der TVN patzte bei den SF Dettingen mit 0:2. Für den langjährigen SFD-Kicker und jetzigen Neidlinger Trainer Volker Krissler ein Erlebnis der besonderen Art. "Ich hätte hier gerne gewonnen, aber ich bin in meiner Meinung bestätigt worden, dass die SFD wesentlich stärker sind, als der Tabellenplatz aussagt." Am kommenden Donnerstag wird Krisslers Herz jedenfalls wieder voll und ganz für seinen Ex-Club schlagen. Die SFD fordern dann den neuen Spitzenreiter TSV Oberlenningen heraus. Krissler: "Ich traue den Dettingern hier den nächsten Coup zu."

Premiere in der Kreisliga B: Die Begegnung zwischen dem TASV Kirchheim und dem TSV Notzingen II leitete ein Referee, der bereits in der US-Soccer-League Partien pfiff. Cekai Akbay, ein US-Amerikaner mit türkischen Wurzeln, ist für zwei Jahre in Deutschland und arbeitet in dieser Zeit für einen Stuttgarter Automobilkonzern. Die Unterhaltungen auf dem Platz wurden somit meist in Englisch geführt, was aber ganz gut funktionierte. Besonders Notzingens Trainer Uwe Schulz machte davon des öfteren Gebrauch, um dem Schiri seine Sicht der Dinge mitzuteilen.

Auf TASV-Trainer Canan Karahan (32) wartet derweil eine interessante Aufgabe. Der Ex-Dettinger und B-Lizenzinhaber soll künftig als Scout für die türkische U17-Nationalmannschaft in unterwegs sein und in Baden-Württemberg junge Kicker entdecken. Wie intensiv der Kontakt zum türkischen Fußballverband ist, zeigt die Tatsache, dass Karahan über Ostern auf Einladung des Verbandspräsidenten zu Strategiegesprächen in Berlin weilt.