Lokalsport

Störfeuer vor dem Gipfel

Nach dem Erfolg des Kirchheimer Radrennens vor vier Wochen hätte man beim veranstaltenden Verein RKV vor der morgigen Manöverkritik mit Stadtverwaltung und Sponsoren gute Gründe, sich zufrieden zurückzulehnen. Doch hinter den Kulissen brodelt es gewaltig. Nach dem Rücktritt ihrer Leitfigur Roland Geiger geht es in der Kirchheimer Radsportabteilung um mehr als nur um dessen Nachfolge.

BERND KÖBLE

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KIRCHHEIM Wenn im Moment des größten Erfolges sich lange Gesichter nur mit Mühe verbergen lassen, dann ist zweifellos etwas faul. Solche gab es am Rande des Radspektakels auf dem Kirchheimer Alleenring beim Veranstalter allenthalben, ungeachtet der Tatsache, dass der 6. Große Preis der Kreissparkasse als der bisher erfolgreichste in die Vereinsgeschichte des RKV eingehen wird. Gründe dafür gab es gleich mehrere: Ein Abteilungsleiter, der frustriert das Handtuch wirft, eine Nachfolger-Diskussion, an der die Mannschaft zu zerbrechen droht und über allem der ewige Zwist zwischen dem Helferstab des RKV und Organisationschef Johannes Dornhofer, der seit vier Jahren die Fäden beim Kirchheimer Radrennen in der Hand hält.

Der gebürtige Westfale mit Wohnsitz am Ammersee, der sich um der Sache willen schon mal im diplomatischen Werkzeug vergreift, gilt im bodenständigen RKV als Reizfigur. Nicht wenige unter den Hardlinern im Verein würden den Wahl-Bayern gerne ganz aus dem Rennen boxen und das Heft wie in früheren Jahren selbst in die Hand nehmen. Doch Fakt ist: Dornhofer ist der Mann mit den nötigen Kontakten in der Radsportszene und längst zu der Figur geworden, mit der das sportliche Niveau der Veranstaltung steht und fällt. Mit den Rennen in Kirchheim, Ludwigsburg und Weilheim/Oberbayern hat Dornhofer mit seiner Firma SEC drei heiße Eisen im Feuer. Dabei nutzt er, was man neudeutsch so gerne als Synergieeffekte bezeichnet. Die bescherten dem Kirchheimer Publikum in diesem Jahr immerhin den Auftritt des Gerolsteiner-Profis Sven Krauß, der Dornhofer nach seiner Absage für das Rennen in Weilheim mit der spontanen Zusage für den Alleenring im Gegenzug einen Freundschaftsdienst erwies.

RKV-Abteilungschef Roland Geiger ist lange genug in der Radsportszene aktiv, um zu wissen, dass solche Kontakte Gold wert sind, will man ein hochkarätiges Starterfeld in Kirchheim ins Rennen schicken. Lohn dieser Erkenntnis war der Platz zwischen allen Stühlen, den Geiger nun resignierend räumte. Die Rolle als Prellbock zwischen den Fronten, hat beim gesundheitlich angeschlagenen 67-Jährigen, der das Amt des Abteilungsleiters schon seit vier Jahren nur noch kommissarisch bekleidet, ihre Spuren hinterlassen.

Das Fass zum Überlaufen brachte letztlich Geigers Einsicht, sich ausgerechnet im Bemühen um ein geordnetes Erbe verrechnet zu haben. Mit dem Zweckbündnis zwischen den Mountainbikern des MTB Teck und den Straßenfahrern des RKV unter einem gemeinsamen Trainer Stephan Paul sowie der Nominierung Albert Boslers als Wunschkandidat für die eigene Nachfolge, glaubte Geiger die Weichen für die Zukunft richtig gestellt zu haben. Ein Trugschluss, wie sich herausstellen sollte, denn keiner der beiden traut dem anderen über den Weg.

Während Paul das Kooperationsmodell befürwortet und als Honorartrainer anerkannt gute Arbeit leistet, würde Geigers designierter Nachfolger Bosler gerne einen vereinseigenen MTB-Kader aus der Taufe heben. Der Bruch scheint vorgezeichnet: Während die Nachwuchsfahrer beider Lager ihrem Trainer den Rücken stärken und diesem im Falle einer Trennung auch geschlossen folgen würden, ist man im RKV-Vorstand froh, mit dem Verbandsreferenten Albert Bosler wieder einen kompetenten Mann an der Spitze zu wissen.

Mit Lizenzamateur Karsten Vesterling, dem derzeit erfolgreichsten Fahrer im Trikot des RKV, scheint einer bereits die Konsequenzen aus den Querelen gezogen zu haben. "Mir fehlt die sportliche Perspektive", macht dieser aus seinem Unmut keinen Hehl. Der 21-Jährige will den Verein verlassen, ein letztes Gespräch mit der Abteilungsspitze am Donnerstag soll Klarheit schaffen. Ein Akt mit Signalwirkung, denn andere wie etwa Vesterlings Teamkollege Simon Schwenk (Team Radsport Fischer und Wagner) tragen sich mit den selben Absichten.

Ein drohender Aderlass als schlechtes Omen vor dem morgigen Gipfel beim Hauptsponsor, der Kreissparkasse. Dabei gilt es, die Karten fürs Radspektakel im kommenden Jahr neu zu mischen und auslaufende Verträge zwischen allen Beteiligten auf eine neue Basis zu stellen. "Wir müssen uns völlig neu positionieren," sagt RKV-Vereinsboss Helmut Witsch, der an der bisherigen Linie festhalten will. Damit meint er sowohl die interne Personalpolitik, als auch den diplomatischen Kurs im Vorfeld des Alleenringrennens 2006. Während man im RKV schon laut darüber nachdenkt, auf welchem Niveau das Rennen auch ohne Dornhofer durchführbar wäre, fordert dieser mehr Entscheidungsfreiheit bei der Organisation.

Rückhalt erhält er dabei von entscheidender Seite. "Das diesjährige Rennen war ein voller Erfolg", schwärmt Dietmar Ederle, Marketing-Chef beim Hauptsponsor Kreissparkasse. "Auf dieser Basis wollen wir weiter arbeiten." Morgen wird Klartext geredet. Man darf gespannt sein.