Lokalsport

"Superpublikum": Lehenäcker erleben Turnier der Fans

Was war's denn nun? Das Turnier der Übermannschaften? Das Turnier der Sonnenverwöhnten? Oder gar ein Turnier, dessen äußeres Merkmal weniger das sportliche Geschehen auf dem Rasen als vielmehr die gesellige Kommunikation ganzer Familienverbände abseits der Spielfelder war? Das Turnier hatte wenig von alldem oder zeigte jeweils nur Ansätze von alldem. Der alles prägende Stempel beim 43. Teckbotenpokal-Turnier im Kirchheimer Stadtteil Jesingen, der leuchtend rote Faden durch acht wirklich unterhaltsame Fußball-Tage hindurch: Man suchte ihn beim nüchternen Bilanzieren am gestrigen Finaltag auf den ersten Blick vergebens.Anderswo, beim direkten Vorgänger-Turnier in Neidlingen etwa, da hatten sie mit zusätzlichen Programm(schwer)Punkten parallel zu den Fußballspielen schon mal richtig rangeklotzt: Unterm Reußenstein etwa gab's 2004, ganz spektakulär, via Verlosung auch einen 10 000 Euro teuren Neuwagen zu ergattern, und der Name des Gewinners war später mehr als eine Randnotiz. In Jesingen stellten sie derweil großflächig die nagelneuen Autos heimischer Wagenhändler zur Schau geschenkt bekam ein Auto keiner. Die Werbeidee mit frisch polierten Klein-Boliden für die Fußball-Klientel auf gut sichtbarem Terrain ist nicht schlecht, ganz neu ist sie nicht.Gewiss, in den Jesinger Lehenäckern regierte in der vergangenen Woche die pure Abwechslung: Kids konnten auf der Bungee-Hüpfburg Tag für Tag riesige Luftsprünge unternehmen, fortgeschrittene Semester sich im 350-Mann-Festzelt bis in den frühen Morgen an zahlreichen Verköstigungsständen mit Pizza, Wein oder Schnitzel laben. Die vergnüglich-gesellige Note, die derlei Turniere stets mit sich bringen, im Gute-Laune-Stadtteil Jesingen erreichte sie erwartungsgemäß den Zenit. Einsamer Höhepunkt aller acht Abend-Veranstaltungen: die ausgelassene Players night am Donnerstagabend. "Da kamen allein über tausend Besucher", berichteten die beiden Festwirte Josef "Sepp" Reichert und Andreas Frey ebenso unisono wie stolz. Die phonstarke Party mit Liedgut aus Techno, Dance und Reggae geriet zum Generationentreff: Leute ab 30 blieben eher die Ausnahme.Zwei Tage später war die Klientel, die kurz vor der Abenddämmerung nach Jesingen strömte, wie ausgewechselt: Mit jahrgangsübergreifenden Rock- und Pop-Titeln lockten die allseits bekannten "Lindachtaler" am Samstag auch Pensionäre an. "Da kamen Leute zwischen 18 und 80", brachte es Sepp Reichert auf den Nenner und fühlte sich bestätigt: Das Jesinger Rahmenprogramm während der Fußballwoche sprach wirklich alle an. "Zusammengerechnet strömten zu all unseren Abendveranstaltungen schätzungsweise ebenso viele Besucher wie zu den Spielen" (Wascheck). Wenn das zutraf: Verlagert sich das Publikumsinteresse beim Zeitungspokal zunehmend in Richtung Apres-Fußball?Kaum anzunehmen. Obgleich Turniersprecher Wascheck ein "stagnierendes Niveau" mit Blick auf die gezeigten Rasen-Darbietungen der 20 Mannschaften bilanzierte ("Teams wie der TSV Schlierbach und die TG Kirchheim können personell bedingt einfach nicht mithalten"), durften sich die an allen acht Tagen gezählten 7665 (!) Spiele-Besucher gut unterhalten fühlen: Die in den 48 Turnierspielen erzielten 195 Tore sind trotz der knapp verfehlten 200-Treffer-Marke allemal rekordverdächtig. Überraschungen gab es reichlich, und A-Kreisligist TSV Oberlenningen, mit seinem im Vorfeld so selbstbewusst auftretenden Spielertrainer Antonio Portale ("wir haben das Potenzial, um hier zu gewinnen") viel gelobter Turnier-Vierter, durfte sich neben dem Sensations-Viertelfinalisten TSV Jesingen II letztlich als einer der sportlichen Gewinner feiern lassen. Dasselbe galt für die SF Dettingen um Trainer Wolfram Bielke (starke Vorrunde), während die Turnierendränge eins bis drei allesamt spielstarke Mannschaften belegten, die man dort erwarten durfte: die Bezirksligisten TSV Notzingen, SGEH und TSV Boll. Die Eichert-Cracks, von Spielertrainer Stefan Haußmann glänzend geführt und letztlich zum verdienten Pokalgewinn stimuliert, stellten vielleicht das technisch versierteste Team ganz ohne Schrammen kamen auch sie nicht durch: Gegen Vorrunden-Ausscheider TSV Jesingen ("eine Riesenenttäuschung": Uwe Wascheck) setzte es eine 1:2-Niederlage.Das Turnier hatte hohen Unterhaltungswert auch wegen diesem Spruch von Gesamtturnierleiter Steffen "Bomber" Mauz am achten Turniertag: "Bis auf zwei Spiele hab ich kein einziges gesehen." Der Mann war ebenso wie das Gros seiner rund 150 Turnierhelfer aufgeteilt in insgesamt 450 Arbeitsschichten, fast immer irgendwo im Einsatz. "Allen Helfern ein Dankeschön", sagte TSV-Vorsitzender Holger Dworak. Vielleicht stießen sie aufs gute Gelingen gestern Abend noch zünftig mit einem Weizenbier von Turnier-Belieferer Fürstenberg an.Was war's denn nun, das "Jesinger" Teckbotenpokal-Turnier? Uwe Wascheck antwortete so: "Es war ein ganz normales Turnier, eines mit einem Superpublikum und jederzeit ganz friedlich." Keine einzige Schlägerei, und das trotz nicht immer ganz nüchterner Zeitgenossen . . . So gesehen drängt sich wohl diese Schlagzeile übers diesjährige Lokalfußball-Event in den Lehenäckern auf: Das 43. Teckbotenpokal-Turnier war nicht nur das Turnier für Fans, sondern auch der Fans.
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