Lokalsport

Tage zwischen Trösten, Thermalbad und Wasserexperimenten

Was gibt es Schlimmeres, als nicht das tun zu dürfen, was man am liebsten tut? Zugegeben, diese Frage ist rein rhetorischer Natur. Dennoch beschäftigt sie die Teilnehmer des 39. Hahnweid-Wettbewerbs seit Tagen immer wieder aufs Neue: Das

PETER EIDEMÜLLER

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schlechte Wetter verdammte die ill

ustre Pilotenschar gestern zum vierten Mal in Folge zur Untätigkeit zumindest was Aktivitäten in der Luft betrifft. Doch wer ein echter Flieger ist, weiß auch mit der unfreiwillig gewonnenen Freizeit genug anzufangen.

Da sitzen sie nun gezwungenermaßen in der Halle an der Hahnweide, tauschen Fliegergeschichten aus, berichten von besonders spektakulären Erlebnissen in der Luft und versichern sich gegenseitig, wie sehr sie doch das Segelfliegen lieben. Zwischendrin geht der eine oder andere für ein paar Minuten an das Computerterminal und checkt via Internet den Wetterbericht. "Manche gehen wandern oder ins Thermalbad, einige holen auch etwas Schlaf nach", erzählt Peter Bittner, der gerade im Regencape die Halle betritt. Der Pilot der Fliegergruppe Wolf-Hirth hat ein bisschen an seiner Maschine gebastelt, "die Technik auf Vordermann gebracht", wie er sagt. Untätiges Herumsitzen käme für ihn nicht in Frage. "Auch an einem Ruhetag wird es hier nie langweilig", versichert er.

Das kann Rita Heimann nur bestätigen. Die Wettbewerbsleiterin ist auch an Tagen, an denen nicht geflogen wird, voll gefordert vor allem als Trösterin für enttäuschte Piloten, die viel lieber fliegen würden. "Ich muss da so manch aufmunterndes Gespräch führen", erzählt sie. Dennoch sei die Stimmung auch trotz der wetterbedingten Ruhetage hervorragend.

Laut Martin Wrobel liegt das vor allem an der guten Atmosphäre, die zwischen allen Beteiligten herrscht. "Das ist wie eine große Familie", schwärmt der 19-Jährige Nachwuchspilot, der sich zusammen mit vielen anderen Jugendlichen als Helfer während der Wettbewerbstage verdingt. "Das kommt einem aber gar nicht wie Arbeit vor", sagt er, der sich extra eine Woche Urlaub von seiner Zivildienststelle in Stuttgart genommen hat und seit seiner Kindheit der Fliegerei verfallen ist. "Fliegen vermittelt einem das Gefühl, dass man alles erreichen kann", philosophiert er, "man lernt, wie man die Natur wenigstens teilweise beherrschen kann."

Dass die Natur auch während eines Fluges ihr Recht verlangt, scheint zumindest, was den Durst angeht, zuzutreffen. "Genügend trinken ist bei langen Flügen sehr wichtig", betont Peter Bittner im Hinblick auf die Konzentration. Doch in den engen Cockpits ist kaum für mehr Platz, als eine Anderthalb-Liter-Flasche Wasser. Dabei ist der Pilot mitunter von bis zu 200 Litern H2O umgeben. "Die Flieger haben entsprechende Tanks, die mit Wasser gefüllt werden", erkärt Bittner. Damit werde im Flug entsprechend der Bedingungen das Gewicht des Fliegers verändert je leichter, desto länger der Flug.

Prompt will einer den Ruhetag nutzen, um mit den Wassertanks an seinem Flieger zu experimentieren. Der Japaner Makoto Ichikawa bittet einen seiner deutschen Kollegen, ihn in den Himmel über Kirchheim zu schleppen. "I want to try something with the water", lässt er in stakkatomäßigem Englisch verlauten. "No problem", hallt es postwendend Piloten verstehen sich eben und helfen einander ohne groß zu murren. Auch wenn die meisten eine Woche ihres Jahresurlaubs für den Hanweidwettbewerb opfern, so begegnet man auf dem ganzen Areal keinem, der ob des schlechten Wetters schlecht gelaunt wäre. "Wir hatten auch schon Wettbewerbe, an denen an keinem einzigen Tag geflogen werden konnte", verrät der sportlicher Leiter der Veranstaltung Albert Kießling.

So gesehen ist der diesjährige Hahnweidwettbewerb mit drei Wertungstagen solides Mittelmaß auch wenn jeder Pilot naturgemäß lieber acht Tage lang das gemacht hätte, was er am liebsten tut.