Lokalsport

Tiefe Einblicke in Rennfahrer-Seelen

Bei den Deutschen Meisterschaften der Mountainbiker in Albstadt greift Lado Fumic am Sonntag nach seinem sechsten Titel. Bruder Manuel soll ihm dabei Rückendeckung geben.

EDGAR VELOCI

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KIRCHHEIM Sportler, die sich um ihre Form sorgen, hören sich anders an. "Wir waren etwas überlastet, das wird sich bis zum Sonntag legen." Mit lapidarem Zungenschlag wischt Lado Fumic alle Zweifel an seiner Leistungsfähigkeit zur Seite. Er steht am Sonntag (13.30 Uhr) bei den Deutschen Meisterschaften in Albstadt als Topfavorit in der ersten Startreihe.

Auch wenn er am vergangenen Samstag beim Weltcup in Willingen sein bisher schwächstes Saisonresultat verbuchte, die Überlastung, von der Lado Fumic redet, drückte sich in Medienterminen aus. TV-Aufnahmen zuhause, Pressekonferenz in Albstadt sowie ein Live-Termin im ARD-Morgenmagazin reihten sich vor dem Heimweltcup aneinander. "Wir haben uns verschätzt mit den Belastungen. Zu wenig Ruhe, nicht gut genug gegessen, nicht optimal trainiert." So fasst er die Umstände zusammen, von denen er sicher ist, dass sie ihm im Sauerland eine Top-Platzierung verwehrt haben.

Dass sein Bruder Manuel ebenfalls weit hinter seiner Leistungsfähigkeit zurück blieb, unterstreicht das Argument. So strebt der 29-Jährige seinem sechsten Deutschen Meistertitel in Folge entgegen. Um die Konkurrenz will er sich gar nicht kümmern. "Ich schaue nicht auf die anderen, ich fahre mein Rennen", sagt er. Und er kann auf die Unterstützung seines Bruders zählen. "Ich werde Lado sicher helfen, sein Trikot zu verteidigen. Ich bin ja noch jung und kann es noch oft genug erobern", erklärt Manuel Fumic.

Eine gemeinsame Strategie werde sich aber erst spontan ergeben, so Lado Fumic. Der sechs Jahre jüngere Manuel will von einer Formkrise auch nichts wissen. "Ich habe zwei Tage ruhig gemacht und am Mittwoch waren die Beine im Training schon wieder richtig gut", betont er.

Im Rückblick auf den Weltcup-Lauf in Willingen gibt er Einblick in seine Rennfahrer-Seele. An der Spitze war er auf der ersten Runde den Berg hinauf gestürmt und hatte sich sehr gut gefühlt. "Kurz bevor wir ganz oben waren, sind Sauser und Bui an mir vorbei gegangen. Da habe ich gedacht, das kann doch nicht sein, und habe begonnen an mir zu zweifeln. Danach habe ich die Beine hoch genommen", erzählt er. Bis auf Platz 47 fiel der U23-Weltmeister zurück. In der fünften, sechsten und siebten Runde ging es plötzlich aufwärts. Die 14., dann die acht- und die siebtschnellste Rundenzeit brachten ihn unter die besten 25. Er selbst hatte gar nicht das Gefühl so schnell zu sein. "Ich habe mir zu viele Gedanken gemacht. Daraus muss ich meine Lehren ziehen", zog er sein Fazit.

Zu den größten Konkurrenten am Sonntag zählt Wolfram Kurschat (Deidesheim), der Vize-Meister des vergangenen Jahres, dem der 4,8 Kilometer lange Kurs in Albstadt sicher entgegen kommt. Ob Stefan Sahm, wie in den beiden Jahren zuvor, erneut um die Medaillen mit kämpfen kann, weiß er selbst nicht. "Ich befinde mich auf dem Weg der Besserung, aber ich bin noch nicht bei 100 Prozent", sagt der Bissinger. Was die Verdauungsprobleme ausgelöst hat, weiß er erst Ende dieser Woche, wenn die Untersuchungsergebnisse da sind. Prophylaktisch wurden ihm Antibiotika verschrieben. Alles Umstände, die eine optimale Vorbereitung auf die DM nicht möglich machen. "Ich weiß nicht, wie ich das einzuschätzen habe", bekennt er. Er muss den Sonntag einfach auf sich zu kommen lassen.

"Schade für Stefan", bedauert auch Lado Fumic, dass der 28-Jährige ausgerechnet bei der ersten Deutschen Meisterschaft in Baden-Württemberg seit 15 Jahren (in Kirchzarten) nicht in Topform antreten kann. Eine Bronze-Medaille, wie 2003 und 2004 ist dieses Mal wohl nicht drin. Marc Gölz (Weilheim) wäre mit einem Platz unter den besten Zehn zufrieden. Ihm fehlt ein echter Anhaltspunkt, um seine Leistungsfähigkeit innerhalb der deutschen Fahrer einordnen zu können. Gölz fühlt sich zwar fit, aber durch Defekte und Stürze konnte er bis jetzt noch keinen echten, unbeeinflussten Leistungsnachweis erbringen. "Meisterschaften haben sowieso ihre eigenen Gesetze, die meisten sind auch nervöser als sonst", sagt er. Am Anfang nicht überziehen und hoffen, auf den letzten zwei, drei Runden noch eine Schippe drauf legen zu können, mit dieser Strategie hofft er, sich sein Ziel erfüllen zu können.