Lokalsport

Tiefer Frust über vier vergebene Matchbälle

Nervenschwache Cracks des TTC Frickenhausen/Würzburg verspielen den Einzug in das deutsche Pokal-Endspiel

Beim Endturnier um den deutschen Tischtennis-Pokal konnte der ersatzgeschwächte TTC Frickenhausen/Würzburg nichts erben. Im Halbfinale gegen den späteren Finalsieger SV Plüderhausen (2:3) scheiterte die Mannschaft allerdings an den eigenen Nerven.

Anzeige

Hannover. Eine 2:0-Führung und vier Matchbälle im alles entscheidenden Doppel reichten dem ohne den verletzten Spitzenspieler Tan Rui Wu, aber mit Patrick Baum angetretenen TTC Frickenhausen/Würzburg nicht, um in der Endrunde des deutschen-Tischtennis-Pokals in der Hannoveraner TUI-Halle ins Finale einzuziehen. So verlor der TTC gegen den neuen Pokalsieger SV Plüderhausen (3:1-Sieg über Werder Bremen im Finale) mit 2:3 – und seine Akteure ärgerten sich hinterher gründlich. Denn nach dem sensationellen Halbfinal-Aus von Topfavorit Borussia Düsseldorf (2:3 gegen Bremen) hätten die Pokalkarten für die Tälescracks äußerst günstig gestanden.

TTC-Präsident Rolf Wohlhaupter-Hermann konnte seinen Frust nach dem Ausscheiden denn auch nicht verbergen. „Ich bin schon ziemlich enttäuscht“, grantelte er, „wenn man vier Matchbälle hat, muss man das Spiel eigentlich nach Hause bringen. Wir haben eine Riesenchance verpasst, einen weiteren Titel zu holen.“ Auch dem Manager war die Laune gründlich verdorben. „Im Finale gegen Bremen hätten wir wahrscheinlich eine gute Chance gehabt. Auch ohne Tan“, kommentierte Christoph Reuhl.

Rund 4 000 Fans hatten am Samstagnachmittag die beiden Halbfinals und das Endspiel verfolgt, und die meisten davon hatten auf ein Finale zwischen Düsseldorf und Frickenhausen/Würzburg getippt. Pustekuchen. Zwei Außenseiter aus dem Remstal und aus Bremen bewiesen, dass auch der Tischtennis-Pokal eigene Gesetze hat.

Gegen Plüdershausen traf Kenta Matsudaira, 17-jährige Nachwuchshoffnung und erst am ersten Weihnachtsfeiertag aus Japan zurückgekehrt, auf den serbischen Nationalspieler Aleksandar Karakasevic. Der Youngster aus dem Täle lag 1:2 zurück, gewann dann aber die Sätze vier und fünf – die 1:0-Führung für seine Farben. Hellwach präsentierte sich auch Bastian Steger gegen den Hong-Kong-Chinesen Chu Yan Leung. „Basti“ Steger ließ dem Gegner letztlich keine Chance und erhöhte auf 2:0 für den TTC Frickenhausen/Würzburg.

Patrick Baum, deutscher Nationalspieler, gegen Jacub Kosowski, polnischer Nationalspieler – so lautete die nächste Begegnung. Mit ihr kam die Wende. Der junge Frickenhausener, gehandicapt durch eine Verletzung am Schlagarm und mit Trainingsrückstand aufgrund eines Bundeswehrlehrgangs, hatte dem jungen Polen wenig entgegenzusetzen und verlor glatt mit 0:3. Das 1:2.

Alle waren nun gespannt, ob Kenta Matsudaira dem Druck Stand halten würde und sich auch gegen Chu Yan Leung durchsetzen könne. Doch der 17-Jährige konnte die 5:2-Führung im ersten Satz nicht ins Ziel retten, verlor mit 8:11. Dann der Satzausgleich und die 2:1-Führung – für den TTC war das Endspiel wieder greifbar nah. Angefeuert von rund 80 mitgereisten Plüderhausener Fans, allesamt in gelben T-Shirts, rettete sich Leung mit einem 11:9-Satzerfolg nun jedoch in den Entscheidungssatz. Da brach der Frickenhausener völlig ein – 4:11 und Plüderhausens 2:2-Ausgleich.

Spannung war jetzt angesagt vor dem alles entscheidenden Doppel, in dem die beiden Nationalspieler Bastian Steger und Patrick Baum auf Aleksandar Karakasevic/Jacub Kosowski trafen. Das Drama nahm nun seinen Lauf: Die Schluss-Partie ging über fünf Sätze. Den ersten Durchgang gewannen die Plüderhausener (11:7), den zweiten und dritten der TTC (11:7, 11:9). Nichts für schwache Nerven war der vierte Durchgang, in dem das Frickenhausener Duo beim Stande von 10:7 drei Matchbälle vergab und beim Stande von 12:11 einen weiteren. Des einen Pech, des anderen Glück. Beflügelt von der eigenen Energieleistung gewannen die Plüder­hausener schließlich diesen (14:12) und den Schluss-Satz (11:8) – der TTC Frickenhausen/Würzburg war ausgeschieden.

Dagegen machte der Gegner seinen Weg bei dieser 50. Pokal-Endrunde: Zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte gelang dem SV Plüderhausen der Sieg im deutschen Tischtennispokal. ds

Frickenhausen/Würzburg – Plüderhausen 2:3

Matsudaira – Karakasevic 3:2 (11:8, 2:11, 8:11, 11:6, 11:7)

Steger – Leung 3:1 (11:3, 9:11, 11:9, 11:6)

Baum – Kosowski 0:3 (5:11, 12:14, 5:11)

Matsudaira – Leung 2:3 (8:11, 11:2, 11:9, 9:11, 4:11)

Steger/Baum – Karakasevic/Kosowski 2:3 (7:11, 11:7, 11:9, 12:14, 8:11).