Lokalsport

Toskana-Feeling zwischen Sattelbogen und Bölle

Zwölf Kilometer vom Guckenrain rund um den Teckberg – ein Lauf mit Physiotherapeut Marcus Kinkelin aus Dettingen (19)

Dettingen. Die Bassgeige zur Linken, Owen vor Augen, Stuttgart am Horizont und das alles bei allmählich untergehender Sonne – bei solch einem Anblick k ann man schon mal

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Peter Eidemüller

ins Schwärmen geraten. Marcus Kinkelin tut‘s mit fast schon kindlicher Freude, als der gemeinsame Joggingweg auf Trampelpfade unterhalb des Bölle am Teckberg führt. „Ist das nicht herrlich?“, juchzt er, „da kommt richtiges Toskana-Feeling auf.“

Dabei kann es sich Marcus Kinkelin momentan zeitlich kaum leisten, an Italien-Urlaub zu denken. Zu eingespannt ist der 38-Jährige als Chef einer Praxis für Physio- und Manualtherapie in der Kirchheimer City. Zumal der boomende Betrieb im Begriff ist, in größere Räumlichkeiten umzuziehen. Zeit für Entspannung, die der gebürtige Kirchheimer gerne beim Sport findet, muss er sich daher regelrecht freischaufeln. „Aber wenn man will, findet man immer eine Stunde, in der man laufen kann“, betont er, „Ausreden gibt es nicht, oder?!“

Die Runde einmal rund um den Teckberg startet beim Altenheim auf dem Dettinger Guckenrain. Querfeldein geht‘s entlang des Segelfluggeländes Richtung Bissingen. So angenehm flach die Strecke bis hierhin verlaufen ist, so stetig steigt sie mit Einbiegen auf den Radweg an, der die Verlängerung der Silcherstraße am Bissinger Ortseingang bildet. „Der erste kurze Anstieg“, feixt Marcus Kinkelin, ehe es rechter Hand richtig steil wird und es bis an den Waldrand unterhalb der Teck auch bleibt.

Bergauf – für den Mann, den alle „Kinki“ rufen, die bevorzugte Richtung. Auch beim Radfahren („eigentlich meine wahre Liebe“) darf in Sachen Anstieg gerne Hochprozentiges auf dem Programm stehen. Als Mann vom Fach erkennt Kinkelin dabei auch (muskuläre) Zusammenhänge zwischen beiden Ausdauersportarten. „Mountainbiker tun sich beim Bergauflaufen leichter“, weiß er. Kein Wunder, dass der passionierte Biker im lockeren Plauderton die neuesten sportmedizinischen Erkenntnisse („dehnen bringt nicht immer was“) erklärt und dabei kaum aus der Puste kommt – Kinki hat Kondition.

Endlich wieder auf einigermaßen flachem Terrain lassen wir die Otto-Mörike-Hütte links liegen und laufen auf der Teckstraße stramm auf den gefühlten Wendepunkt der Strecke, den Sattelbogen, zu. „Wie schön man hier eigentlich lebt, merkt man erst, wenn man länger weg war“, bemerkt Marcus Kinkelin, als der Wald einen kurzen Blick auf die Jungviehweide zur Linken freigibt.

Länger weg, das war der zweifache Familienvater in seinem Leben nämlich bereits. Nach der Ausbildung in Konstanz war er beruflich lange in der Schweiz und im Allgäu unterwegs. Vor sieben Jahren zog es den ehemaligen Langstreckenläufer des TSV Wendlingen dann im wahrsten Sinne des Wortes wieder unter die Teck: Marcus Kinkelin wohnt mit Familie auf dem Guckenrain.

Selbiger ist noch lange nicht in Sicht, im Gegenteil: am Sattelbogen haben wir zwar erst knapp die Hälfte des Weges hinter uns gebracht, dafür aber den anstrengendsten Part. Von der Schnittstelle zwischen Lenninger und Bissinger Tal geht es auf schottrigem Untergrund Richtung Bölle-Parkplatz. Dort angekommen schlägt Marcus Kinkelin einen Trampelpfad ein, der an der bei Grillern so beliebten Feuerstelle vorbei auf den Fahrtweg zur Teck führt – Zeit für das Toskana-Feeling.

Die Gefilde rund um den Teckberg sind Marcus Kinkelin nicht fremd. Jahrelang war er treuer Silvesterlaufteilnehmer. Selbst zu der Zeit, als er sich wegen Hüftproblemen verstärkt dem Radfahren widmete und lauftechnisch kürzertrat. Anders als ein Großteil seiner Klientel wusste er, dass weniger oft mehr ist. „Viele übertreiben es mit dem Laufen und vergessen, für einen entsprechenden Ausgleich zu sorgen“, sagt er. Noch größer sei jedoch die Gefahr, mit falschem Schuhwerk unterwegs zu sein – Augen auf beim Schuhekauf, fordert Fachmann Kinkelin deshalb. „Ohne eine gute Beratung sollte man da nichts machen.“

Auf asphaltierter Straße geht‘s für wenige Meter hinauf Richtung Hörnle-Parkplatz – der letzte Anstieg der Runde, denn schon fädeln wir auf den „Ho-Tschi-Minh-Pfad“ ein, der uns auf entgegengesetzter Silvesterlauf-Strecke bergab führt. Und wie läuft man aus physiotherapeutischer Sicht da am besten? „Kleine Schritte“, sagt Marcus Kinkelin. Die tun auch aus ganz anderem Grund Not: der „Ho-Tschi-Minh-Pfad“ ist matschbedingt ähnlich rutschig wie an zahlreichen Silvestertagen. Ohne Stolperer oder Stürze wieder auf Asphalt laufend, tauchen nach knapp eineinhalb Stunden stetigen Auf und Abs die ersten Häuser des Guckenrains auf.