Lokalsport

Trainer-Machtwort als Initialzündung

Lenninger Handballerinnen drehen nach der Pause auf und landen einen 29:20-Auswärtssieg

Die Lenninger Handballerinnen demonstrieren Auswärtsstärke: Im Gastspiel bei der HSG Frankenbach/Neckargartach glückte ein 29:20 (10:9)-Sieg. Doch die Gäste kamen erst so richtig nach der Pause auf Touren – just, nachdem Trainer Uli von Petersenn ein Machtwort gesprochen hatte.

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Heilbronn. Der klare Sieg der SG Lenningen bei der HSG Frankenbach/Neckargartach täuscht. Es bedurfte einer Halbzeitstandpauke von Lenningens Trainer Uli von Petersenn, um seine Mädels wach zu rütteln. „In der ersten Halbzeit war meine Mannschaft überhaupt nicht auf dem Platz“, grantelte der SG-Coach, „ich musste ihnen erklären, dass der wichtigste Körperteil beim Handball der Kopf ist“.

Die SG-Probleme drückten sich vor allem in der Konzentrationsfähigkeit aus. Bestes Beispiel: In den ersten zwölf Minuten wurden drei Strafwürfe verballert. Erst Saskia Schweikert war dann beim vierten Wurf zum 6:5 (18.) erfolgreich. Kurz zuvor hatte Petersenn eine Auszeit genommen. Seine Ansprache fand in Folge wenig Gehör. Lenningen kam einfach zu spät aus der Abwehr, sodass die Gastgeberinnen durch Uschi Jonas und Julia Gmelin sich die Lücken aussuchen konnten und trafen. Bereits nach zehn Minuten musste Sarah ­Timar mit Knieproblemen auf die Bank. Ganz wichtig war, dass Jeanette Ulmer noch zur Mannschaft stoßen konnte und sowohl in der Rückraummitte als auch auf Rechtsaußen Akzente setzte.

Langer Ball und ein Tor der kuriosen Art

Nicht gut war, dass die SG zu schnell den Abschluss suchte und halbhoch warf, womit man HSG-Torhüterin Romina Mrosla nicht erschrecken konnte.

Die Lenninger Schwächen in der Abwehr und im Angriff nutzten die Gastgeberinnen und zogen auf 9:7 (25.) weg.

Erst in den letzten zehn Minuten fand eine Rückbesinnung statt. ­Adriana Rau übernahm die SG-Kommandozentrale und setzte ihre Mitspielerinnen klug ein. 20 Sekunden vor dem Halbzeitpfiff war Lenningen wieder zurück – 9:9.

Es folgte ein sehr kurioses Tor: ­Sarah Timar, erst wieder kurz im Spiel, stand an der gegnerischen Neun-Meter-Linie umringt von zwei Abwehrspielerinnen. In der SG-Abwehr fischte Saskia Schweikert den Ball weg und warf eine Bogenlampe. Der Ball, in Richtung Timar, schien endlos in der Luft zu liegen. Ihr gelang es trotz harter Bedrängnis, das Spielobjekt zur 10:9-Führung im Netz unterzubringen. Jetzt erst, nach dem Seitenwechsel, begann für Lenningen das Spiel neu. Petersenn stellte auf eine 6:0-Abwehr um. Adriana Rau spielte zentral und mit dieser Formation wurde sehr gut gearbeitet.

Mehrmals scheiterte die HSG am Doppelblock der Gäste. Die zurück- gewonnene Stabilität beflügelte auch die Offensive. Rau, stark im Eins-gegen-eins-Spiel, bediente Miriam Emmenegger und Saskia Schweikert am Kreis und diese bedankten sich mit Toren. Larissa Blocher, einmal in Fahrt, drehte richtig auf. Über 13:10 (38.) zog die SG auf 15:11 (40.) weg. HSG-Trainer Torsten Wacker versuchte mit einer Auszeit (40.) dem Spiel eine Wende zu geben. Es half nicht. Lenningen – mit Zielrichtung Auswärtssieg – blieb dominant und Susi Kazmaier traf zum 21:17 (47.). Nochmals versuchte die HSG mit einer 3-2-1-Deckung den SG-Rhythmus zu brechen. Es gelang nur bedingt. Drei Tore in Folge von Ramona Grzes und Sandra Mayer brachten die Unterländerinnen auf 19:24 (53.) heran. Für Petersenn ein Grund, einzugreifen. Seine Auszeitansprache zeigte Wirkung. Lenningen nahm nun den Tempohandball wieder auf. Und dies ohne die verletzte Gabi Baermann, welche die Schlussoffensive der SG von der Bank aus verfolgte.

Die Spielerinnen der HSG Frankenbach/Neckargartach waren nun platt, konnten nicht mehr dagegenhalten. „Ich habe meinen Spielerinnen bei der Halbzeitansprache auch gesagt, dass sie an ihrem Wurfbild arbeiten müssen und dies haben sie dann sehr gut umgesetzt“, sagte ein zufriedener Uli von Petersenn. döl

HSG Frankenbach/Neckargartach: Mrosla, Keim – Kupper (7/6), Gmelin (3), Jonas (3), Grzes (2), Mayer (2), Kuhn (2/1), Ladoni (1), Schramm, Schuhmacher.

SG Lenningen: Reichle, Hahn – Timar (10/3), Rau (7), Blocher (4), Schweikert (4/1), Emmenegger (2), Kazmaier (1), Ulmer (1), Baermann, Schmack.