Lokalsport

Trap jovial, radebrechend und analytisch: Alle finden den VfB-Trainer gut

Als der Mannschaftsbus des VfB Stuttgart gestern Nachmittag auf den Stadionparkplatz einrollte, waren die wartenden Fans schon aus dem Häuschen. Nach Spielschluss und Gästesieg (5:0) waren sie nicht mehr zu halten: Zu Hunderten stürmten sie das Spielfeld.

THOMAS PFEIFFER

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KIRCHHEIM Trap war da und das Publikum klatschte frenetisch Beifall: Als der VfB-Mannschaftsbus gestern Nachmittag Punkt kurz vor 17 Uhr auf dem Stadionparkplatz ankam, empfingen ihn die meist jugendlichen Fans mit lautem Getöse. Viele wollten nur eines: ein Autogramm erhaschen. Der Erfolg freilich war mäßig. Als Zvonimir Soldo, Fernando Meira, Jeronimo Cacau und Co. aus dem Bauch des Gefährts in Richtung Stadionkatakomben marschierten, ließen die aufgestellten Sperrgitter Fan-Anfragen in Sachen Autogramme erst gar nicht zu. Die VfB-Stars beim Anmarsch wie kaserniert.

Ein Sicherheitsdenken wie in der Bundesliga. Auch, als Giovanni Trapattoni direkt vor der Umkleidekabine zufällig einem Reporter über den Weg lief. Der, nicht lange fackelnd, stellte eine Frage eine zu viel. Sofort verlangte der VfB-Trainer nach dem VfB-Pressemann, und Tobias Herwerth tat dann das, was er tun musste: Seinen Trainer abschirmen. "Interviews beim VfB zu bekommen, wird neuerdings immer schwieriger", wusste Guido Dobbratz zu berichten. Der SWR-Mann zimmerte zusammen mit Studiomoderatorin Ursula Hoffmann für die TV-Sendung "Sport im Dritten" am morgigen Sonntag (ab 21.55 Uhr) einen Stimmungsbericht.

Kontakt zu kriegen mit den VfB-Stars zu Beginn des Fußballabends schier unmöglich. Auch deshalb, weil Co-Trainer Andreas Brehme erst gar nicht ansprechbar war: In der letzten Stunde vorm Anpfiff telefonierte der neue zweite VfB-Übungsleiter und VfB-interne "Übersetzer" für Trapattoni fast ständig. Dass er eine plötzliche Erfolgsmeldung von der VfB-Suche nach einem geeigneten Nachfolger für Kevin Kuranyi erhielt, schien unwahrscheinlich. "In Sachen Neuzugänge gibt es nichts Neues", dementierte Tobias Herwerth eine entsprechende Anfrage. Und fügte an: "Trapattoni hat in Stuttgart für sich und seine Frau noch immer kein passendes Appartement gefunden." Das Ehepaar sucht Wohnraum inmitten der City.

Als die VfB-Spieler die wenigen Meter zwischen Stadiontrakt und Spielfeld zurücklegten, gab's Hautkontakt manch freudestrahlender Fan erwischte den Arm eines seiner Lieblinge. Auch Trap spielte vor dem Anpfiff everybodys darling: Für Erinnerungsfotos posierte er ebenso brav wie er den innigen Smalltalk mit italienischen Landsleuten suchte. Immer freundlich lächelnd, wich der 66-jährige Startrainer keiner Begegnung aus ausgiebig kostete der Maestro das Bad in der Menge.

Enthusiastische, frenetisch den glanzlosen 5:0-Sieg feiernde Fans bekamen die VfB-Spieler später voll ab. Im Eiltempo fielen neun, zehn Hundertschaften direkt nach dem Abpfiff auf das Spielfeld ein. Objekt der Begierde: eine Unterschrift. Doppeltorschütze Marco Streller und Kameraden hatten jedenfalls alle Hände voll zu tun, den Autogrammwünschen nachzukommen und teilweise auch Mühe, den Massen unverletzt wieder zu entkommen. Schlecht sah's zwischendurch für den ehemaligen U21-Nationalspieler Christian Tiffert aus: Sein Versuch, sich hinter seinen Kameraden den Rückweg in die Duschkabine zu bahnen, schlug zehn Minuten lang fehl.

Ausnahmezustand im Stadion. Selbiger hielt an, als der VfB-Trainer zur vollbesetzten Pressekonferenz schritt. Die Kameras liefen längst, als der kleine Italiener den Eingangsworten von Moderator Helge Waider ("ein wunderbares Freundschaftsspiel") das folgen ließ, was alle von ihm erwarte(te)n: Entertainment in Worten. "Meine Sprach iss nix gudd", sagte er. Das reichte, um die Anwesenden zu amüsieren. Trap radebrechte, Trap machte Gags, als niemand was fragte ("die habbe Hunga - ich nix vergesse") der smarte Italiener gefiel. Letztlich auch in seiner (realistischen) Spielanalyse: "Meine Mannschaft spielte heute nicht gut. Aber man darf nicht vergessen, dass wir erst vier Tage trainieren." Das war frei übersetzt im Originalton klang's lustiger.

Jedenfalls: Bei Trap kamen gestern Abend alle auf ihre Kosten. Klar, dass es nach dem VfB-Gastspiel, das aus wirtschaftlicher Sicht für den finanziell klammen Gastgeber ein echter Segen war, nur strahlende Gesichter gab. Eines davon trug Winfried Scholz zur Schau.

"Heute kamen rund 2500 Zuschauer mehr als beim DFB-Pokalspiel gegen Hannover 96", bilanzierte der VfL-Abteilungsleiter froh, "und sicherlich war Trapattoni die Hauptzugnummer."