Lokalsport

Turbulenzen zur Unzeit

Schon wieder personelle Querelen bei Kirchheims Landesligafußballern

Vor dem Heimspiel am morgigen Freitag gegen den FC Heiningen (19 Uhr) wird Fußballlandesligist VfL Kirchheim von personellen Turbulenzen durchgeschüttelt. Während Keeper und Kapitän Manuel Doll das Team auf eigenen Wunsch vorerst verlassen hat, wurde der Vertrag mit Routinier Aydin Caglar aufgelöst. Stürmer Fatih Özkahraman ist weiterhin suspendiert, könnte laut Trainer Erol Sarikoc morgen aber wieder zum Einsatz kommen. Zu allem Überfluss hat auch Spielleiter Dirk Lange das Handtuch geschmissen.

Die Doppelbelastung mit Sport und Studium zwingt VfL-Kapitän Manuel Doll zu einer selbst verordneten Auszeit. Foto: Daniel Kopat
Die Doppelbelastung mit Sport und Studium zwingt VfL-Kapitän Manuel Doll zu einer selbst verordneten Auszeit. Foto: Daniel Kopatsch

Kirchheim. Die VfL-Fußballer sind um eine ihrer ohnehin nur rar gesäten Galionsfiguren ärmer. Mit Manuel Doll hat die Teckstädter ein auf und neben dem Platz engagierter Leistungsträger verlassen – allerdings nur vorerst, wie Doll betont: „Ich gehe nicht im Streit und das Ganze ist auch erstmal nur bis zur Winterpause gedacht“, versichert der 28-Jährige, der sich als angehender Realschullehrer am Ende seines prüfungsbeladenen Referendariats jede freie Minute aus den Rippen schneiden muss. „Das wächst mir gerade alles über den Kopf“, stöhnt Doll über die Doppelbelastung mit Sport und Studium.

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Erleichtert haben dürfte ihm die Entscheidung allerdings auch die zuletzt in die Mannschaft zurückgekehrte Unruhe. Nach vier Spielen mit null Punkten und 5:17 Gegentoren auf den drittletzten Tabellenplatz zurückgefallen, ging dem Team die zuvor auch dank Dolls Führungsqualitäten mühsam erarbeitete Geschlossenheit immer mehr abhanden.

Beispiel Fatih Özkahraman: Der gleichermaßen ehrgeizige wie exzentrische Torjäger leistete sich ob seiner Unzufriedenheit mit der sportlichen Talfahrt teamintern offenbar so viele verbale Fehltritte, dass selbst der ihm wohlgesonnene Trainer Erol Sarikoc nicht um eine Suspendierung herumkam. Da torgefährliche Spieler wie Özkahraman an der Jesinger Allee jedoch nicht auf den Bäumen wachsen, ist nicht ausgeschlossen, dass er morgen gegen Heiningen aufaufen darf. „Eine Entscheidung wird es nach dem Training am Donnerstag geben“, sagt Sarikoc.

Unumstößlich ist hingegen die sofortige Auflösung des Vertrags mit Aydin Caglar. Der 37-Jährige, der nach Einsätzen in den ersten drei Saisonspielen zuletzt verletzungsbedingt nicht mehr am Ball war, hatte laut Sarikoc eine Meinungsverschiedenheit – mit wem, sagt der Kirchheimer Übungsleiter nicht. Vielmehr ist Sarikoc froh, dass – wie er es sagt – „jetzt wieder Ruhe in die Mannschaft eingekehrt ist.“

Inwieweit das stimmt, bleibt abzuwarten. Schließlich stehen die Teckstädter seit dieser Woche auch ohne Spielleiter da. Der für die Spieltagsorganisation zuständige Dirk Lange nennt berufliche Belastung als Rücktrittsgrund, lässt gleichzeitig aber durchblicken, dass ein zunehmend rauer Ton innerhalb der Mannschaft seine Entscheidung begünstigt habe. Mit potenziellen Nachfolgern ist der VfL laut Abteilungsleiter Fabian Preuß bereits im Gespräch. Für den obersten Fußballfunktionär Kirchheims kommen die Personalturbulenzen zur absoluten Unzeit: „Die Lage ist ganz, ganz kritisch. Um unseren Jugendspielern auf Dauer eine Perspektive bieten zu können, müssen wir die Landesliga halten“, betont Preuß.

Dass für dieses Ziel die nicht unumstrittene Regelung die Jugendspieler betreffend doch noch gekippt wird, scheint ausgeschlossen. Soll heißen: Auch in Zukunft werden keine A-Juniorenkicker in den Aktivenkader aufrücken. „Wir sind uns einig, dass es momentan keine Spieler aus der Jugend gibt, die uns tatsächlich verstärken würden“, sagt Erol Sarikoc, der bis auf Weiteres auf Verteidiger Sören Mende (Muskelfaserriss) verzichten muss. Dafür kehren für das morgige Spiel gegen Heiningen mit Bogdan Szabics, Daniel Cisternino und Michael Bezler drei Spieler in den Kader zurück. Manuel Dolls Job im Tor übernimmt Marco Joos, neuer Kapitän ist Nebih Kadrija.

Unabhängig davon ist die Marschroute gegen den Tabellenvierten aus Heiningen klar. „Wir wollen uns gut aus der Affäre ziehen“, sagt der Sportliche Leiter Norbert Krumm – angesichts der Heininger Offensivkraft ein frommer Wunsch. Mit 27 Treffern stellen die selbst ernannten Aufstiegsanwärter des FCH das zweitgefährlichste Team der Liga nach dem TSV Essingen (30).