Lokalsport

Über 60 m verblüffend über 200 m in alter Stärke

Beim 22. Sparkassen-Cup vor 7500 Zuschauern in der Stuttgarter Schleyer-Halle bekam Topsprinter Tobias Unger, der sich nach langer Abwesenheit eindrucksvoll zurückgemeldet hat, vom Veranstalter einen Sonderpreis für die beste Leistung des Abends.

KLAUS SCHLÜTER

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STUTTGART Viel Nervosität lag in der Luft, als die Sprinter zum 60-Meter-Vorlauf niederkauerten. Auch bei Tobias Unger, wie er später zugab. Kein Wunder: Es war sein erster großer Auftritt nach einer durch Verletzungen und Krankheiten bedingten Zwangspause in der Halle von fast zwei Jahren. In Sindelfingen hatte er kürzlich mit einer Zeit von 6,63 Sekunden gezeigt, dass wieder mit ihm zu rechnen ist.

Unger verblüffte die hochkarätige Konkurrenz, darunter Olympiasieger Kim Collins und Mike Rodgers (USA), mit einem Blitzstart. Im Ziel hatte er immer noch die Nase vorn, die Stoppuhr blieb bei 6,63 Sekunden stehen. Damit hatte er erneut die Norm für die Hallen-WM unterboten und sich fürs Finale qualifiziert. Er verzichtete aber darauf, weil er vor heimischem Publikum unbedingt die 200 Meter gewinnen wollte.

Drei Stunden später der Start auf seiner Paradestrecke. Wieder legte Unger los wie die Feuerwehr, musste aber seinem eigenen Tempo etwas Tribut zollen. Seine Siegerzeit von 20,84 Sekunden ist die bisher zweitbeste in dieser Saison gelaufene Zeit. "Ich wollte noch etwas schneller", gestand der 28-jährige Kirchheimer, "aber es ist gar nicht einfach, sich das Rennen richtig einzuteilen, wenn man so lange nicht in der Halle gestartet ist. Ich muss erst das Gefühl dafür wieder kriegen." Sein Trainer Micky Corucle bestätigte: "Du bist die ersten hundert Meter zu schnell angegangen." Unger entgegnete: "Ich brauche jetzt so viele Rennen wie möglich, um Praxis zu sammeln."

Er liebäugelt sogar mit einem 60-Meter-Start bei der Hallen-WM in Valencia, will darüber noch mit seinem Trainer reden. Doch Corucle ist dagegen, hat für seinen Schützling nur noch Hallenstarts am nächsten Wochenende in Karlsruhe und in zwei Wochen bei den deutschen Hallenmeisterschaften in Sindelfingen vorgesehen. Seine Sorge nach den vielen Rückschlägen: "Ich möchte, dass er heil in Peking ankommt. Die Olympischen Spiele sind das große Saisonziel." Ihm will Unger alles unterordnen. Er ist überzeugt, sich bis Peking noch deutlich steigern zu können: "In Karlsruhe will ich unter 6,60 laufen und über 200 Meter ist dieses Jahr eine Zeit um 20,60 möglich."