Lokalsport

Über dem Filstal kreistder Pleitegeier

Landesligist FC Eislingen wird von einem schweren Finanzskandal erschüttert. Mehrere hunderttausend Euro sind spurlos verschwunden, dem Verein aus dem Filstal droht die Pleite. Die fehlenden Gelder wirken sich auch auf den Spielbetrieb aus. "Die Mannschaft wird die Rückrunde auf jeden Fall zu Ende spielen", betont das geschäftsführende Präsidiumsmitglied Thomas Rupp.

EISLINGEN Seit Jahrzehnten schon bestreitet der FC Eislingen einen Teil seiner Ausgaben durch ein Finanzierungsmodell. Gönner und Mitglieder vertrauen dem Verein größere Summen an, die der FCE wiederum anlegt. Von den Zinserträgen bekommen die Anleger Teilbeträge zurück, der Rest kommt dem Klub zugute. Wenn jemand aussteigen wollte, ging dies in der Vergangenheit stets reibungslos über die Bühne. Die Gelder wurden einfach zurückerstattet.

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Nicht so kurz vor Weihnachten. Als zwei Anleger gleichzeitig ihre Einlagen zurückverlangten, flog der Schwindel auf. Es wurde festgestellt, dass mehrere hunderttausend Euro fehlen. Die Funktionäre, die für den sportlichen Bereich zuständig sind, waren geschockt, sie hat's getroffen wie ein Blitz aus heiterem Himmel. "Wir stehen kurz vor der Insolvenz", verdeutlicht Rupp. Verhindert werden konnte die Pleite lediglich dadurch, dass sich andere Anleger verpflichteten, in nächster Zeit keine Forderungen zu erheben.

FCE-Präsident Rainer Interwies, selbst ein Polizeibeamter, hat sofort reagiert. Jetzt ermittelt die Ulmer Staatsanwaltschaft. Gewisse Verdachtsmomente gibt's bereits, aber darüber hüllt sich Interwies in Schweigen. Klaus Gromer, der Trainer der A-Junioren, versucht nun mit einigen Mitstreitern zu gewährleisten, dass die Mittel für eine qualifizierte Nachwuchsarbeit und Trainerausbildung nicht gänzlich versiegen. Der größte Kostenfaktor ist allerdings die Landesliga-Mannschaft. Spielleiter Rudi Lechner machte die FCE-Akteure schon mal damit vertraut, dass sie den Rest der Saison möglicherweise ohne die gewohnten finanziellen Zuwendungen bestreiten müssen. "Jetzt wird es sich zeigen, was für eine Mannschaft wir haben", fordert er Solidarität von seinen kickenden "Angestellten" ein. Die hat Trainer Ralf Rueff bereits angekündigt: Er will die Serie notfalls auch zum Nulltarif durchziehen.

Thomas Rupp hat inzwischen wieder Mut gefasst. "Ich glaube, dass die Mannschaft eine gute Rückrunde spielen wird", ist er überzeugt nach den ersten Trainingseinheiten dieses Jahres. Illusionen gibt er sich aber genauso wenig hin wie Rainer Interwies, denn falls sich die Sache überhaupt aufklären lässt, wird sich ein Verfahren wohl über Jahre hinziehen. So lange wollen und können die FCE-Macher nicht warten. Sie wollen selbst alles dazu beitragen, dass der Klub wieder aus der Misere kommt. "Wir wollen den Karren aus dem Dreck ziehen", versprechen Rupp und Interwies.

pr/uba