Lokalsport

Über den Spaß am Laufen zurück an die Spitze

Nach einem sportlichen Seuchenjahr blickt Marc Kochan, DLV-Sprinter in Diensten von Salamander Kornwestheim, zuversichtlich in die Zukunft. Dem geplatzten Traum von Olympia nicht nachtrauernd, hofft der Kirchheimer auf ein Comeback in der anstehenden Hallensaison. Allein sein seit langem lädierter rechter Fuß kann ihm dabei einen Strich durch die Rechnung machen.

PETER EIDEMÜLLER

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KIRCHHEIM Marc Kochan ist nicht der Typ, den so leicht etwas aus der Ruhe bringt. Wo andere in vergleichbaren Situationen den Kopf hängen lassen würden, legt der Nationalsprinter Lockerheit und Zuversicht an den Tag. Rückblende: Vor rund einem Jahr plagten den 25-Jährigen mit Ambitionen in der deutschen 4x100-Meter-Staffel immer öfter Schmerzen im rechten Fuß. Unzählige Arztbesuche brachten keine eindeutige Diagnose, die zunehmenden Schmerzen machten eine Operation im Mai diesen Jahres unumgänglich ausgerechnet in der Olympia-Saison. Der große Traum von Athen war geplatzt, andere, wie Tobias Unger, heimsten die Lorbeeren ein, von denen auch Kochan insgeheim geträumt hatte.

Sportlich kann er 2004 als sein Seuchenjahr abhaken. "Meinen letzten Wettkampf hatte ich Anfang des Jahres bei einem Hallenmeeting in Karlsruhe. In der Freiluft-Saison bin ich wegen der Verletzung kein einziges Rennen gelaufen." Die erzwungene Wettkampfpause nutzte Kochan, um sowohl seine sportliche, als auch seine berufliche Situation neu zu überdenken. In der Zusammenarbeit mit seinem Kornwestheimer Trainer Jürgen Schneider sah er "keine Perspektive mehr", außerdem war Kochans Trainingsgruppe bei Salamander im Auseinanderbrechen begriffen. Der nach allen Seite offene Kirchheimer nahm Kontakt mit der MTG Mannheim auf. Bei den Kurpfälzern hatte Hürden-Nationaltrainer Rüdiger Harksen eine starke Trainingsgruppe um die Olympiateilnehmer Jerome Crews und Kirsten Bolm aufgebaut. "Vor allem mit Jerome wäre es klasse gewesen, zu trainieren", schwärmt Kochan noch heute.

Der Wechsel nach Mannheim hätte jedoch neben dem sportlichen auch ein berufliches Risiko bedeutet, vor allem deshalb, weil der gelernte Wirtschaftsinformatiker den Verlauf seiner Fußverletzung zu diesem Zeitpunkt nicht einschätzen konnte: "Das war mir alles zu unsicher. Ich hatte jobmäßig in Mannheim nichts in Aussicht. Hätte ich mich nur auf den Sport verlassen, wäre ich unter Umständen mit leeren Händen dagestanden." Realistisch kalkulierend, behielt Kochan den Fokus auf der Region Stuttgart. Ein Schritt, der sich für ihn auszahlen sollte.

Geprägt von seinem Aufenthalt bei Sprinter-Legende Frankie Fredericks in Namibia Anfang des Jahres, versuchte Marc Kochan die beim "alten Meister" angewandten Trainingsmethoden im Spätsommer nach Kornwestheim zu tragen. Der dort tätige DLV-Nachwuchstrainer Alexander Seeger, der den Verein eigentlich schon verlassen wollte, war Feuer und Flamme für Kochans Ideen. "Ich habe sofort gemerkt, dass zwischen Alex und mir die Chemie stimmt", sagt der DLV-Sprinter.

Auch beruflich bleibt der ehemalige VfL-Crack der Region erhalten. Zwar verlängerte sein Arbeitgeber IBM seinen bis Ende September laufenden Vertrag nicht, doch machte der Vaihinger Großkonzern dem Teckstädter ein, wie auch Kochan findet, faires Angebot. "Ab März werde ich einen Aufbaustudiengang mit IBM als Ausbildungsstelle machen", freut sich Kochan auf das kommende Frühjahr. Bis dahin verdingt er sich als freier Journalist und PR-Berater.

Sein sportliches Comeback peilt Marc Kochan, der seit Juni (auch im Training) keine Spikes mehr getragen hat, in der Hallensaison an. "Der Sparkassen-Cup in der Stuttgarter Schleyer-Halle Ende Januar wäre ein erstes Ziel." Zuvor gilt es jedoch, die Nagelprobe, was seine Fußverletzung angeht, zu bestehen. Mehrmalige Besuche beim Uhinger Orthopäden Dr. Dimitr Jontschew stimmen Kochan zuversichtlich: "Ich bin zwar seit zwei Wochen schmerzfrei, aber einen wettkampfähnlichen Belastungstest habe ich noch nicht vollzogen", beschreibt er die kleine psychologische Sperre im Kopf. Er und sein Coach Alexander Seeger planen für Dezember den ultimativen Härtetest, durch den sich, laut Kochan, neben der Planung für die Hallensaison, auch sein weiterer Karriereverlauf entscheiden könnte: "Sollte die Verletzung wieder aufbrechen, müsste ich mir schon grundsätzliche Gedanken übers Aufhören machen."

So weit will es Kochan nicht kommen lassen, auch wenn er weiß, dass er sportlich gesehen im Jahr 2005 kleinere Brötchen backen wird. "Macht der Fuß mit, peile ich über 100 Meter eine Zeit von 10,5 Sekunden an. Generell will ich mich aber über den Spaß am Laufen wieder zurück an die Spitze kämpfen." In Sachen Trainingslager lässt sich Kochan Möglichkeiten offen. "Entweder geht's mit der Trainingsgruppe nach Lanzarote oder nochmal zu Frankie nach Namibia." Immer vorausgesetzt, der Fuß hält den Belastungen stand. Der Dezember wird's zeigen . . .