Lokalsport

Über Stress, Spaß und Schlafentzug

Acht Tage Fußball im Holzmadener Brühl sind vorbei, die Verantwortlichen im Brühl geschafft, aber glücklich: „Wir sind vollauf zufrieden“, bilanzierten Abteilungsleiter Manfred und Vereinsvorsitzender Bernd Stark gestern am frühen Abend.

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Kein Wunder: Nach ersten Schätzungen (die offiziellen Zahlen lagen gestern noch nicht vor) strömten rund 8 000 Bescuhert verteilt über die Turnierwoche auf das Sportgelände, das postalisch in der Jurastraße 3 firmiert. Im Vergleich zum Jahr 2001, als der Teckbotenpokal-Tross letztmalig in Holzmaden Station machte, ein deutliches Plus: Vor sieben Jahren wurden 5 000 Zuschauer gezählt.

Dass ein Ein-Wochen-Event selbst an einem vergleichsweise gut aufgestellten Verein wie dem TSV Holzmaden (860 Mitglieder) nicht spurlos vorbeigeht, versteht sich von selbst. Beispiel Bernd Stark. Der Vereinsvorsitzende kam täglich erst weit nach Mitternacht ins Bett, musste entsprechend früh wieder auf der Matte stehen. Wie ihm („ich komme allmählich auf dem Zahnfleisch daher“) dürfte es so manchem tapferen TSVH-Helfer gegangen sein. Als selbstständiger Versicherungskaufmann konnte sich Stark zwar ohne Urlaubsantrag frei machen, muss die verlorenen (Turnier-)Tage aber wieder aufholen. „Ich muss in den kommenden Wochen im Büro ziemlich ranklotzen“, stöhnt er.

Wie das mit Ranklotzen geht, machten ihm die vielen Helfer und Helfershelfer vor. Mit am regesten war Peter Waimer. Der etatmäßige Spielleiter der aktiven TSVH-Mannschaft war unter der Woche „unser Mann für alles“, wie es Turnierleiter Manfred Stark formulierte. So auch am Samstagvormittag, als sich der Dettinger Jens Starkert eine Platzwunde am Kopf zuzog und vergeblich auf Sanitäter wartete – nachdem die Rot-Kreuz-Helfer mit kaputtem Bus noch in Weilheim standen, legte Waimer („ich bin seit 36 Stunden auf den Beinen“) spontan selbst Hand an Starkerts Schädel.

In Sachen Platzpflege war jedoch selbst der rührige Peter Waimer am Final-Wochenende mit seinem Latein am Ende. Vor allem dem Rasen des Hauptspielfelds taten die 30 dort ausgetragenen Partien offensichtlich nicht gut – zumal die Drainage im Bereich des Tores an der Südseite im Verlauf der Woche kaputt gegangen war. So richtete vor allem der starke Regenguss, der am Freitagnachmittag über Holzmaden niederging, diese Stelle besonders übel zu.

Ramponiertes Geläuf war jedoch fest in die Turnierbilanz der Holzmadener einkalkuliert. Schließlich verlor sich vor allem nach den Spielen ein Großteil der Besucher auf beiden Rasenplätzen – und das vor allem bei der Players Night in nicht geringem Maße. Beim alljährlichen gesellschaftlichen Turnier-Höhepunkt glich insbesondere der Nebenplatz im Laufe das Abends einem Festivalgelände. „Der Platz war fast bis zur Hälfte voll mit Leuten“, berichtete Augenzeuge Manfred Stark. Negative Folge des Massenauflaufs: Die allmorgendlich anrückende Putzkolonne musste zahlreiche Glasscherben beseitigen.

Vor einem Scherbenhaufen aus sportlicher Sicht stand Manfred Weisl derweil nicht: Der Coach von Titelverteidiger und Top-Favorit TSV Bad Boll nahm das Achtelfinal-Aus gegen die SF Dettingen (0:3) am Samstagvormittag überraschend locker: „Meine Enttäuschung hält sich in Grenzen“, so Weisl, dessen Hauptaugenmerk ohnehin auf dem WFV-Pokalspiel am heutigen Montag gegen den FV Zuffenhausen liegt. „Ehrlich gesagt bin ich froh, dass meine Spieler so noch einen Tag Pause vor dem Zuffenhausen-Spiel bekommen haben“, ließ sich Weisl entlocken.

Wohin zu viel (Spiele-)Stress führen kann, zeigte sich am Beispiel des TSV Jesingen, für den ebenfalls in der Runde der letzten 16 Schluss war. Am Vorabend des Achtelfinalmatches gegen den FC Unterensingen noch im WFV-Pokal aktiv, mussten die „Gerstenklopfer“ nur rund 17 Stunden später der hohen Belastung(en) Tribut zollen. „Meine Jungs waren einfach platt“, nahm Jesingens Neu-Coach Viktor Oster sein Team jedoch in Schutz.

Ohne Boll und Jesingen wäre der Weg zum Turniersieg vom Papier her eigentlich frei für den TSV Notzingen gewesen – denkste: Der heiße Titelanwärter verlor das Halbfinale gegen die SF Dettingen im Elfmeterschießen. Chance verpasst. Bereits zuvor hatte es ein kleineres Verbal-Scharmützel zwischen TSVN-Coach Ronald Witt und Weilheims Trainer Alex Hübbe gegeben. Dieser sagte nach dem Aufeinandertreffen beider Teams im Viertelfinale: „Von den Notzingern als Bezirksligist war ich enttäuscht.“ Witt konterte: „Die Weilheimer Mannschaft kostet im Monat mehr als die Notzinger in einer Saison.“

Ein bisschen Spaß muss sein, dachte sich Turniersprecher Thomas Kärcher und beantwortete die Frage eines Schiedsrichter-Gespannes, auf wo es denn zu pfeifen habe, gestern so: „Auf dem etwas kleineren Ausweichplatz. Wir haben Euch dort extra eingeteilt, weil ihr ja nicht die Lauffreudigsten seid.“ Später versuchte Kärcher einen etwas exotisch klingenden Spielernamen fehlerfrei durchzusagen – und bekam Aussprache-Probleme. Kommentar von Turnierleiter Manfred Stark dazu: „Zwei Wochen Türkisch-Kurs vor solch einem Turnier sind einfach nicht genug.“

Massenandrang: Rechtzeitig vorm große Finale publizierte der TSV Holzmaden die beiden Endspiel-Teilnehmer gestern noch im Internet. Das Rühren der Werbetrommel lohnte sich: 1350 Zuschauer verfolgten schließlich das Spiel zwischen dem TSV Weilheim und den SF Dettingen.

Deren Torwart wurde übrigens nach dem Endspiel zum Besten des Turniers gekürt: Thomas Reinöhl war nach Meinung der Teckboten-Sportredaktion über die gesamte Woche bester Mann zwischen den Pfosten – daran konnte auch die Tatsache nichts ändern, dass er im Finale durch Jörg Kälberer ersetzt wurde. Für den war es, wie für viele andere Dettinger Akteure auch, das zweite Teckbotenpokal-Endspiel hintereinander. Unvergessen bleibt dabei das Bild, wie Kälberer im vergangenen Jahr in Ohmden nach der 0:1-Pleite im Finale gegen Boll minutenlang auf dem Spielfeld gesessen hatte – Revanche geglückt.

Was bleibt am Ende des Holzmadener Turniers anderes übrig, als zu „Auf Wiedersehen in Jesingen“ zu sagen? Dort findet 2009 das nächste Teckbotenpokal-Turnier statt.