Lokalsport

Überholmanöver auf ungewohntem Kurs

Vom fünften Deutschlandpokal der SG Stern kehrte die Crew des Industrieparks Nabern mit einem dritten Gesamtplatz zurück. An der Segelregatta auf der Ostsee vor Heiligenhafen hatte die Crew um Jürgen Hülß fast alle der 48 konkurrierenden Daimler-Chrysler-Segel-Teams aus dem gesamten Bundesgebiet gut im Griff.

HEILIGENHAFEN Mitten drin im Pulk der Segelschiffe war für den Industriepark Nabern eine acht Mann starke Crew aus erfahrenen und weniger erfahrenen Regattaseglern unter der Leitung von Jürgen Hülß (Nabern) und Max Joas (Anhausen). Überwiegend gehören sie dem Yachtclub unter Teck an. Zum Regattaplan gehörten eine Langstrecke Rund Fehmarn mit rund 78 Kilometer und zwei Up and Down-Kurse, also anspruchsvolle Aufgaben. Zwei Trainingstage hatten die Naberner vorgeschaltet.

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Am ersten Regattatag stand die Langstrecke an. Der Wetterbericht verhieß seglerisch wenig Gutes, nämlich ein Hoch, verbunden mit geringen Windstärken von zunächst 3 Bft, die sich gegen Nachmittag und Abend abschwächen sollten auf 0 bis 2 Bft. Die Regattaleitung verlegte angesichts der Strecke von mindestens 78 Kilometer vorsorglich den Start um eine Stunde vor, sodass das vermeintlich langsamste Schiff um acht Uhr auf die Bahn ging. Es ging im Uhrzeigersinn um die Insel Fehmarn herum.

Aufgrund des schnelleren Yardstickwerts ging die Naberner Crew miteinem Zeithandicap von 55 Minuten auf das langsamste Schiff mit dem Startplatz 39 auf die Bahn. Und kam in Fahrt: 20 der früher gestarteten Schiffe wurden bis zur Wendemarke vor dem Leuchtturm Flügge überholt. An der Rundungstonne Westermarkelsdorf hatte die Crew aus Nabern bereits Platz zehn erreicht, später glückte das Vorrücken auf Platz fünf. Die lange Zielgerade zur Brücke in Richtung Fehmarnbelt erreichte indes keines der Schiffe mehr, da der Wind komplett abgeebbt war. Knapp sechs Kilometer vor dem Ziel wurde der Lauf gegen 18.45 Uhr abgeschlossen eine Wertung kam nicht zu Stande. Zu diesem Zeitpunkt lag die "Ocean blue" auf Platz vier.

Am nächsten Morgen gab es wieder Windstärken zwischen 1 und 2 Bft., die Schenkellängen der Up and Downs wurden verkürzt, um wenigstens zwei Läufe starten zu können. Beim ersten Lauf gingen die Naberner wieder als 39. Schiff auf die Bahn. Die gemachten Leichtwind-Erfahrungen vom Bodensee konnten auf der Ostsee voll umgesetzt werden. Direkt nach der Startlinie ging die "Ocean blue" nicht wie der ganze Pulk der Schiffe auf Backbordbug auf die Startkreuz, sondern wendete, um sofort auf Steuerbordbug im rechten Winkel vom Feld wegzusegeln eine unorthodoxe Vorgehensweise, die viele konkurrierenden Segelsportler verständnislos den Kopf schütteln ließ. Bei freiem Wind konnte das Schiff nun konstant Fahrt machen.

Als die Wendetonne etwas achterlicher als querab lag, wendete die Ocean blue auf Backbordbug und steuerte mit einem Schlag direkt die Tonne an. An der Tonne mussten verschiedene Schiffe der zur Vorfahrt berechtigten Naberner Crew ausweichen und verloren viel an Boden. Der an der Tonne erreichte sechste Platz konnte bis ins Ziel noch zu einem vierten Platz verbessert werden.

Im zweiten Lauf versuchte die Mehrzahl der vorweg startenden Schiffe, den Kurs der Ocean blue im ersten Lauf zu segeln. Am Horizont konnte man an der Färbung des Wassers aber erahnen, dass von Westen her in Richtung der ersten Wendetonne ein Windfeld kommen würde. Als eine der wenigen Crews lenkten die Naberner ihr Schiff auf Backbordbug möglichst weit in Richtung des herannahenden Windfeldes, um frühzeitiger als die anderen hiervon profitieren zu können. Die Taktik ging trotz einer extremen Behinderung durch ein chaotisch durch das Regattafeld fahrendes Schiff auf. Mit dem besseren Wind war auch eine leichte Winddrehung verbunden. Es konnte wieder mit einem Schlag die erste Wendetonne als fünftes Schiff gerundet werden. Auf den weiteren drei Bahnschenkeln wurden noch drei Schiffe überholt in diesem Lauf reichte es zu Rang drei.

Im Gesamtklassement reichte es für die Crew um Jürgen Hülß zu Rang 3. Gesamtsieger wurde die Crew der Blue lady aus Berlin punktgleich vor der Amalthea mit einer MTU-Crew aus Friedrichshafen. Unter den 10 Bestplatzierten war zum Entsetzen der Norddeutschen nur eine Crew von der Küste, nämlich die vom Werk Hamburg auf Rang 5.

Im kommenden Jahr findet die Regatta wieder im Süden statt: am Bodensee.

jh

Gesamtwertung

1. Blue Lady, Sven Fischer (Berlin), 2. Amalthea, Karsten Suchier (Friedrichshafen), 3. Ocean blue, Jürgen Hülß (Nabern), 4. Tamako, Frank Wittholt (Berlin), 5. Tina J., Peter Zinnau (Hamburg). Insgesamt kamen 44 Boote in der Wertung.