Lokalsport

Überraschungs-Riese lässt Knights zittern

Das war das bisher härteste Stück Arbeit: Beim bärenstarken FV Weißenhorn setzten sich die Kirchheim Knights erst im Schlussviertel durch und gewannen 102:92 (51:58). Der Startrekord ist damit geschafft.

WEISSENHORN Erstmals in ihrer Regionalliga-Geschichte, die immerhin bis 1979 datiert, gewannen die Kirchheimer Basketballer die ersten sechs Saisonspiele. Aber mit was für einem Spiel! Noch nie in dieser Saison wurden die Knights derart gefordert. Der Aufsteiger FV Weißenhorn, nach vielen Vorschlusslorbeeren schlecht mit 2:6 Punkten gestartet, kämpfte von der ersten bis zur letzten Minute wie um sein Leben und hatte tatsächlich personell noch einmal nachgelegt: Mirko Buljubasic, 27 Jahre alt, 2,10 m groß, 105 kg schwer und mit Erstliga-Erfahrung auf dem Balkan unter anderem bei Bosna Sarajewo.

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Nach der Sperre für ihren US-Center Kevin Shorter (er hat sich längst in die USA auf und davon gemacht) zogen die Verantwortlichen des FV plötzlich diese Geheimwaffe aus dem Hut. Und aus dem klaren Außenseiter wurde über Nacht ein Team, das mit dem souveränen Tabellenführer der Regionalliga zumindest mithalten konnte. Schließlich hat Weißenhorn eine starke Mannschaft aus Amerikanern wie Rashad Carter und Chris Williams, Ex-Zweitliga-Akteuren wie Mario Simic und Dominik Vollmer und einer durchaus ernst zu nehmenden Bank.

Trotzdem legte der VfL, der ja auch Revanche wollte für das klägliche 61:93 im Testspiel, nach kurzen Startschwierigkeiten los wie die Feuerwehr. Vor allem Chuks Neboh war wie angestochen, er kurvte ein ums andere Mal um Buljubasic herum und verwandelte traumwandlerisch aus jeder Position. Beim 16:7 für die Knights (4.) nahm FV-Coach Dario Jerkic eine Auszeit "und

die Knights fingen an zu zaubern" (VfL-Coach Theo Leftakis).

Die folgenden 20 Minuten waren geprägt von Nachlässigkeiten in der Abwehr, überhasteten Aktionen in der Offensive, einer katastrophalen Dreierquote (insgesamt 3:19) und einem fast systematischen Aufbauen des Selbstvertrauens der Gastgeber. Die trafen wirklich überdurchschnittlich gut und hängten sich hinten rein, als ob die ganze Saison auf dem Spiel stünde. Buljubasic trug seinen Teil dazu bei: technisch ist er viel besser als alle anderen Center der Regionalliga, dazu ist er ein sehr intelligenter Spieler, lobte Leftakis den Kroaten des Gegners.

Doch nach dem 58:72 (26.) besannen sich die Knights auf ihre Tugenden. Hatte James Hayden, der ein starkes Spiel machte, bis dahin alle Punkte der zweiten Hälfte erzielt, fingen nun auch die anderen an, seinem Beispiel zu folgen und einen Gang höher zu schalten. 12:3 lautete der Lauf bis zur Viertelpause, mit dem 70:75 war der Anschluss wieder hergestellt. Neboh, erstmals mit Vollglatze, sowie der starke Joe Hountondji legten zum 77:75 (33.) nach, als sich Weißenhorn wieder heftiger wehrte.

Doch nachdem Buljubasic und Simic den Spieß noch einmal gedreht hatten (79:83, 35.), kam der Schlussspurt der Knights. Hountondji deckte nun Simic zu, und Bill Goehrke und Chuks Neboh schossen die 90:84-Führung heraus. Der FV aber gab sich nicht geschlagen, 35 Sekunden vor Schluss war die Partie beim 95:92 keineswegs entschieden. Doch Weißenhorn foulte, um die Uhr zu stoppen, anstatt Verteidigung zu spielen ausgerechnet den besten Freiwerfer, Ross Jorgusen. Dessen 97:92 folgte ein Ballverlust von Jochen Dirr, das war's.

Die restlichen Sekunden verbrachte der VfL erfolgreich (fünf von sechs) an der Freiwurflinie. Nach dem 79:77 der KGJ Schwenningen gegen den SSC Karlsruhe ziehen die beiden ungeschlagenen Liga-Favoriten (beide 12:0) weiter recht einsame Kreise an der Spitze. Im Moment kann nur noch der TV Rastatt-Rheinau (10:2) folgen. Und genau der ist am 12. November der nächste Gegner der Knights.

mad

VfL Kirchheim: Abbagnara (n.e.), Atsür (7/1), Goehrke (9), Hayden (10/1), Hountondji (10/1), Jorgusen (26), Kikic (n.e.), Kranz (7), Lenger, Neboh (31), Tsouknidis (2)FV Weißenhorn: Carter (20), Dir (7/1), Vollmer (9/3), Blekovic, Buljubasic (21), Kilb, Williams (17), Grahovac, Simic (16/2), Schneider (2), Herold (n.e.)Dreier: 3 (VfL), 6 (FV)Fouls: 21 (VfL), 31 (FV)Freiwürfe: 37:45 / 82,2 % (VfL), 12:17 / 70,6 % (FV)Viertel (FVVfL): 31:27, 27:14, 17:19, 17:32Schiedsrichter: Bernd Neumann (Leonberg) und Roman Nagy (Biberach)Zuschauer: 150