Lokalsport

Und sie bewegt sich doch diese Stadt

Es war zwar kein Jubiläum, aber doch eine runde Sache: zum 30. Mal jährte sich am gestrigen Dreikönigstag mit dem traditionellen Neujahrsempfang der Turngemeinde Kirchheim eine Veranstaltung, die, so Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker, "auf der Zielgeraden der Neujahrsempfänge immer die Nase vorn hat und stets Platz eins einnimmt."

HELGE WAIDER

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KIRCHHEIM Es ist wohl die gelungene, kurzweilige Mischung aus Würdigung und Ausblick der Lokal- und Weltpolitik und des globalen und regionalen Sportgeschehens, die auch gestern wieder fast 100 Gäste aus Sport, Wirtschaft, Kultur, Verwaltung und Politik in das Vereinsheim der Turngemeinde (TG) geführt hatte. Geboten wurden neben informativen Vorträgen der Redner sowie anschließenden kleinen kulinarischen Köstlichkeiten auch mannigfaltige Möglichkeiten auf gute Gespräche bei einem Gläschen Sekt.

Die TG-Vorsitzende Silvia Kretzschmar freute sich über das gut gefüllte Haus und gestand, dass sie bei der Erstauflage des Empfangs noch sehr jung gewesen sei und in der Damenmannschaft der TG aktiv Fußball gespielt habe. Damals, so die Vorsitzende, habe sie sich nicht vorstellen können, 30 Jahre später einmal den Empfang zu eröffnen.

Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker bemerkte beim Blick auf die Kirchheimer Sportfamilie, dass die Stadt mit Tobias Unger sowie den Fumic-Brüdern Lado und Manuel mit drei Olympia-Hoffnungen aufwarten könne. Sie würdigte die Erfolge der VfL-Turnerinnen und gab ihrer Hoffnung Ausdruck, dass die VfL-Basketballer den Aufstieg und die VfL-Fußballer den Klassenverbleib schaffen mögen. Gerade im Fußball werde zudem im Jugendbereich viel Integrationsarbeit durch das Ehrenamt geleistet, die allein von städtischer Seite nicht betrieben werden könne.

Kritisch ging Matt-Heidecker mit der Art und Weise der Bezuschussung des Landes für Sport-Neubauten ins Gericht. Bereits im dritten Anlauf befinde sich der Kirchheimer Antrag für die Rauner-Sporthalle. Während sich jetzt im dritten Jahr jährlich zwölf Millionen Euro Landesmittel im Fördertopf für Projekte befänden und einen Antragsstau auslösten, werde ein weitaus höherer Betrag für ein Fußballstadion des Karlsruher SC oder den Ausbau der Hohenstaufenhalle für Frisch Auf Göppingen bereit gestellt für Matt-Heidecker ein Indiz für die Wertigkeit zwischen Amateur- und Breitensport und dem Profibereich.

Für das neue Jahr wies das Stadtoberhaupt darauf hin, dass die Zuschüsse an den Stadtverband für Leibesübungen (SfL) seit Jahren ungekürzt seien. Darüber hinaus seien die Gelder für das Hallenbad und die Rauner-Sporthalle im Finanz- beziehungsweise im Haushaltsplan ebenso aufgenommen wie die vom Jugendrat beantragten Mittel für ein weiteres Beachvolleyballfeld im Rübholz. Außerdem arbeite man momentan daran, ein Betreibermodell für das Stadion zu finden. Abschließend stellte Matt-Heidecker angesichts dieser Entwicklungen in Anlehnung an Galilei fest: "Und sie bewegt sich doch diese Stadt."

Der SfL-Vorsitzende Siegfried Hauff freute sich über den Erfolg des jüngsten breitensportlichen Ereignisses in Kirchheim, als am Silvestertag 513 Läufer gen Teck aufgebrochen seien. Eine Zäsur, so Hauff, habe es zum Thema "Sportlerball und Sportlerehrung" gegeben. Erstmals seit 30 Jahren habe 2007 kein Sportlerball stattgefunden. Statt dessen werden die erfolgreichen Athleten im Rahmen einer separaten Ehrungsveranstaltung am 27. Januar in der Stadthalle geehrt.

Einen gesellschaftlichen Wandel machte Hauff bei den Sportvereinen aus: Umfragen im Rahmen der Sportentwicklungsplanung hätten zwar gezeigt, dass ein hohes Interesse an sportlicher Aktivität in Sportvereinen bestünde, die Bereitschaft zur aktiven Mitwirkung im Verein aber gering sei. Die Ergebnisse der Sportentwicklungsplanung will der Stadtverband, so Hauff, gemeinsam mit der Stadt in 2008 anpacken.