Lokalsport

Unger greiftnach dem Double

Für Heimtrainer Micky Corucle ist er "in der Form seines Lebens": Nationalsprinter Tobias Unger peilt bei den heute beginnenden 52. Deutschen Hallenmeisterschaften in Sindelfingen die Titelverteidigung über 60 Meter und 200 Meter an.

THOMAS PFEIFFER

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KIRCHHEIM/SINDELFINGEN Heute Vormittag, "irgendwann ab zehn oder elf Uhr", spielt Corucle mal wieder Chauffeur: Von Köngen aus fährt der Erfolgstrainer seinen Schützling nach Sindelfingen. Auf der Autofahrt wird Corucle, einst Sport-Student in Bukarest, Unger letzte Tipps geben. "Wichtig ist, dass Tobias mit seinen Kräften richtig haushaltet. Fünf Rennen an zwei Tagen mit Vor- und Zwischenläufen sind nicht gerade wenig." Unger hat bei der Hallen-DM im Glaspalast nicht nur für seine Spezialstrecke gemeldet (200 Meter), sondern trotz einiger Bedenken noch zu Wochenbeginn auch über 60 Meter. "Ich will beide Titel", sagt er.

Der Wendlinger, im Vorjahr WM-Dritter in Budapest und Doppelsieger bei den "Deutschen" in Dortmund, gilt im Glaspalast als Topfavorit so schnell wie er (20,61 Sekunden) ist in diesem Jahr über die 200 Meter noch kein Nationalmannschaftskollege gelaufen. Auch nicht der Schalker Sebastian Ernst (Jahresbestzeit 20,74), den er vielleicht am meisten fürchten muss. Über 60 Meter? Da führt der Wattenscheider Marc Blume (6,61 Sekunden) derzeit das DLV-Jahresranking an der Salamander-Mann (6,65) ist nur die Nummer zwei. Doch Unger will den Spieß im Glaspalast umdrehen, sagt selbstbewusst: "Im direkten Vergleich habe ich Blume in Erfurt kürzlich geschlagen." Auch Corucle sieht die Vorteile im erwarteten 60-Meter-Spitzenduell auf Seiten des Jüngeren. "Tobias ist 25 und physisch stärker. Blume ist 31 und wird von Lauf zu Lauf gewöhnlich etwas schwächer." Das freilich sieht der "Oldie" anders. "In Sindelfingen wird es richtig krachen", wird er auf der Homepage des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) zitiert.

Läuft alles exakt nach Plan, kann sich Unger am Sonntagnachmittag zwei weitere Goldmedaillen umhängen. Falls nicht, wär's freilich kein Beinbruch für ihn. "Mein großes Ziel in der Hallensaison ist und bleibt die Europameisterschaft zwei Wochen später." In Madrid will er zum ersten EM-Titel seiner Karriere sprinten.

Ebenfalls im Sindelfinger Glaspalast weilt heute Marc Kochan (26) ob als Ersatzläufer oder als feste Größe in einer der beiden 4 x 200-Meter-Staffeln von LAZ Salamander Kornwestheim, wusste der Kirchheimer bis gestern noch nicht zu sagen. "Unser Trainer Alexander Richling wird die endgültige Formation wohl erst im Glaspalast bekannt geben", vermutet Kochan, der nicht der einzige Wackelkandidat unter den Kornwestheimer Staffelläufern ist. "Einige meiner Kameraden sind entweder grippegeschwächt oder leicht verletzt. Ständig erreichten mich diesbezüglich neue Meldungen." Während Kochan um seinen Staffeljob auf Grund des Personalwirrwarrs noch bangen muss, hat Kollege Unger alle Spekulationen längst beendet: Weil er sich nicht überbelasten will, gibt's auch keinen Staffel-Auftritt. Kochan: "Damit hat Salamander auch keine Medaillenchance."

Über 60 Meter Hürden werden dem Weilheimer Lukas Erdmann, Dritter im Bunde der vertretenen Salamander-Sprinter aus der Teckregion bei dieser DM, im günstigsten Falle Zwischenrunden-Chancen eingeräumt. Erdmann (Bestzeit 8,04 Sekunden) "bräuchte eine sehr gute Tagesform mit einer Zeit unter acht Sekunden, um vielleicht in den Endlauf einzuziehen", wie sein Trainer Corucle anmerkte. Erdmanns Hürdenkollegin Stefanie Lichtl (TG Nürtingen), sofern fit, greift hingegen nach Edelmetall: Sie kommt als viertschnellste Frau nach Sindelfingen (8,28 Sekunden).