Lokalsport

Unger hängt sie alle ab

Tobias Unger durchläuft die Erfolgsspur weiter mit stoischem Tunnelblick. Trotz kleinerer technischer Unzulänglichkeiten und wenig aufregender Endzeit (20,99 Sekunden) hängte der Titelverteidiger beim 20. Stuttgarter Sparkassen-Cup in der Hanns-Martin-Schleyer-Halle vor 8000 Besuchern erneut alle Konkurrenten ab.

THOMAS PFEIFFER

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STUTTGART Tobias Unger durfte sich beim hochkarätig besetzten Jubiläums-Meeting in der Landeshauptstadt noch einmal als stolzer Sieger über 200 Meter feiern lassen. Zwar geriet der Halleneuropameister, einer der Stimmungsgaranten in der Schleyerhalle, bei "seinem" Zeitlauf in der zweiten Kurve leicht außer Tritt, setzte im Finish aber nochmals entscheidend zu und siegte klar vor Christopher Williams (21,15/Jamaika) und Dominic Demeritte (21,54) von den Bahamas. Am Ende blieb Unger Kritik von Trainer Micky Corucle nach durchwachsener Leistung zwar nicht erspart ("ihm fehlte die Lockerheit"), aber der Kirchheimer blieb tagesschnellster 200-m-Läufer so wie von den meisten Insidern erwartet.

"Tobias wollte heute sehr viel. Vielleicht ist er deshalb ein bisschen verkrampft", urteilte Marc Kochan, der am Samstagabend auf der Tribüne saß. Kochan (29), ehemaliger Nationalläufer mit viel Verletzungspech in den letzten zwei Jahren, war in der Schleyerhalle quasi als Mitveranstalter aufgetaucht: Seit neuestem jobt er für die Veranstaltungsgesellschaft in Stuttgart, die das Sparkassen-Meeting offiziell organisierte. "Tobias kann mehr als 20,99 laufen, das weiß er selbst am besten", sagte Kochan und kündigte nach seiner zweimonatigen Pause zuletzt eine Steigerung auch in eigener (Sprinter-)Sache an: "Ab dieser Woche trainiere ich wieder intensiv. Mein persönliches Ziel ist es, in der Freiluftsaison über 100 Meter 10,50 Sekunden zu laufen. Erst wenn ich das schaffe, kann ich über höhere Ziele nachdenken."

Sein Freund tut das schon jetzt: Nach dem Düsseldorfer Indoor-Meeting (17. Februar) und der Hallen-DM in Karlsruhe (15./26. Februar) zieht's Unger nämlich zur WM in Moskau (10. bis 12. März). Unabhängig davon konnte sich Unger nach seiner erfolgreichen Titelverteidigung in Stuttgart vor Gratulanten kaum retten, indes: nicht zum Gewinn des lukrativen Sparkassen-Cups reichte es nicht. Den händigte die Jury in diesem Jahr dem Kenianer Daniel Kipchirchir Komen aus, der die 1500 Meter in der Weltklassezeit von 3.34,20 Minuten gelaufen war.

Unger-Freundin Katja Holder (VfL Kirchheim) hatte mit dem Ausgang des 200-Meter-Rennens der Frauen auf Bahn zwei erwartungsgemäß derweil nichts zu tun: Siegerin Johanna Kedzierski (23,87) lief weit über eine Sekunde schneller. Dennoch konnte Holder mit der (drittbesten) Zeit von 25,15 Sekunden bei ihrem ersten Auftritt vor richtig großem Publikum hoch zufrieden sein.