Lokalsport

Unger kommt nicht auf die Beine

EM-Absage nach erneuter Verletzung – Steffi Lichtl holt in Leipzig überraschend Bronze

Tobias Unger ist seinen deutschen Meistertitel los. Mit entzündetem Knie hatte der Kirchheimer bei der DM in Leipzig im Finale über 60 Meter keine Chance. Unger wurde Fünfter mit 6,78 Sekunden und sagte anschließend seinen Start bei der EM in zwei Wochen in Turin ab. Ebenfalls Platz 5 belegte Anja Wackershauser über 200 Meter. Die einzige Medaille aus lokaler Sicht: Steffi Lichtl aus Bempflingen holte Bronze über 60 Meter Hürden.

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KLAUS SCHLÜTTER

Leipzig. Der Auftritt von Tobias Un­ger stand von Anfang an unter ei­nem unglücklichen Stern. Schon am Donnerstag klagte der Titelverteidiger über ein taub-pelziges Gefühl im Bein. Eine Cortison-Spritze brachte Linderung, löste jedoch eine allergische Reaktion aus. Mit geschwollenem Gesicht fuhr er trotzdem nach Leipzig.

Unger gewann zwar seinen Vorlauf, erreichte mit 6,84 Sekunden aber nur die sechstbeste Zeit. „Ich wollte ihn schon nach dem Vorlauf aus dem Wettbewerb nehmen, aber er wollte kämpfen und unbedingt weiterlaufen“, berichtet sein Trainer. Im Zwischenlauf steigerte er sich auf 6,74 Sekunden, doch im Finale war die Luft endgültig raus. Fünfter Platz in 6,78, hinter seinem Nachfolger Stefan Schwab (Schwarzenbeck/6,59), Alexander Kosenkow (6,69), Julian Reus (beide Wattenscheid/6,75) und Rasgawa Pinnock (Köln/6,77). Corucle: „Für Tobias ist die Hallensaison beendet. Er muss jetzt erst wieder gesund werden. Am Montag fährt er zur Behandlung zu Dr. Schreiber nach Freiburg. Unser Ziel ist die WM in Berlin, ihr wird alles untergeordnet.“

Außenseiterchancen über 200 Meter wurden Anja Wackershauser (VfB Stuttgart) eingeräumt, nachdem sie beim Meeting in Stuttgart mit Mareike Peters immerhin die Vorjahrsmeisterin geschlagen hatte. Mit guten 23,87 Sekunden (Zweite in ihrem Vorlauf) verfehlte sie auf der langsamen Leipziger Bahn ihre Bestzeit nur um vier Hundertstel-sekunden. Trotzdem musste die Kirchheimerin im Finale mit der ungeliebten, weil ungünstigen zweiten Innenbahn vorliebnehmen, denn ihre Konkurrentinnen waren noch einen Tick schneller. Unter diesen Umständen war nicht mehr drin als der fünfte Platz in 24,21 Sekunden. Den Meistertitel holte sich Anne Möllinger (MTG Mannheim) in 23,51 vor Cathleen Tschirch in 23,58 und Mareike Peters (beide Leverkusen) in 23,67. Wackershausers großes Plus: Mit 20 Jahren war sie die Jüngste im Feld. Ihr gehört die Zukunft.

Dafür, dass Micky Corucles Kirchheimer Gruppe nicht ohne Medaille nach Hause fahren musste, sorgte Stephanie Lichtl (VfB Stuttgart) aus Bempflingen. Die Hürdensprinterin wird nach längerer Verletzungspause immer schneller. Sie gewann den 60-Meter-Vorlauf in 8,28 Sekunden, stei­gerte sich im Zwischenlauf auf 8,15 und erzielte im Endlauf mit 8,13 Sekunden neue persönliche Bestleistung. Damit gewann sie Bronze hinter Nadine Hildebrand (Kornwestheim/8,07) und Carolin Nytra (Bremen/8,09). Zur Belohnung darf sie nun vielleicht sogar mit zur Hallen-Europameisterschaft nach Turin. Ihr fehlen nur drei Hundertstel zur Norm und der DLV erwägt, eine Ausnahme zu machen.

Über 60 Meter kam Ann-Kathrin Fischer nach gerade auskurierter Lungenentzündung in 7,75 Sekunden über den Vorlauf nicht hinaus. Der Jugendliche Klaus Neuendorf aus Köngen musste bei den Aktiven Lehrgeld zahlen und schied mit 7,05 Sekunden als Letzter ebenfalls im Vorlauf aus.