Lokalsport

Unger mit Rückenwind zu 10,11 Sekunden

Kirchheims Sprint-Ass Tobias Unger überzeugt bei den Baden-Württembergischen Leichtathletik-Meisterschaften in Ettlingen mit zwei Titelgewinnen und einer Fabelzeit.

MARC KOCHAN

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ETTLINGEN Erwartungsgemäß hieß der Star der Baden-Württembergischen Leichtathletik-Meisterschaften im badischen Ettlingen Tobias Unger. Mit zwei Titeln und absoluten Spitzenzeiten unterstrich Unger seine derzeit exzellente Verfassung und seine WM-Ambitionen im August in Helsinki. Doch auch die Sprinterinnen des VfL Kirchheim sorgten für tolle Leistungen und holten sich neben dem Vize-Titel über 4x100 m in der weiblichen Jugend A noch einen dritten Platz über 200 m durch Katja Holder sowie zahlreiche Bestzeiten.

Bereits am Samstag standen die 100 m der Männer auf dem Zeitplan und sie sollten zu einem absoluten Highlight werden. Tobias Unger gewann den Sprint auf der Hauptgeraden überlegen in schier unglaublichen 10,11 Sekunden. Damit wäre Tobias Unger der schnellste Deutsche über diese Distanz seit 16 Jahren gewesen und hätte sich auf den dritten Platz in der ewigen deutschen Bestenliste gesetzt. Allerdings kann diese Fabelzeit nicht in die Rekordlisten eingetragen werden, da beim Finallauf ein Rückenwind von dreieinhalb Metern pro Sekunde herrschte. Erlaubt sind maximal zwei. Dennoch zeigte sich Unger überglücklich: "Das ist schon toll, so eine Zeit zu laufen, zumal ich noch gar nicht so viel Schnelligkeitstraining gemacht habe, das kommt erst noch in den nächsten Wochen. Ich denke ich kann auch regulär unter 10,20 laufen", zeigte sich der 25-jährige Sprinter vom LAZ Salamander Kornwestheim/Ludwigsburg selbstbewusst. Bei seinem Siegeslauf hielt der Wendlinger seinen Tübinger Studien- und Nationalmannschafts-Kollegen Marius Bröning deutlich in Schach. Dieser hatte zuvor seinen Zwischenlauf in 10,32 Sekunden klar dominiert, während sich Unger in Vor- und Zwischenlauf noch sehr zurückhielt. Das erwartete Duell fand letztlich jedoch kaum statt. Im Finale ließ Unger von Beginn an keinen Zweifel aufkommen, wer als Erster die Ziellinie überqueren würde.

Doch die 100 m sollten nicht der einzige Start-Ziel-Sieg von Unger an diesem Wochenende sein. Auch über seine Lieblingsdistanz, die 200 m, gewann er erneut klar vor Marius Bröning. Ungers Siegerzeit lag bei 20,58 Sekunden, allerdings bei, wie er selbst sagte, schwierig zu laufenden Bedingungen, da der Wind in der Kurve recht stark von vorne kam. Als nächstes wird der schnelle Schwabe beim DLV-Meeting in Ulm am kommenden Sonntag starten. Dort geht es um die Qualifikation für den Europacup über 200 m.

Der in den vergangenen Wochen von einer Verletzung geplagte 110-m-Hürdensprinter Lukas Erdmann (LAZ Salamander) aus Weilheim ist ebenfalls wieder auf dem Weg nach oben. Über die zehn Hürden auf der 110 m langen Geraden wurde er hinter dem Deutschen Meister von 2003, Jerome Crews von der MTG Mannheim, sehr guter Zweiter. Seine Zeit betrug am Ende 14,38 Sekunden, ebenfalls bei etwas zuviel Rückenwind. "Lukas kann in den nächsten Wochen noch deutlich schneller laufen und seine Bestzeit von 14,34 deutlich verbessern", glaubt sein Trainer Micky Corucle.

Erfolge gab es auch für die Kirchheimer Sprinterinnen zu feiern. Katja Holder gewann über 200 m die Bronzemedaille in neuer persönlicher Bestzeit von 25,16 Sekunden. Im 100-m-Rennen der weiblichen Jugend A waren gleich drei VfL-Läuferinnen im Finale der besten Acht. Auf die Plätze vier bis sechs kamen Anja Wackershauser, Ann-Kathrin Fischer und Katja Holder. Alle drei unterboten im Verlauf der Veranstaltung ihre bisherigen Bestzeiten. Anja Wackershauser blieb im Vorlauf sogar unter der magischen Zwölf-Sekunden- Grenze. Mit 11,98 Sekunden war sie die schnellste Läuferin des VfL-Trios und ist nun für den Qualifikationswettkampf zur U-18-Weltmeisterschaft nominiert.

Ann-Kathrin Fischer kam bei regulären Bedingungen auf sehr gute 12,08 Sekunden, knapp gefolgt von Katja Holder (12,10). Als vierte Läuferin in der 4x100-m-Staffel des VfL gesellte sich Melanie Föll zu den drei Erstgenannten. Gemeinsam erreichten sie dann in der Reihenfolge Fischer, Holder, Wackershauser und Föll einen hervorragenden zweiten Platz hinter der siegreichen Staffel vom LAZ Salamander (47,14 Sekunden). Mit 47,95 Sekunden markierten sie zudem einen neuen Kreisrekord.

Damit darf Erfolgstrainer Micky Corucle mit den Leistungen seiner Schützlinge an diesem Wochenende zufrieden sein. Eine weitere Medaille gab es für Christina Krüger von der LG Teck. Im 800-m-Rennen der weiblichen Jugend A belegte sie den dritten Platz in 2:15,35 Minuten. Dabei lag sie im Ziel nur zwei Hundertstelsekunden hinter der Zweitplatzierten Michaela Zimmermann aus Tuttlingen.

Auch Stefanie Lichtl von der TG Nürtingen verließ das Albgaustadion in Ettlingen mit Edelmetall im Gepäck. In ihrer Spezialdisziplin, den 100 m Hürden, sicherte sie sich in 13,42 Sekunden den Titel vor Tina Klein vom VfL Sindelfingen. Zudem gewann sie im Weitsprung der Frauen die Silbermedaille mit 6,09 Metern. Hier siegte Sofia Schulte (LG Staufen) mit 6,43 Metern.