Lokalsport

Unger so schnell wie nie: deutscher Hallenrekord

In der "Durchgangsstation" Glaspalast feierte Sprinter Tobias Unger gestern Nachmittag ein nachhaltiges Erfolgserlebnis: Genau wie vor einem Jahr in Dortmund gelang dem Noch-Wendlinger bei den 52. deutschen Leichtathletik-Hallenmeisterschaften ein Doppelsieg über 60 Meter und 200 Meter.

THOMAS PFEIFFER

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SINDELFINGEN Im Sindelfinger Glaspalast gab es von 4000 Besuchern stehende Ovationen für den 25-Jährigen, der nun als ganz "heißer" Goldmedaillenkandidat bei den Europameisterschaften in Madrid (4. bis 6. März) gehandelt wird. Zwei Wochen vor dem Hallensaison-Highlight EM bestätigte Tobias Unger einmal mehr, dass zumindest auf nationaler Ebene derzeit keiner an ihm vorbei kommt: Im 60-Meter-Finale versuchte das der Leverkusener Tim Goebel (6,62 Sekunden) ebenso vergebens wie Marc Blume (6,61/TV Wattenscheid). Der 31-Jährige Routinier wurde wieder einmal nur Zweiter hinter Unger was ihn nicht davon abhielt, im ohrenbetäubenden Lärm des Glaspalasts als einer der Ersten zu gratulieren. "Unser Verhältnis ist sowieso ausgezeichnet", sagte Unger, der einen fehlerfreien Lauf hingelegt hatte und nur einen Wimpernschlag lang nicht im Bilde gewesen war: "Der Ausgang des Laufs war so knapp, dass ich beim Überqueren der Ziellinie nicht wusste, wer eigentlich gewonnen hat."

Weitaus ungefährdeter war Ungers 200-Meter-Sieg (20,56 Sekunden) vor DLV-Sprinterkollege Sebastian Ernst (20,98/FC Schalke 04) und dem abgeschlagenen Wattenscheider Alexander Kosenkow (21,22). Nachdem er bei der Auslosung Wunschbahn vier erwischt hatte, gab Unger so richtig Gas und verbesserte letztlich den alten deutschen Rekord von Ralf Lübke (11. Februar 1984 in Stuttgart) nach 21 Jahren um eine Hundertstelsekunde. "Diese neue Bestmarke war das Tüpfelchen aufs i", strahlte Unger nach seinem fulminanten Sieg, der alle beeindruckte auch Marc Kochan. "In dieser Form hätte Tobi auch locker auf der etwas ungünstigeren Bahn drei gewonnen", vermutete der Kirchheimer, in Sindelfingen Ersatzmann der Kornwestheimer 4 x 200-Meter-Staffel. Kochan stellte eine hoffnungsvolle Prognose für die Leistungsentwicklung seines Freundes auf: "Bei den Europameisterschaften wird er noch schneller laufen. Sein Training ist ganz auf dieses Rennen ausgerichtet."

Obwohl die Hallen-DM 2005 für Unger nach eigenen Worten nur die "Durchgangsstation" für Madrid war, freute er sich über die beiden Goldmedaillen im Glaspalast nicht wenig. "Das Pubklikum in Sindelfingen war einfach fantastisch", sagte er gestern gegen sieben, als er wieder daheim war in Wendlingen. Heute hat Unger im Übrigen trainingsfrei. Sein Tagespensum mit einem Pressetermin in Tübingen, einem Aufenthalt beim Physiotherapeuten und einem Kirchheim-Trip zum selbst finanzierten Eigenheim (derzeit noch in Bau) ist dennoch nicht klein. "Ich glaube, jetzt müsste das Haus eigentlich unterkellert sein", sagte Unger, "ich muss unbedingt mal nachschauen." Merke: Der Mann hat immer weniger Freizeit weil die Erfolge wachsen.

Der Weilheimer Lukas Erdmann (LAZ Salamander Kornwestheim) lief in Sindelfingen ebenfalls in rasantem Tempo über die Ziellinie und fand sich zur Überraschung nicht nur seines Heimtrainers Micky Corucle im A-Finale der acht besten 60-Meter-Hürdensprinter wieder. Dort wurde Erdmann (8,07), der im Zwischenlauf mit einer neuen persönlichen Bestleistung (7,92) förmlich "explodiert" war, guter Siebter.

Höchstes Lob für die Siebener-Zeit kam vom LAZ-Chef. "Für mich war Erdmann die große Überraschung am Samstag", erklärte Dr. Hans-Peter Sturm.

Im 60-Meter-Frauensprint schrammte Stephanie Lichtl (TG Nürtingen) um 11 Hundertstel an der Bronzemedaille vorbei: Hinter Kirsten Bolm (7,93), Nadine Hentschke (8,02/beide MTG Mannheim) und der Leipzigerin Judith Ritz (8,15) finishte die 19-Jährige als Vierte (8,53).