Lokalsport

Unger und das Murmeltier

Zum dritten Mal 10,32 über 100 Meter

Wieder nichts in Sachen EM-Norm für 100-Meter-Sprinter Tobias Unger: Bei der Leichtathletik-Gala in Wattenscheid rannte der Kirchheimer in 10,32 Sekunden auf Rang vier.

Anzeige

Peter Eidemüller

Bochum/Heilbronn. Und täglich grüßt das Murmeltier: Als die Uhr für Tobias Unger im Wattenscheider Lohrheidestadion am Samstagnachmittag im Ziel bei 10,32 Sekunden stehen blieb, muss sich der 30-jährige Kirchheimer gefühlt haben, wie Bill Murray im gleichnamigen Kinofilm – Unger hatte zum dritten Mal in Folge mit dieser Zeit ein Rennen beendet, verpasste damit zum dritten Mal die vom DLV für die EM geforderten 10,30 Sekunden nur um Haaresbreite. „Langsam nervt es ein bisschen,“ gab der Kirchheimer zerknirscht zu Protokoll. Einziger Trost: Unger hielt seinen derzeit stärksten Konkurrenten, den erst 20-jährigen Felix Göltl, der in 10,39 Sekunden Fünfter wurde, sowie die restliche DLV-Konkurrenz in Schach – Christian Blum (Chemnitz) wurde in 10,41 Sekunden Sechster, Unger-Kumpel Marius Broening in neuer Saisonbestleistung von 10,42 Sekunden Siebter. „Wichtig war heute, schnellster Deutscher zu sein“, so Unger, der damit seine Ambitionen für die schwarz-rot-goldene 4x100-m-Staffel bei den Europameisterschaften in Barcelona unterstrich.

Sieger des Rennens im Bochumer Teilort wurde der Jamaikaner Mario Forsythe in 10,17 Sekunden vor Kim Collins aus St. Kitts & Nevis (10,20). „Die Spritzigkeit fehlt noch ein bisschen“, analysierte Unger, der im ersten von drei Vorläufen seinen Start regelrecht verschlafen hatte und erst nach mäßigen 10,47 Sekunden den Sprung ins Finale geschafft hatte.

Dass es dort zum wiederholten Male nicht mit der EM-Norm klappte, treibt Unger (noch) keine Sorgenfalten auf die Stirn. „Ich mache mich nicht verrückt, zumal die Norm nicht ganz so schwer ist wie im Vorjahr. Und da war ich vor den deutschen Meisterschaften wesentlich schlechter drauf und bin dort dann 10,18 Sekunden gerannt.“ Den nächsten Versuch, ans EM-Ticket zu gelangen, plant Unger beim Meeting kommendes Wochenende in Mannheim.

Dort will auch Anja Wackershauser nach Möglichkeit antreten – sofern es der Terminplan zulässt. „Wir haben am Samstag eine Veranstaltung von der Uni in Tübingen und ich weiß noch nicht, ob ich das verschieben kann“, sagte die 22-Jährige nach ihrer Rückkehr vom U23-Länderkampf in Heilbronn. Dort hatte Wackershauser mit ihren Ergebnissen über 100 Meter, 200 Meter und mit der 4x100-Meter-Staffel maßgeblichen Anteil am Sieg der WLV-Mannschaft, die der Auswahl der Schweiz, Österreichs und Bayerns keine Chance ließ. Allerdings war die Kirchheimerin unzufrieden mit der Leistung über ihre Paradestrecke 200 Meter, die sie in 24,29 Sekunden gewann. „Ich bin zu verbissen ran, weil ich unbedingt unter 24 Sekunden bleiben wollte“, resümierte sie ihren Lauf, bei dem Trainer Micky Corucle jedoch auch technische Mängel auf den zweiten 100 Metern ausmachte. „Da mache ich momentan noch zu lange Schritte und kann meinen Schwerpunkt nicht mehr richtig setzen“, so Wackershauser. Nichts auszusetzen gab es hingegen am 100-Meter-Resultat (11,91) und der Staffelzeit: Mit ihren WLV-Kolleginnen Franziska Schulze, Miriam Hehl und Tamara Seer brannte Wackershauser eine 45,96 in die Bahn von Heilbronn. „Dafür, dass wir nie richtig wechseln geübt hatten, war das richtig gut.“

Ebenfalls in Heilbronn am Start war Karoline Brüstle vom TV Neidlingen, die über 3 000 Meter Hindernis nach 11.02,87 Minuten ins Ziel kam, damit als Viertplatzierte wichtige Punkte für die baden-württembergische Mannschaft sammelte.