Lokalsport

Unger-Fokus liegt in der Provinz auf 200 Metern

Erste Standortbestimmung für Baden-Württembergs Leichtathleten: Zu den morgen und am Sonntag stattfindenden Landesmeisterschaften der Aktiven und A-Jugend in Sulz am Neckar werden 850 Athleten erwartet.

PETER EIDEMÜLLER

Anzeige

KIRCHHEIM Ab in die Provinz: Die organisierenden Leichtathletikverbände Badens und Württembergs (BLV und WLV) suchen ihre Besten heuer zwischen Schwarzwald und Schwäbischer Alb, genauer gesagt in der 12 800-Seelengemeinde Sulz am Neckar im Landkreis Rottweil. Von Kirchheim aus ist der staatlich anerkannte Erholungsort laut Internet in knapp einer Stunde zu erreichen der Trip soll sich dem Gusto der lokalen Heroen nach auf alle Fälle lohnen. Gilt es doch für einige, im Vorjahr im badischen Ettlingen erreichte Top-Platzierungen zu wiederholen.

So zum Beispiel Kirchheims Sprint-Aushängeschild Tobias Unger (LAZ Salamander Kornwestheim), der bei den Landesmeisterschaften 2005 für einen wahren Paukenschlag sorgte, als er (zwar windunterstützt und daher nicht Bestenlistentauglich) über 100 m sensationelle 10,11 Sekunden lief und tags drauf den Titel über 200 m in 20,58 Sekunden holte. Eine doppelte Titelverteidigung wird es in Sulz jedoch nicht geben. "Tobias konzentriert sich nur auf seine Paradedisziplin, die 200 Meter", sagt Unger-Coach Micky Corucle. Will heißen: Der Sprint über die halbe Stadionrunde wird für den 26-Jährigen in dieser Saison Vorrang haben zumal er beim Saisonhöhepunkt, der EM im schwedischen Göteborg im August, über 200 m seinen Leistungszenit erreichen will.

Überhaupt hat Corucle seinen Schützlingen für diese Saison die Besinnung auf ihre Stamm-Disziplinen verordnet. So wird die Bempflingerin Stephanie Lichtl (Salamander Kornwestheim) in Sulz nur über 100 m Hürden an den Start gehen eine Wiederholung ihres zweiten Platzes im Weitsprung aus dem Vorjahr wird es daher nicht geben. Dafür soll es mit der Titelverteidigung im Hürdensprint klappen. Mit gemischten Gefühlen fährt Lukas Erdmann (Salamander Kornwestehim) nach Sulz. Ein im Winter erlittener Ermüdungsbruch zweier Zehen und die dadurch bedingte stockende Saisonvorbereitung lässt den Weilheimer Hürdensprinter im Unklaren über seine Form. "Ich kann erst seit drei, vier Wochen wieder richtig trainieren", so der 23-Jährige. Dennoch spekuliert der baden-württembergische Vizemeister über 110 m Hürden aus dem Vorjahr auf eine Podiumsplatzierung. "Das sollte trotz allem drin sein." Zusätzlich zu seinem Start im Hürdenwald wird Erdmann mit einer der beiden Kornwestheimer 4x100-m-Staffeln auf Medaillenhatz gehen ob mit der "Ersten" oder der "Zweiten" wusste er gestern noch nicht. "Ich habe bloß eine SMS bekommen, in der stand: 'Du läufst Staffel'. Mehr nicht", so Erdmann.

Um nicht mehr, als reine Meisterschaftsluft zu schnuppern geht es für den für LG Teck startenden Patrick Weigele, der über 400 m und 800 m seine ersten A-Jugendmeisterschaften bestreitet. "Er rechnet sich keine große Chancen aus", sagt LGT-Pressewart Bernd Kugel. Hinter dem Einsatz des zweiten männlichen Eisens der LG Teck steht indes noch ein Fragezeichen: Diskuswerfer und Kugelstoßer Florian Mühlhäuser ist noch durch einen Gips, den er aufgrund eines Fingerbruchs tragen muss, gehandicapt. Gut abschneiden will hingegen LGT-Mittelstrecken-Ass Christina Krüger, die über 800 m an den Start gehen wird. "Aufs Treppchen zu kommen, wäre schon schön", sagt die 18-jährige Ötlingerin, "aber die Saisonvorbereitung lief nicht ideal. Daher gehe ich die Sache locker an." Krüger plagten den Winter und das Frühjahr hindurch Probleme mit der Knochenhaut, dem Rücken und zudem eine Blinddarmreizung.

Eine klare Angelegenheit dürfte bei einem Blick auf die Meldeliste die 100-m- und 200-m-Konkurrenz der weiblichen Jugend A werden. Die Sprintgarde des VfL Kirchheim ist mit Ann-Kathrin Fischer, Anja Wackershauser und Valerie Hess jeweils unter den Top Fünf vertreten. "Es ist zwar schwer, Prognosen abzugeben", sagt VfL-Coach Micky Corucle, "aber normalerweise müssten Platz eins und zwei in beiden Disziplinen drin sein." Definitv nicht starten wird 200-m-Titelanwärterin Katja Holder, die aufgrund eines drohenden Ermüdungsbruchs geschont wird. "Lieber nichts riskieren", ist Corucle vorsichtig, "sonst schleppt sie das ähnlich lange rum wie Lukas." In der 4x100-m-Staffel rechnet Corucle aber auch ohne Unger-Freundin Holder, für die aller Voraussicht nach Melanie Föll laufen wird, mit einem Sieg seiner VfL-Mädels. Im vergangenen Jahr holte das Kirchheimer Quartett in Ettlingen die Silbermedaille und stellte nebenbei noch einen neuen Kreisrekord auf.