Lokalsport

Ungers Titelhunger weiterhin ungestillt

Nachdem es in den vergangenen Monaten eher ruhig um seine Person bestellt war, richten sich mit Beginn der Hallenwettkämpfe wieder die Schlaglichter auf ihn: Sprint-Ass Tobias Unger will nach einer Saison 2007 mit ebenso vielen Höhepunkten wie Rückschlägen wieder richtig durchstarten zumal mit Olympia in Peking das Saison-Highlight bereits seine Schatten vorauswirft.

PETER EIDEMÜLLER

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KIRCHHEIM "Na, knacken Sie dieses Jahr endlich die Marke von 19,7 Sekunden ?" Der ältere Herr, der Tobias Unger beim Pressegespräch in einem Kirchheimer Kaffeehaus im Vorbeigehen erkannt hat, bekommt vom 200-m-Spezialisten rasch Antwort: "Schau'mer mal, ob's klappt", schmunzelt der 28-Jährige über seinem Käsebrötchen, das er mit einem Ananassaft runterspült. In seiner Wahlheimat von den Menschen erkannt zu werden, daran hat sich der schnelle Schwabe längst gewöhnt. Der "Schwabenpfeil" ist eines der bekanntesten Gesichter Kirchheims, auch wenn man ihn im vergangenen Jahr nicht so oft im Fernsehen oder auf den Titelseiten bewundern konnte. "Die Saison 2007 würde ich im Nachhinein mit ,ausreichend' benoten", zieht Unger Bilanz. Nach verheißungsvollem Beginn ließen zunächst eine Entzündung des Ileosakralgelenks und kurz darauf ein Infekt die Träume von einer titelreichen Saison platzen. Dennoch reichte es für Unger noch zur Teilnahme an der WM in Osaka, wo er mit der 4x100-m-Staffel Sechster wurde. "Das war immerhin ein versöhnlicher Abschluss", sagt er.

Nach Ende der Saison ließ sich der Inhaber des deutschen Rekords über 200 m (20,20 Sekunden) vorsichtshalber noch einmal an seiner 2006 operierten Achillesferse behandeln. "Ich hatte immer mal wieder Schmerzen und musste die Vernarbungen am Gewebe entfernen lassen", sagt Unger, "seitdem läuft's aber wieder richtig rund." Soll heißen: Trainingsumfang und -belastungen entsprechen dem Stand von vor drei Jahren, als er auf nationaler Ebene alles gewann und auf internationaler Bühne für Furore sorgte. "Die Zeiten, die ich momentan im Training laufe, lassen auf eine sehr gute Saison schließen", hofft Unger.

Den ersten Nachweis seines Leistungsvermögens kann der bekennende Fan des FC Bayern München ("Ich find's klasse, dass Jürgen Klinsmann da jetzt Trainer ist") bereits am kommenden Wochenende antreten: Unger startet beim Sindelfinger Hallen-Meeting über 60 m. Ansonsten sind die Hallenauftritte des Kirchheimers eher dünn gesät. Der Teilnahme an den baden-württembergischen Meisterschaften am übernächsten Wochenende folgen Einsätze beim Sparkassen-Cup (2. Februar), dem LBBW-Meeting (10. Februar) in Karlsruhe und den deutschen Meisterschaften (23./24. Februar) in Sindelfingen. Unger wähnt sich dabei gegenüber der Konkurrenz psychologisch im Vorteil: "Mal nicht als Favorit in die Rennen zu gehen, ist ganz schön." Dennoch hat der 28-Jährige den deutschen Hallen-Titel über 200 m fest anvisiert. Gerade im Hinblick auf die Vorbereitung für die Freiluftsaison wäre ein Erfolgserlebnis auf nationaler Ebene Gold wert. Mit einem Titel in der Tasche ließe sich das Vorhaben Olympiaqualifikation wesentlich entspannter angehen.

Auch wenn Unger betont, dass er nur von Wettkampf zu Wettkampf denkt, sind sämtliche Abläufe bereits jetzt dem großen Ziel untergeordnet. Der DLV hat an ein Ticket nach Peking eine Zeit von 20,45 Sekunden für seine 200-m-Kandidaten gekoppelt. "Die Norm ist recht happig", sagt er, "aber wenn ich bis zum Sommer in Form bleibe, dann klappt das auch." Dass er in Peking auf eine nicht geringe Zahl gedopter Konkurrenten treffen würde, damit er hat sich fast schon abgefunden. "Es wird zwar so viel gefahndet wie nie zuvor", sagt er, "aber wo es um viel Geld geht, wird es immer Leute geben, die da mit Betrug ran wollen." Dass er neben geplanter Kontrollen bis zu zehn Mal pro Jahr unangemeldet von Dopinfahndern aufgesucht wird, ist für ihn persönlich kein Problem. "So lange ich den Sport auf dieser Ebene mache, habe ich da kein Problem mit."

Das einzige Problem, das Tobias Unger dieser Tage plagt, ist eine Herzensangelegenheit: Er und Freundin Katja müssen eine Fernbeziehung führen, da die 20-Jährige seit vergangenem Herbst im englischen Nottingham studiert. "Das ist schon schwierig, so auf Distanz", gibt er zu, "aber gleich nach den deutschen Meisterschaften werde ich sie besuchen."