Lokalsport

"Unsere Mannschaft wird nochmals alles geben"

Als Fußball-Abteilungsleiter des VfL Kirchheim ist Winfried Scholz seit rund einem Jahr im Amt. In diesen Tagen durchläuft der 67-jährige Pensionär seine bisher schwierigste Phase als Funktionär der Blauen: Die VfL-Fußballer wandeln sichtlich am Abgrund nur ein Sieg im Relegations-Duell gegen den Landesligisten FSV Bissingen in Eislingen am Sonntag (ab 17 Uhr) garantiert das Überleben in der württembergischen Verbandsliga.

THOMAS PFEIFFER

KIRCHHEIM Vor dem schweren VfL-Gang nach Eislingen bezieht Winfried Scholz noch einmal Stellung: Was, wenn der Schuss morgen nach hinten losgeht und die VfL-Fußballer erstmals nach über zwei Jahrzehnten wieder in der Landesliga-Staffel 2 anheuern müssen? Noch freilich ist der sportliche Super-Gau nichts als eine Horrorvision. Im nachfolgenden Interview fokussiert der Neu-Ötlinger Scholz seine Gedankengänge deshalb lieber auf die Frage, wie die VfL-Kicker doch noch ein Saison-Happyend schaffen können. Herr Scholz, haben Sie gut geschlafen in den letzten Tagen? Scholz: Ich habe schlecht geschlafen. Einerseits wegen unseres entscheidenden Relegationsspieles am Sonntag gegen den FSV Bissingen, zum anderen wegen des Freundschaftsspiels gegen den VfB Stuttgart am 1. Juli. Das eine Spiel demotiviert mich, das andere wir haben schon 2500 Eintrittskarten verkauft baut mich auf. Den VfL-Fußballern droht nach der sportlichen Talfahrt zum Saisonende nun ganz abrupt der Abstieg aus der Verbandsliga. Kommt es so weit? Scholz: Ich habe die Bissinger in Dagersheim beim 5:4-Sieg nach Elfmeterschießen über Hildrizhausen live miterlebt. Eine starke Mannschaft mit Spielertrainer Alfonso Garcia im Mittelfeld als Ideengeber aber auch eine Mannschaft, die ab der 70. Spielminute physisch stark abgebaut hat. Das lässt mich hoffen, dass wir sie schlagen können.Sollte der VfL den Klassenverbleib in Eislingen einfahren, welche konkreten Auswirkungen auf den kommenden Spielerkader hätte das?Scholz: Es ist so, dass für den positiven Fall zehn Spieler bereits feste Zusagen gegeben haben. Umgekehrt steht faktisch fest, dass vier bis sechs Akteure den Verein verlassen werden, ganz unabhängig von der Liga-Zugehörigkeit.Folgt im Abstiegsfalle der große Ausverkauf?Scholz: Was unsere Spieler im Fall eines Landesliga-Abstiegs machen werden, weiß ich nicht. Es vergeht derzeit fast kein Tag ohne VfL-interne Sitzung, aber Konkretes über das künftige Personal kann man immer noch nicht sagen. Schuld daran ist dieses Relegationsspiel. Es ist ein echter Nachteil für uns.Über Michael Rentschler hieß es von Seiten des VfL vor einigen Wochen, er würde die Mannschaft nicht nur in der Verbandsliga, sondern im Zweifelsfall auch in der Landesliga trainieren. Bleibt's dabei?Scholz: Genau diese Frage habe ich Michael Rentschler dem ich freundschaftlich verbunden bin nochmals am vergangenen Dienstag gestellt. Was soll ich sagen: Michael hat darauf keine konkrete Antwort gegeben, sondern nur gesagt, dass er sich sicher sei, dass seine Spieler am Sonntag gewinnen werden. Kein Wort von einer Vertragsverlängerung bei Abstieg. In Eislingen geht's für den VfL um Sein oder Nichtsein. Was erwarten Sie von Ihrer Manschaft?Scholz: Neben voller Konzentration auf den Gegner vor allem eine Trotzreaktion auf die Niederlagen zum Saisonende. Wenngleich ich sagen muss, dass ich der Mannschaft für diese Entwicklung keinen Vorwurf machen kann. Die Ausfall- und Verletztenliste war in der Rückrunde unglaublich lang.Nochmals den Teufel an die Wand gemalt: Akut droht dem VfL der Gang in die Landesliga, mittelfristig vielleicht sogar der Fall bis in die Niederungen der Bezirksliga. Bereits die einstigen Bezirks-Flaggschiffe FC Eislingen und SV Göppingen, ähnlich wie der VfL heute sechsstellig verschuldet damals, erlebten vor 25 Jahren solch ein Waterloo.Scholz: Mit Konsequenzen aus einem möglichen Abstieg beschäftige ich mich in diesen Tagen nicht. Meine Gedanken kreisen allein um die aktuellen sportlichen Belange des VfL. Wir haben am Sonntag ein wichtiges Spiel, und das müssen wir gewinnen.Sind die VfL-Spieler nach kräfteraubender Saison gegen einen hoch motivierten Gegner mental überhaupt noch stark genug, über 90 oder gar 120 Spielminuten zu kämpfen und zu laufen?Scholz: Ich bin überzeugt davon, dass die Mannschaft in Eislingen nochmals alles geben und aus sich herausholen wird.Dieses Relegationsspiel mobilisiert die Fans, und das Sportgelände Eichenbach wird morgen wohl zum Hexenkessel werden. Die Bissinger kommen sogar mit Bussen, und einige hundert VfL-Schlachtenbummler werden sich ebenfalls auf den Weg machen . . . Scholz: Die Fans sind für unsere Mannschaft ganz wichtig, ich hoffe, sie unterstützen sie in Eislingen lautstark bis zur endgültigen Entscheidung.Zum Schluss noch eine persönliche Frage. Über die ein oder andere VfL-interne Gepflogenheit auf Funktionärsebene waren und sind Sie ziemlich gefrustet. Werden Sie bei der nächsten Hauptversammlung als VfL-Abteilungsleiter Fußball nocheinmal kandidieren? Scholz: Offiziell gibt es erst im Jahr 2006 die nächste Hauptversammlung mit Neuwahlen, in diesem Jahr kann es, unter bestimmten Umständen, lediglich eine "Außerordentliche" geben. Zum Beispiel dann, wenn ich die Brocken hinwerfen würde. Das werde ich wahrscheinlich nicht tun, dennoch behalte ich im Auge, wie sich die Dinge intern weiterentwickeln. Keinesfalls hängt eine nochmalige Kandidatur meiner Person aber davon ab, in welcher Liga die Kirchheimer Mannschaft in der kommenden Saison vertreten ist.Herr Scholz, wir danken für das Gespräch.

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