Lokalsport

Urteil sorgt für Ärger bei Schiri Rainer Haden

Fußball-Coach Canan Karahan ist vom Vorwurf, Schiedsrichter Rainer Haden nach der Partie TASV gegen TG Kirchheim im November geschlagen zu haben, freigesprochen worden. Das Sportgericht meldet erhebliche Zweifel an Hadens Version des "Tathergangs" an. Während dieser derzeit weitere Schritte prüft, ist Karahan froh, dass die Sache vom Tisch ist.

PETER EIDEMÜLLER

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KIRCHHEIM Die Vorfälle während und nach der Kreisliga-B-Partie TASV gegen TG Kirchheim (2:4) vom 6. November erhitzen auch drei Monate nach dem Abpfiff noch die Gemüter. In der Schiedsrichterkabine am Oberen Wasen in Nabern soll es nach Spielende zu Handgreiflichkeiten zwischen TASV-Trainer Canan Karahan und dem Unparteiischen Rainer Haden (Jesingen) gekommen sein. Bereits während des Spiels verwies Haden den türkischen Coach aus dem Innenraum, nachdem dieser zahlreiche Entscheidungen lautstark und unflätig reklamiert hatte. Nach dem Spiel soll Karahan in der Schiedsrichterkabine den Jesinger Pfeifenmann zuerst an den Schultern gepackt, ihm dann gedroht und ihn schließlich ins Gesicht geschlagen haben, nachdem Haden bereits um Hilfe gerufen hatte. Karahans Version: Haden habe ihn als "Scheiß Türke" bezeichnet, nachdem er sich die Spielerpässe genommen hatte, ohne Haden darum zu bitten.

Das Sporgericht Neckar/Fils, mit der klassischen "Aussage-gegen-Aussage"-Situation konfrontiert, hatte an der von Haden im Spielbericht geschilderten Abfolge der Geschehnisse erhebliche Zweifel. Nach der mündlichen Verhandlung verdonnerten die Funktionäre Siegfried Bippus, Hans Sattmann, Jürgen Preißing und Diethard Wolter den TASV-Coach zwar zu 100 Euro Geldstrafe wegen sportwidrigen Verhaltens während des Spiels, sprachen ihn aber von den Vorwürfen, den Schiedsrichter tätlich angegangen zu haben, frei. Das Sportgericht erachtete die von Haden aufgestellten Behauptungen sogar als widerlegt, da Zeugen der TG Kirchheim, die nach seinen Hilferufen in die Kabine gekommen waren, keine Tätlichkeit von Karahan gesehen haben und Haden ihnen gegenüber auch nichts dergleichen geäußert hatte.

Der Urteilsspruch sorgt nun vor allem beim Unparteiischen aus Jesingen für Ärger. "Ich fühle mich nicht gerecht behandelt", klagt Rainer Haden, "und ich finde es sehr bedenklich, wenn mir als Schiedsrichter vom Sportgericht die Glaubwürdigkeit abgesprochen wird." Canan Karahan, der sich bereits nach dem Spiel bei Schiedsrichter-Obmann Klaus Bühler für seine verbalen Entgleisungen während der Partie entschuldigt hatte, akzeptiert das Urteil. "Mein Verhalten während des Spiels war falsch", sagt er, "aber das Urteil bestätigt meine Version. Der Leidtragende ist jetzt Schiri Haden." Dieser sieht in der Tat seinen Ruf in Gefahr, vor allem, weil das Sportgericht in seinem Urteil auf andere Fälle verweist, in denen er provoziert haben soll. "Ich bin mir keiner Schuld bewusst", sagt er, der bereits Kontakt zum WFV aufgenommen hat, um das Urteil prüfen zu lassen.

Schiedsrichter-Obmann Klaus Bühler wollte das Urteil nicht kommentieren. "Das ist eine diffuse Geschichte", sagt der für 180 Unparteiische im Fußballbezirk zuständige Neuffener. Auf die Frage nach etwaigen Folgen für Rainer Haden betont er jedoch, "dass es die Schiedsrichtergruppe nicht dulden wird, wenn sich ein Mitglied daneben benehmen sollte." Der in die Kritik geratene Schiri könnte dem zuvorkommen. "Ich überlege mir ernsthaft, den Job an den Nagel zu hängen", sagt Haden. Canan Karahan ("Jemanden zu schlagen, entspricht nicht meinem Naturell") hofft indes, dass die Angelegenheit nun endlich vom Tisch ist. "Ich dachte eigentlich schon im Dezember, dass das alles erledigt sei." Auf die Motivation für seinen Job als TASV-Trainer haben die Anschuldigen Hadens keinen Einfluss. "Dadurch lasse ich mir den Spaß am Fußball nicht verderben."