Lokalsport

Vereine wollen Beitrag zur Kostenreduzierung leisten

Die von der Stadt Kirchheim angestrebte Sportentwicklungsplanung stand im Vordergrund der Klausurtagung des Stadtverbandes für Leibesübungen (SfL) am vergangenen Wochenende im VfL-Haus in Riezlern. Die Bereitschaft der Vereine, zur Kostenreduzierung beitragen zu wollen, war die Quintessenz des Wochenendes.

HELGE WAIDER

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RIEZLERN "Hausaufgaben" standen an erster Stelle der Agenda für die rund 30 Teilnehmer der im zweijährigen Rhythmus stattfindenden und als "Kanzelwandtagung" bekannten Klausursitzung im Kleinwalsertal. Vertreter aus Gemeinderat und Kirchheimer Sportvereinen sowie die Verwaltungsspitze mit Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker und Bürgermeister Günter Riemer hatten sich in die Teilnehmerliste eingetragen. Aufgegeben hatte die Hausaufgaben das Kirchheimer Stadtoberhaupt persönlich: Im Sommer war bekanntlich der Antrag der Stadt gescheitert, in den Haushaltsplan 60 000 Euro für die Sportentwicklungsplanung einzustellen. Die Gemeinderäte sahen noch Klärungsbedarf. Kirchheims Oberbürgermeisterin hatte daraufhin die Kanzelwandtagung als geeignete Diskussionsplattform auserkoren. Sie unterstrich noch einmal, dass die Sportentwicklungsplanung Bestandteil des langfristigen "Stadtentwicklungskonzepts 2020" sei. Der demografische Wandel mache die Planung notwendig. Dabei ginge es nicht ausschließlich um Vereine sondern auch um Schulen, Senioren- und Behinderteneinrichtungen. Auch müssten spezifische Kirchheimer Themen wie das Hallenbad, die projektierte Rauner-Schulsporthalle und die geplante Mountainbike-Trainingsstrecke Bestandteil der Planung sein.

Henrik Schrader vom Institut für kooperative Planung und Sportentwicklung (IKPS) und Jürgen Hanke vom Württembergischen Landessportbund (WLSB) verglichen die Kirchheimer Situation mit der in anderen Kommunen, wo eine erfolgreiche Umsetzung bereits stattgefunden hat. Thomas Jeggle, Leiter des Sportamtes in Sindelfingen, wo bereits 2001 die Sportentwicklungsplanung begleitet vom IKPS durchgeführt wurde, erklärte die Vorgehensweise: Mit den Daten einer Bedarfserhebung und einer Bestandsaufnahme vorhandener Ressourcen erfolge eine gemeinsame Planung unter Einbeziehung lokalen Expertenwissens. Mitglieder der Planungsgruppe sollten aus der Kommunalpolitik, dem organisierten Sportbereich, aus sozialen Gruppen und öffentlichen Institutionen kommen. Das IKPS setzt für die Umsetzung maximal sieben Sitzungen und einen Zeitraum von rund einem Jahr an. Die Umsetzung soll in vier Bausteine unterteilt sein: Bestandsaufnahme der Sport- und Bewegungsräume und des organisierten Vereinssports, Bedarfsanalyse, Bilanzierung des Sportstättenbedarfs nach einem mathematischen Verfahren des Bundesinstituts für Sportwissenschaft (BISP) und letztlich Handlungsempfehlungen für die Stadt. Kostenpunkt:60 000 Euro. Damit die Sache billiger wird, sollen mit Bestandsaufnahme und Bedarfsermittlung zwei wesentliche Aufgaben selbst in die Hand genommen werden. Durch Vergleiche mit anderen Kommunen wäre eine weitere Kostenreduzierung mithilfe der Vereine möglich. Unter diesen Voraussetzungen begrüßt und unterstützt auch der SfL das Vorhaben.

OB Matt-Heidecker umriss in einem weiteren Tagesordnungspunkt die Investitions- und Finanzpläne der Stadt: der Neubau der Rauner-Schulsporthalle muss demnach auf 2008/2009 verschoben werden, da der Antrag auf WLSB-Zuschüsse aufgrund einer Verfahrensänderung neu gestellt werden muss. Der städtische Sportzuschuss von 92 500 Euro soll auch 2007 stabil bleiben: "Damit kommt der Sport in Kirchheim ganz gut weg", betonte Matt-Heidecker. Der Neubau der Naberner Gießnauhalle verschiebe sich durch Änderungen im Finanzierungsmodell ebenfalls weiter, vermutlich bis 2010.

Dringend erforderlich ist hingegen die Freigabe von 20 000 Euro für die Sanierung der Ötlinger Eduard-Mörike-Halle sowie 335 000 Euro für einen neuen Belag des Kunststoffsand-Rasenplatzes im Stadionbereich im nächsten Jahr. In greifbare Nähe rückt auch die lange erwartete Entscheidung zum Hallenbad-Neubau. Matt-Heidecker präferiert hier die Finanzierung über ein Public-Private-Partnership (PPP)-Modell und hat bei der Planung für einen Wellnessbereich auch die Besucher der Fildermesse im Hinterkopf. Beim Kirchheimer Stadion werde gemeinsam mit dem VfL über eine mögliche kommerzielle Betreibergesellschaft nachgedacht.

Zum Thema Hallennutzungsordnung und Schlüsselgewalt in den Sportstätten vereinbarte das Plenum eine Bilanzierung. Überprüft werden nach sechs Jahren auch die Hallenbelegungskriterien, da sich aufgrund geänderter Sportangebote der Vereine und der Struktur der Mitglieder möglicherweise Veränderungen ergeben hätten.