Lokalsport

Vertauschte Trainerbänke

Gegen den FV Offenburg ist Aberglaube mit im Spiel

Die Kirchheimer Oberliga-Fußballer haben Anschluss an das untere Mittelfeld gefunden. Aber zurücklehnen dürfen sie sich nach dem 3:2-Erfolg über den FV Offenburg nicht.

KLAUS SCHLÜTTER

Kirchheim. Der Sieg gegen Offenburg darf nur der Anfang einer Aufholjagd gewesen sein, die in den nächsten Spielen gegen die Leidensgenossen VfR Mannheim und ASV Durlach fortgesetzt werden muss. Denn der Weg ans rettende Ufer ist noch weit: Man blicke in die Tabelle.

Vier Mannschaften steigen nach Saisonende 2008/09 sicher ab, werden durch die drei Verbandsliga-Meister von Württemberg, Nord- und Südbaden sowie durch den Gewinner einer Relegationsrunde der drei Tabellenzweiten ersetzt. Sollten aus der Regionalliga noch zwei Vereine absteigen (Kandidaten: SC Freiburg II, SSV Reutlingen, KSC II), kann sich die Zahl der Teams, die aus der Oberliga runter müssen, bis auf sechs erhöhen.

Für einen erfolgreichen Überlebenskampf bedarf es der Unterstützung der Fans. 300 waren gegen Offenburg gekommen, etwas mehr als die üblichen 250 bis 280. Einhelliger tenor freilich: viel zu wenig. Der VfL hatte an den Kirchheimer Schulen 1 500 Freikarten verteilt – ohne sichtbaren Erfolg. Bei dem Überangebot an TV-Übertragungen, Computerspielen und selber ausgeübten Funsportarten ist Amateurfußball gucken bei der Jugend offenbar nicht mehr in.

Aberglaube ist auch im Sport weit verbreitet. Nach dem Fehlstart in die Saison vertauschte der VfL einfach mal die Trainerbänke. Samstag nahmen die Kirchheimer erstmals rechts vor der Tribüne Platz, die Gäste auf der linken Seite. Und siehe da, es funk­tionierte. Unsichtbare Kräfte hatten den Blauen endlich zum ersten Heimsieg verholfen.

Es scheint, als gingen beim VfL nacheinander zwei Kapitäne von Bord. Patrick Gühring bestritt sein vorerst letztes Spiel. Der Torhüter wird am Knie operiert, in dem Meniskus und Bänder beschädigt sind. Der frühere Spielführer Mario Grimm saß erneut nur auf der Reservebank. Der Abwehrmann ist Bereichsleiter einer großen Firma, hat nicht mehr die Zeit für häufiges Training und sucht sich mittelfristig wohl einen Verein, bei dem er es ruhiger angehen lassen kann.

Die Kirchheimer sollten jetzt nicht den Fehler machen, den Sieg überzu-bewerten. Der Offenburger FV befindet sich im Umbruch, kam mit einer ganz jungen Mannschaft mit vielen 19- und 20-Jährigen. Trainer Arnold Brunner: „Es ist nicht mehr zeitgemäß, eine Mannschaft zusammenzukaufen. Wir müssen eigene junge Leute ausbilden. Unser Konzept ist mittelfristig. Dafür nehmen wir den Abstieg in Kauf.“

Eine vernünftige Denkart für den Traditionsverein, der zehnmal Südbadischer und 1984 sogar Deutscher Amateurmeister war. Doch die großen Zeiten mit einem Kalla Bente als torgefährlichem Regisseur, der am 24. Januar 1984 mit seinem Porsche auf der Autobahn bei Bahlingen tödlich verunglückte, mit dem späteren KSC-Star Heinz Trenkel oder mit den VfB-Kämpen Bernd Schmider liegen weit zurück. Die Vergangenheit mit großzügigen Geldgebern war golden, die Gegenwart ist grau und erfordert eine nüchterne Betrachtungsweise á la Brunner, der damals selber Teil der Erfolgstruppe war.

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