Lokalsport

VfL auf der Schlachtplatte

Ja, ist denn schon Weihnachten? Fast so wie beim legendären Werbespruch von "Kaiser" Franz Beckenbauer fühlten sich wohl die Mehrzahl der Kirchheimer VfL-Fans am Samstag auf der Fahrt nach Dorfmerkingen.

HELGE WAIDER

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DORFMERKINGEN Das Härtsfeld auf der Ostalb ist bekannt für Nadelhölzer. Und tatsächlich kurz vor Dorfmerkingen: Baumschulen und Schonungen so weit das Auge reicht. Die Christbäume der Zukunft wachsen hier nicht eben in den Himmel aber in die Breite. Dass Weihnachten nicht weit sein kann bekam auch der VfL zu spüren. Die SFD spielten am Samstag Bescherung, packten die Rute aus und schickten die Kirchheimer mit einer Packung nach Hause, die freilich mit einem Geschenkkarton nichts zu tun hatte.

Erspart blieb die Schmach nur VfL-Linksverteidiger Archontis Siopidis. Der Ex-Kapitän blieb krank zu Hause und ersparte sich damit die Kühlschranktemperaturen in Dorfmerkingen. Trotz Sonnenscheins pfiff der Wind dort über die Hochfläche und ließ die Temperatur dadurch gleich die sprichwörtlichen "zwei Kittel" kälter erscheinen. Schlimmer noch als Siopidis hat es SFD-Stürmer "Didi" Carlos Guiemaraes erwischt. Der Brasilianer hatte sich in einem Vorbereitungsspiel dramatisch am Auge verletzt und verfügt auf einer Seite nur noch über eine Sehkraft von 20 Prozent. Mit einer weiteren Operation soll nun eine Verbesserung erzielt werden. Vermisst wurde in Reihen der SFD trotz des Erfolges Olaf Saur. Dorfmerkingens Coach Norbert Stippel: "Saur kann ein Spiel lenken und beruhigen. Das hat heute gefehlt. Wir waren zwar über weite Strecken gut, doch zum Schluss ein wenig nachlässig, wodurch unnötige Hektik aufkam."

Apropos Stippel: Der Ex-Coach des VfL ist bei Funktionären wie älteren Spielern immer noch sehr beliebt. Herzliche Umarmungsszenen vor der Partie wie beispielsweise mit VfL-Geschäftsführer Kurt Antel zeugten ebenso davon wie die spontane Verabredung zum Bier unmittelbar nach der Partie mit Stippels früherem sportlichen Leiter und späterem Coach Jürgen Schorstädt.

Überhaupt hatte sich eine stattliche Anzahl VfL-Fans auf den Weg auf die Ostalb gemacht. Geschätzte 70 Fans waren es, die den VfL mit nur einer Sturmspitze beginnen sahen. Feriz Meha war trotz dreier offensiver Mittelfeldakteuere dahinter (Emrah Polat, Alban Meha, Coskun Isci) jedoch zu oft auf sich allein gestellt. Die Sicherung nach hinten sollte so der Plan von VfL-Coach Michael Rentschler durch die zwei defensive Mittelfeldstrategen Torsten Raspe und Mario Grimm erfolgen. In der Viererkette schließlich stand ein auf dieser Position jungfräulicher Akteur: Michael Kutscher hatte auf der rechten Außenverteidigerposition den Vorzug vor Guido Fuchs erhalten. Doch auch diese Umstellungen und die zu späte Hereinnahme von Goalgetter Cem Korkmaz halfen nichts. Rentschler nach dem Spiel: "Entscheidend war heute, wie wir durch individuelle Fehler unsere Gegentreffer haben hinnehmen müssen. Auf der anderen Seite waren wir nicht in der Lage, aus guten Chancen zum richtigen Zeitpunkt die entsprechenden Treffer zu erzielen. Am Ende entscheiden halt immer noch Tore das Spiel."

Von Dorfmerkinger Insidern wurde ein andere Theorie aufgestellt: "Bei uns läuft seit Freitag die Vereins-Kirchweih und da sind wir immer sehr stark, weil es dann im Vereinsheim ,Talblick' die gute Schlachtplatte zu essen gibt." Auf dem Speisezettel für den Samstag stand offensichtlich "eine große Portion VfL Kirchheim."