Lokalsport

VfL bremst auf der Überholspur

Beim 1:1 in Mannheim wäre mehr drin gewesen für die Baumann-Truppe – Ferdi Er trifft nach fünf Minuten

Mit einem Remis im Gepäck sind die Oberliga-Kicker des VfL Kirchheim gestern vom Kellerduell beim VfR Mannheim zurückgekehrt. 1:1 (1:1) stand es nach 90 niveauarmen Minuten im ebenso altehrwürdigen wie tristen Rhein-Neckar-Stadion. Am Ende war es ein Unentschieden, das beiden Teams nicht weiterhalf.

HELGE WAIDER

Mannheim. Als Schiedsrichter Thomas Bauer aus Kuppingen die Partie nach gut 90 Minuten abpfiff, waren strahlende Gesichter Mangelware. Weder die Spieler auf dem Feld noch die Anhänger beider Mannschaften hatten so recht Freude am Remis, das zwar jederzeit abwechslungsreich aber selten gutklassig war. Müßig darüber zu sinnieren, ob schon der Beginn des Tages, als der Mannschaftsbus wegen einer Umleitung mit 30 Minuten Verspätung in Kirchheim eingetroffen war, für Unruhe gesorgt hatte.

Gleich zu Beginn der Partie nahm der VfL das Heft energisch in die Hand, und bereits nach drei Minuten war es Selim Altinsoy, der Matthias Koch gekonnt in Szene setzte. Der aufgerückte Außenverteidiger traf den Ball jedoch nicht richtig und so war der Schuss eine leichte Beute für VfR-Torhüter Mike Reinhardt. Zwei Zeigerumdrehungen später passte die Konstellation: Nach einer Flanke von Altinsoy stand VfL-Abwehrchef Ferdi Er mutterseelenallein am langen Pfosten und versenkte das Spielobjekt aus Kurzdistanz unhaltbar zum 0:1 im Mannheimer Gehäuse.

Die gute Handvoll VfL-Anhänger jubelten – und sahen in der neunten Minute einen 30-Meter-Freistoß von Emrah Polat, den Keeper Reinhardt erst im Nachfassen parierte. Es waren Szenen, die den Spielverlauf exakt widerspiegelten. Die Kirchheimer auf der Überhol-, die Mannheimer auf der Kriechspur. Erst nach einer Viertelstunde wachten die Hausherren aus ihrer Lethargie auf und hatten durch Marco Rocca ihre erste Chance, die jedoch von Philipp Uttikal mit einem guten Reflex über die Latte gelenkt wurde. Überhaupt machte der Gühring-Ersatz zwischen den Kirchheimer Pfosten meist eine gute Figur und strahlte auch die notwendige Ruhe aus.

Die Kirchheimer behielten in dieser Phase die hohe Taktzahl bei und hatten nach einer knappen halben Stunde die nächste Möglichkeit, als Nicola Spina im Mannheimer Strafraum auf Er flankte, dessen Schuss jedoch von einem Mannheimer Abwehrbein kurz vor der Torlinie zur Ecke gelenkt wurde. Der Ausgleich fiel dann wie aus dem sprichwörtlich heiteren Himmel – freilich unter Mithilfe des ansonsten guten VfL-Verteidigers Koch, der den Ball an der Seitenauslinie vertändelte und VfR-Mittelfeldrenner Keven Bayram die Möglichkeit gab, auf Dominik Lewis zu passen. Der quirlige Stürmer konnte in aller Ruhe Maß nehmen und das Leder aus zwölf Metern ins lange Toreck zirkeln (33.). VfL-Coach Rolf Baumann analysierte später: „Wir haben in dieser Szene den Gegner ungestört gewähren lassen.“

Doch auch nach dem Ausgleich blieb der VfL die aktivere Mannschaft und hatte noch einmal die Chance auf die Führung, als Altinsoy einen Polat-Freistoß volley halblinks aus 15 Metern an die Latte nagelte (36.). Nach dem Seitenwechsel waren es erneut die auffälligen Altinsoy und Polat, die in der 50. und 51. Minute am guten VfR-Keeper Reinhardt scheiterten. Die Mannheimer gestalteten die Partie in der Folgezeit ausgeglichen, ohne das Heft in die Hand zu nehmen. Benjamin Hien (62.) prüfte VfL-Goalie Uttikal per 18-Meter-Freistoß. Fünf Zeigerumdrehungen später war der Kirchheimer Schlussmann bereits geschlagen, als ihn Bilen Yagiz überlupft hatte. Innenverteidiger Nico Kaufmann hatte jedoch aufgepasst und das Spielobjekt von der Linie gekratzt.

Für den letzten Aufreger der Partie war erneut das Duo Polat und Er verantwortlich. Der eine (Polat) flankte, der andere hämmerte das Leder ins Mannheimer Tor. Pech nur, dass Schiedsrichter Bauer eine Abseitsstellung von Er erkannt haben wollte (85.). Kurz darauf flog noch der zwanzig Minuten zuvor eingewechselte Benny Dihl nach einem (ziemlich einseitigen) Disput mit seinem Gegenspieler per Roter Karte vom Platz.

In der obligatorischen Pressekonferenz nach der Partie machte Coach Rolf Baumann dann auch die Chancenverwertung als Knackpunkt aus, versprach jedoch Besserung: „Wir arbeiten daran.“ Nächste Gelegenheit ist bereits beim nächsten anstehenden „Sechs-Punkte-Spiel“ am Samstag gegen den ASV Durlach.

VfR Mannheim: Reinhardt – Laudenklos, Kodani, Jantz – Rocca (35. Langohr), Riegler, Hien, Berisha, Bayram – Yagiz (68. Franke), Lewis (80. Sözer)

VfL Kirchheim: Uttikal – Koch, Kauffmann Er, Eisenhardt – Polat, Otto, Ohran (58. Dihl), Altinsoy – Spina (68. Kadrija), Laible

Tore: 0:1 Er (5.), 1:1 Lewis (33.)

Gelbe Karten: Laudenklos, Sözer – Eisenhardt, Dihl

Rote Karte: Dihl (VfL/89./Unsportlichkeit)

Zuschauer: 180

Schiedsrichter: Thomas Bauer (Kuppenheim) leitete die faire Partie unauffällig und umsichtig.

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