Lokalsport

VfL hält beim 0:5 halbe Stunde ordentlich mit

7000 Zuschauer, fünf Tore, ein Flitzer, gute Laune auf den Rängen sowie ein munter kämpfender Underdog: Das gestrige Freundschaftsduell des Verbandsligisten VfL Kirchheim gegen den vierfachen Deutschen Meister VfB Stuttgart war von unterhaltsamer Natur.

REIMUND ELBE

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KIRCHHEIM Aufregend begann der gestrige Abend für einige Nachwuchskicker. D-Jugendspieler des VfL durften VfB-Profis und "ihre" Kirchheimer Fußballer beim Einlaufen ins Stadion begleiten. F-Jugendliche des VfL und TSV Jesingen standen zudem Spalier Momente, an die sich die Nachwuchsspieler noch in vielen Jahren erinnern werden.

Doch nicht nur diese Youngster zeigten sich vom Geschehen und der Rekordkulisse beeindruckt. "Das ist schon ein Highlight, wenn man als Siebzehnjähriger hier dabei sein darf", freute sich beispielsweise Kirchheims A-Junior Sandro Stuppia nach seinem ersten Einsatz in der VfL-"Ersten". Kurz zuvor hatte der Jugendliche immerhin einen gestandenen VfB-Profi wie Heiko Gerber ausgetanzt.

Überhaupt: Die Stimmung unter den VfL-Fußballern war nach dem Abpfiff des Oberliga-Referees Marco Fritz prächtig. Zwölf Tage nach dem geglückten Klassenverbleib im Relegationsspiel gegen den FSV 08 Bissingen (4:0) bewies das teils gerade erst aus dem Urlaub zurückgekehrte Team von Spielertrainer Rentschler zu Beginn vor allem eins: Den Mut zum Risiko. Selbiger wäre fast belohnt worden. So verfehlte nach einem Alleingang der durchgebrochene Emrah Polat das VfB-Tor mit einem Schuß von der Strafraumgrenze nur um Zentimeter (3.).

"Kirchheim war anfangs nicht schlecht, sie hatten schließlich auch die erste Torchance", bemerkte auch Stuttgarts neuer Trainer Giovanni Trapattoni in der Pressekonferenz.

Immerhin dauerte es exakt 29 Minuten und 20 Sekunden, ehe sich der VfB intensiver mit dem Thema Toreschießen auseinandersetzte. Marco Streller (30., 32.) und Neuzugang Daniel Bierofka (38.) sorgten für ein standesgemäßes Halbzeitresultat.

"In der ersten halben Stunde haben wir ganz ordentlich mitgehalten", konstatierte so auch Kirchheims Kapitän Mario Grimm nach dem Abpfiff, "aber natürlich waren wir körperlich und auch in punkto Schnelligkeit dem Bundesligisten unterlegen." Nach dem Wechsel, die Stuttgarter hatten komplett durchwechselt, ließen die Profis den Ball im Mittelfeld meist präziser laufen. Der Klassenunterschied wurde deutlicher. Dass nicht noch mehr als zwei weitere VfB-Treffer fielen, war einem gewissen Schlendrian der Gäste bei Offensivaktionen zu verdanken.

Auch die Kirchheimer wechselten munter aus und ein. Alle zur Verfügung stehenden Kräfte durften im Laufe der Partie ran. A-Junioren wie eben Stuppia oder auch Florian Kümmerle, Michael Trost und Marco Izzi. Mit Gastspielrecht liefen zudem Steffen Kaiser, Thorsten Schöllkopf und Mohamed Abo Shora auf, drei der WFV-Pokal-Finalhelden des Jahres 2003. Der am Mittwoch per Blitztransfer vom SV Sandhausen verpflichtete Abwehrspieler Marko Lovric debütierte im Dress der Blauen. Der in Ruit geborene angehende Pädagogik-Student: "Vor 7000 Zuschauern das erste Spiel für meinen neuen Club zu bestreiten, ist stark."

Für den Unterhaltungspart in der einseitigen Partie sorgte gegen Ende zum einen VfB-Maskottchen Fritzle, dass am Spielfeldrand mit Polizisten und Malteser-Helferinnen herumalberte, sich anschließend von hunderten Kids bei einer Ehrenrunde auf der Tartanbahn begleiten ließ. Für Lacher sorgte zum anderen ein Flitzer. Mit nacktem Oberkörper stürmte der Mann kurz vor dem Abpfiff den Platz, herzte neben VfB-Star Fernando Meira auch einige Kirchheimer Kicker, um anschließend von Ordungskräften widerstandslos abgeführt zu werden.

Ein bißchen Spaß muß sein dachte sich auch VfL-Spielertrainer Michael Rentschler bei seinem Statement in der Pressekonferenz.

"Wir wollten eigentlich gegen den VfB Stuttgart gewinnen, aber das hat heute nicht ganz geklappt", so seine Pointe, die auch Maestro Giavanni Trapattoni zu einem Schmunzeln bewegte.

So spielten sie

VfL Kirchheim: Volber (46. Rechner) Fuchs (87. Stuppia), Rentschler (54. Kümmerle), Eisenhardt, Lovric (83. Izzi) Isci (75. Singh), Grimm, Kaiser (46. Schöllkopf), Kutscher (70. Trost), Polat Klon (46. Abo Shora).VfB Stuttgart: Heinen (46. Langer) Stranzl (46. Delpierre), Zivkovic (46. Meira), Babbel (46. Schuster), Magnin (46. Rathgeb) Bierofka (46. Tiffert), Elson (46. Gerber), Soldo (46. Heldt), Meißner (46. Schwabe) Cacau (46. Weis), Streller (46. Caligiuri).Tore: 0:1 (30.) Streller, 0:2 (32.) Streller, 0:3 (38.) Bierofka, 0:4 (48.) Rathgeb, 0:5 (64.) Tiffert.Gelbe Karte: Caligiuri.Zuschauer: 7000.Schiedsrichter: Marco Fritz (Waiblingen)