Lokalsport

VfL im Titelrennen als Zünglein an der Waage

Das Zünglein an der Waage können die im Aufstiegsrennen ausgeschiedenen Kirchheim Knights spielen. Gewinnen sie morgen Abend (17.30 Uhr, Sporthalle West) beim MTV Stuttgart, dürften Schwenningen und Karlsruhe durch sein.

KIRCHHEIM Es ist ein Dreikampf geworden. In der Regionalliga Südwest/Süd hat sich die Zahl der Anwärter auf die zwei Plätze in der Aufstiegsrunde zur Zweiten Bundesliga innerhalb von nur fünf Wochen tatsächlich von sieben auf drei reduziert. Zunächst blieben die SG Heidelberg-Kirchheim und die BSG Ludwigsburg auf der Strecke, am vergangenen Wochenende dann der TV Rastatt-Rheinau und der VfL Kirchheim. Vor dem 18. Spieltag kämpfen so nur noch Tabellenführer KGJ Schwenningen, der Zweite SSC Karlsruhe (beide 24:6) und der MTV Stuttgart (20:10) um den Einzug der im Mai stattfindenden Runde.

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Offensichtlich kein Zufall: Diese drei Teams haben sich über Weihnachten oder kurz danach noch einmal verstärkt. Schwenningen holte aus Göppingen Larry Johnson und behob so seine Probleme auf den kleinen Positionen, der SSC Karlsruhe ersetzte Abgänger Arnold Tchiegne (beruflich nach München) durch den 2,08-Meter-Mann Modibo Diarra aus Mali und der MTV Stuttgart griff Ende Januar zu, als Coach Roger Washington von einem Agenten der Nigerianer Chukwuma Neboh (2,12 m) angeboten wurde, der wegen einer Verletzung bei dem finnischen Erstligisten Vilpas Vikings entlassen worden war.

Genau auf diesen Riesen, der zusammen mit dem Kanadier Jordan Sabourin (2,10 m) die neuen Stuttgarter "Twin-Towers" bildet, treffen die Knights nun morgen Abend um halbsechs Uhr in der Sporthalle West (Anmeldung zum Fanbus unter Rufnummer 0 70 21/4 12 19, Abfahrt um 16.15 Uhr). Für die unter dem Korb bekanntlich dezimierten Kirchheimer nach den Abgängen von Jan Reiter und David Bouwmeester hat man keinen einzigen Zwei-Meter-Mann mehr eine fast unlösbare Aufgabe. Zudem dürfte die Truppe nach der deprimierenden 74:93-Schlappe gegen Ludwigsburg und dem Abschied aus dem Aufstiegsrennen nicht gerade vor Selbstvertrauen bersten.

Ein leichtes Spiel für den MTV also? Normalerweise ja wenn da nicht der besondere Aspekt dieses Spiels wäre. Die Derbys zwischen den Knights und den Stuttgart Pistons waren seit einigen Jahren die Highlights der Liga, sind für jeden der Beteiligten immer etwas ganz Besonderes. Wer einen Internet-Zugang hat, kann das zum Beispiel auf der Homepage des MTV (www.stuttgart-kommt.de) erfahren, auf der die Macher ein eigenes Logo fürs Derby entworfen haben.

Überhaupt scheint sich im Stuttgarter Westen etwas zu tun. Mit Al Elliott, Jordan Sabourin, dem Heidelberger US-Soldaten Greg Marcelin, Chukwuma Neboh und dem türkischen Ex-US-College-Studenten Emre Atsür hat sich Roger Washington zu seinen Stuttgartern eine illustre Legionärstruppe zusammengeholt, das Ziel heißt Aufstieg und Einzug in die neue Stuttgarter Ballsporthalle im Frühjahr 2006. Und das zunächst mal fast ohne finanzielle Mittel. Der Coach, der im Hauptberuf als Lkw-Fahrer jeden Tag acht Stunden hinter dem Steuer abreißt, sagt: "Die spielen alle hier, weil sie etwas erreichen wollen. Außer mal eine Siegprämie gibt es kein Geld. Wir haben sowieso keines." Neboh und Sabourin zum Beispiel wohnen zusammen, Washington bringt ihnen täglich das Essen. Al Elliott, wie die Kirchheimer Ross Jorgusen und James Hayden bei der US-Army in der Kinderbetreuung beschäftigt, spielt beim MTV, weil er in der zweiten Liga keine Chance bekam und es jetzt mit seinem Kumpel Washington schaffen will. Und wenn der Coach, der nebenher als Manager einer Stuttgarter Diskothek arbeitet, für eine Veranstaltung mal ein paar kräftige Security-Leute braucht, stehen ruckzuck seine Basketballer Gewehr bei Fuß. "Das sind alles meine Söhne", sagt Washington.

Diesmal will der MTV die Chance zum Aufstieg nutzen. Die Lizenz-Unterlagen, die die AG Zweite Liga in der vergangenen Woche an die Vereine verschickte, sind nicht wie in der vergangenen Saison im Papierkorb gelandet. Manager Thomas Arndt: "Wir sind dran, geben uns alle Mühe." Der VfL hat trotzdem etwas dagegen. Schaffen die Knights die Sensation, ist die Saison gelaufen, können sich Karlsruhe und Schwenningen auf die Aufstiegsrunde vorbereiten. Der Meister als Zünglein an der Waage: Mal eine etwas andere Rolle für den VfL.

mad

VfL: Bruck, Goehrke, Hayden, Jorgusen, Kikic, Kranz, Lenger, Lukic, Stifel, Tsouknidis, Weiß.