Lokalsport

VfL wie Phönixaus der Asche

Die große Frage nach dem 88:75 des VfL Kirchheim gegen die KGJ Schwenningen lautete: Was ist eigentlich in den letzten zwei Wochen beim amtierenden Meister der Regionalliga passiert?

KIRCHHEIM Nach der 65:70-Heimniederlage gegen den MTV Stuttgart am vorletzten Sonntag hatte Coach Theo Leftakis alles und jeden kritisiert: Keiner höre auf ihn, jeder wolle seine eigenen Brötchen backen. Vier Tage später war alles noch viel schlimmer. Bei einem Testspiel gegen Göppingen verlor der VfL nach Verlängerung und fast ging ein Pulverfass hoch. Eine Aussprache in der Kabine läutete die Wende ein. Kai-Uwe Kranz erinnert sich: "Wir sind alle in uns gegangen. In den letzten zwei Wochen haben wir trainiert wie nie zuvor."

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Über Arbeit zum Erfolg keine ganz neue Idee. Aber es umzusetzen, ist manchmal gar nicht so einfach. Theo Leftakis, gedanklich schon kurz davor, alles hinzuschmeißen, legte stattdessen den Hebel um. "Theo hat Sachen verändert, hat wichtige Entscheidungen getroffen", zollt Kranz seinem Coach Tribut.

Auf diesem Weg fand dieses neue Team zueinander, stieg wie Phoenix aus der Asche empor. Maßgeblichen Anteil daran hatte James Hayden: "Ich gebe dem Team alle Energie, die ich habe." Wie viel da am Samstag im Akku des emotionalen Anführer des Teams steckte, war erstaunlich. Ohne jede Rücksicht gab Hayden schon in der ersten Hälfte so viel, dass in der zweiten kaum mehr etwas übrig war und half so seinem Team. "Ich wusste, das Team steht hinter mir."

Bill Goehrke hingegen war derjenige, der dem besten Schwenninger, Matthias Buckenmaier, den Zahn zog. Leftakis: "Der einzige, der uns weh getan hat, war Buckenmaier bis Bill ihn gedeckt hat." Und Goehrke ist ein absoluter Teamspieler. Der College-Absolvent: "Ich kennen meinen Platz, meine Rolle." Obwohl er offensiv kaum Akzente setzte, hatte er mit drei Blocks und vier Rebounds maßgeblichen Einfluss aufs Spiel.

Das Team erzielte mit 31 Treffern von 61 Würfen eine phänomenale Quote. Vor allem, wenn man bedenkt, dass es gegen Stuttgart zuletzt 34 Prozent waren. Kranz erklärte sich das mit der guten Trainigsarbeit: "Alle sind mehr gelaufen im Training. Deshalb waren wir heute alle belastbarer."

Dazu kam, dass zum ersten Mal seit langer Zeit, die vielen Zuschauer das Team nicht nervös machten, sondern die Anfeuerung Kräfte freisetzte. Bill Goehrke ist deshalb schon jetzt ein Kirchheim-Fan: "Die Fans sind sehr emotional, sie bringen wirklich viel Energie." Ross Jorgusen, mit 30 Punkten bester Schütze, zog sein persönliches Fazit: "Dieses Spiel gehört zu den besten fünf, seit ich in Kirchheim bin."

Jetzt kommen die beiden Auswärtsspiele in Leimen und Crailsheim, dann der nächste Schlager mit dem Heimspiel gegen Rastatt-Rheinau. Für dieses "Weihnachtsspiel" am 18. Dezember hat sich der Verein übrigens einige Überraschungen ausgedacht. Man darf gespannt sein.

mad