Lokalsport

VfL-Sorgenmacher: Dünner Kader und Zuschauer

Wenn der SSV Ulm 1846 zu Auswärtsspielen antritt, herrscht Großalarm. Nicht nur bei gegnerischen Kickern wegen der vermeintlichen Spielstärke des Aufstiegskandidaten, sondern auch bei den Ordnungshütern.

REIMUND ELBE

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KIRCHHEIM Nicht nur einmal sind Teile der SSV-Anhängerschaft bei Auswärtsspielen durch gewaltbereites Verhalten aufgefallen. Am Dienstagabend unter der Teck blieb allerdings alles schön friedlich. Für die rund 40 eingesetzten Polizisten, teils auf der Tribüne, teils rund ums Stadion positioniert, war's somit ein ruhiger Abend.

Das unwirtliche Wetter an der Jesinger Allee mit Dauerregen und Temperaturen um 15 Grad sorgte beim WFV-Pokalspiel zudem für eine ganz besondere Situation: Um der Nässe auszuweichen, positionierten sich auch die meisten SSV-Fans auf regensicherem Terrain unter dem schützenden Tribünendach was ein 90-minütiges, stimmgewaltiges Unterhaltungsprogramm zur Folge hatte. Die Wort- und Gesangsbeiträge hatten zwar inhaltlich erhebliche Niveauschwankungen zwischen witzig und sehr flach, waren aber summa summarum eine besondere Note bei dem ansehnlichen WFV-Pokalspiel. Selbiges gewann der Oberligist durch ein Tor in der 80. Minute.

Kirchheims Trainer Michael Rentschler war ob des Ausscheidens aus dem Pokalwettbewerb beileibe nicht am Boden zerstört. Zum einen, weil gegen den klassenhöheren Gegner sowieso damit gerechnet werden musste, zum anderen, weil nun die ausschließliche Konzentration der anstehenden Punktrunde gilt. "Wir haben zurzeit nur 13 gesunde Feldspieler", so Rentschler, "da wären Englische Wochen mit WFV-Pokalpartien zwischen den Punktspielen zu einem großen Risiko geworden." So lässt sich auch einer Niederlage etwas Positives abgewinnen.

Der VfL-Übungsleiter nahm aus dem ersten ernsthaften Kräftemessen vor der neuen Saison aber nicht nur die nachdenkenswerte Erkenntnis mit, dass der Kader für eine kräftezehrende Saison möglicherweise zu dünn ist. Erfreulicherweise präsentierte sich vor allen Dingen die Defensivabteilung des Verbandsligisten gegen die klassenhöheren Münsterstädter weitestgehend sattelfest. Und das, obwohl mit den langzeitverletzten Stefan Ziegler (mittlerweile wieder ohne Krücken unterwegs), Marko Lovric (Kreuzbandriss) sowie dem pausierenden Rentschler selbst drei wichtige Stützen fehlten.

Mit dem reflexstarken Torwart-Youngster Norman Volber sowie der Viererkette mit Archontis Siopidis, Christopher Eisenhardt im Zentralbereich sowie Fredi Er und Guido Fuchs auf den Außenpositionen scheint der VfL für den Ligaauftakt am kommenden Samstag gegen den FV Olympia Laupheim (Anpfiff um 15.30 Uhr) gerüstet zu sein. Auch im Mittelfeld dürften sich keine großartigen Änderungen ergeben. Nachwuchsmann Michael Kutscher ist an der Seite von Routinier Mario Grimm im zentralen Mittelfeld auf dem besten Weg zum Stammplatz, jenen haben auf den Außenpositionen Emrah Polat und Coskun Isci nahezu sicher.

Das Problem im Angriff schleppt der VfL aber augenscheinlich von der abgelaufenen Saison in die neue Runde mit. Spieler wie Emrah Erenler, Marcel Klon und Antonino Singh arbeiten viel auf dem Platz, doch ob einer von ihnen tatsächlich zum Goalgetter aufsteigen kann? Eine vielleicht schon schicksalhafte Frage für den VfL.

Ein seit Jahren beklagenswertes Problem schleppen die Kirchheimer wohl auch in die anstehende Saison mit: den Publikumsschwund. An der Jesinger Allee bleibt's in Sachen Zuschauerzuspruch mäßig wenn nicht gerade ein Club wie jüngst der VfB Stuttgart mit Startrainer Giovanni Trapattoni anrückt. Knapp 350 Besucher (darunter fast genauso viele Ulmer wie Kirchheimer) waren es gegen den Ex-Bundesligisten SSV, "bei schönem Wetter wären es wohl 500 gewesen", wie der sportliche Leiter des VfL, Norbert Krumm, anmerkte. Böse Zungen könnten es auch anders formulieren: Der SSV Ulm 1846 zieht nach mehreren Jahren in diversen Amateurligen zuschauermäßig eben nicht mehr so, wie in der Vergangenheit schade eigentlich.