Lokalsport

VfL-Sportvereinszentrum steht vor dem Aus

Bankenkonsortium legt wegen einer Sicherungslücke sein Veto ein – Lange Gesichter beim TG-Neujahrsempfang

Lange Gesichter beim traditionellen Neujahrsempfang der Turngemeinde Kirchheim: Die Chancen, dass das geplante VfL-Vereinssportzentrum tatsächlich gebaut wird, sind auf ein Minimum gesunken.

Neujahrsempfang TG Kirchheim 2014 Silvia Kretzschmar
Neujahrsempfang TG Kirchheim 2014 Silvia Kretzschmar

Kirchheim. Das Ende des Jahres 2013 wird bei Doris Imrich kaum in guter Erinnerung bleiben. Am Rande des gestrigen TG-Neujahrsempfangs bestätigte die Vorsitzende des VfL Kirchheim, dass das lange geplante Sportvereinszentrum vor dem endgültigen Aus stünde. Die entsprechende Nachricht der für die Finanzierung vorgesehenen Banken hatte die Sportfunktionärin kurz vor Weihnachten erreicht. Eine Lücke in der Kreditabsicherung war laut Imrich letztlich der Grund für den negativen (Zwischen-)Bescheid des Bankenkonsortiums, das aus zwei ortsansässigen Kreditinstituten sowie einer Bank aus dem Nordschwarzwald besteht. Die sogenannte Besicherungsquote des Sport­vereinszentrums – die angibt, zu wie viel Prozent die erwarteten Erlöse den Kreditbetrag abdecken können – fiel mit 21 Prozent offenbar deutlich niedriger aus als der Verein erwartet hatte. „Das führte schließlich zu der bedauerlichen Sicherungslücke“, erklärte Imrich auf Nachfrage.

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In Zahlen ausgedrückt sind dies bei einer veranschlagten Gesamtinvestition von 3,6 Millionen Euro immer noch stattliche 600 000 Euro, für die eine Absicherung gefunden werden müsste. Eine von den Banken angedachte Sicherung über ein Darlehen ausgewählter VfL-Abteilungen scheiterte daran, dass diese Mittel bereits für die zu erwartenden Kontokorrentkosten – also quasi die über drei Jahre veranschlagten Anlaufkosten, bis das Vereinszentrum kostendeckend arbeiten würde – verplant sind. Eine Umwidmung der Mittel scheidet für Imrich wegen der dann nicht mehr abgesicherten Kontokorrentkosten aus: „Ich habe eine Verantwortung gegenüber diesen Abteilungen und kann keine Insolvenz riskieren.“

Ende Januar wird es ein letztes Gespräch mit den Banken sowie Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Hei­decker geben. Der Optimismus der VfL-Vorsitzenden hält sich allerdings in Grenzen – zumal der Verein für Architektenleistungen, externe Fachberater und Eigenleistungen bereits 50 000 Euro ausgegeben hat, die im Fall einer Kreditablehnung wohl verloren sind.

Hermann Schnizler, Vorsitzender des Kirchheimer Stadtverbandes für Leibesübungen, erinnerte in diesem Zusammenhang in seinem Grußwort daran, dass das VfL-Sportvereinszentrum schlüssig mit dem Sportentwicklungsplan der Stadt verbunden sei und appellierte nochmals an „die Bedenkenträger auf allen Seiten“, ihre Entscheidung zu überdenken.

Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker bedauerte in ihren Ausführungen, dass der VfL nicht mehr Unterstützung seitens des Württembergischen Landessportbundes (WLSB) erfahren habe, und die Banken den Verein über Monate hinweg in Unkenntnis gelassen habe. Sorgen bereiten der Oberbürgermeisterin auch die Planungen des neuen Hallenbades. Nachdem sich der Gemeinderat im letzten Jahr auf einen Standort am Freibad geeinigt und eine Wirtschaftlichkeitsberechnung für ein reines Sport- und Vereinsbad sowie alternativ ein öffentliches Bad mit achtmonatiger oder zwölfmonatiger Öffnungszeit beauftragt hatte, soll diese noch in diesem Monat dem Gemeinderat übergeben werden. Matt-Heidecker ließ jedoch keinen Zweifel daran, dass der jährliche Verlust zwischen 1,0 und 1,4 Millionen Euro betragen werde und deshalb nach alternativen Finanzierungsmöglichkeiten gesucht werden müsse.

Hausherrin und TG-Vorsitzende Silvia Kretzschmar fokussierte in ihrem Grußwort auf TG-Interna sowie auf zuletzt aufgekommene Gerüchte über im Raum stehende TG-Schulden sowie einer drohenden Insolvenz des Vereins und stellte unmissverständlich klar. „Wir haben keine Schulden und auch keine Kredite, die zurückbezahlt werden müssen.“ Kretzschmar gab jedoch zu, dass hohe Nebenkosten sowie unumgängliche Reparaturen am vereinseigenen Gebäude „ein großes Loch in die Kasse gesprengt“ hätten. Die TG-Chefin hoffte auf 2014 – und das Plenum mit Applaus auf eine Fortsetzung der Neujahrsempfangstradition.