Lokalsport

Viel Skepsis und kaum Euphorie

Teckboten-Umfrage: Wer wird Weltmeister? – Die meisten tippen auf Brasilien und Spanien

Wenn in der Arena Corinthians in São Paulo heute Abend offiziell die 20. Fußball-Weltmeisterschaft eröffnet wird, schauen Millionen Deutsche zu: Das Spektakel um die höchste Kicker-Krone auf diesem Globus zieht alle in ihren Bann.

Head coach Joachim Loew (2-L) and Kevin Grosskreutz during a training session of the German national soccer team at the training
Head coach Joachim Loew (2-L) and Kevin Grosskreutz during a training session of the German national soccer team at the training ground in Santo Andre, Brazil, 09 June 2014. The FIFA World Cup 2014 will take place in Brazil from 12 June to 13 July 2014.Photo: Andreas Gebert/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

Kirchheim. Brasilien gegen Kroatien (ab 22 Uhr/ZDF): Der Ausgang der Auftaktpartie taugt vielen Experten als Orakel. Wie stark die hoch gewettete Seleção, WM-Rekordsieger mit Titelgewinnen 1958, 1962, 1970, 1994 und 2002 in diesem Jahr wirklich ist – eine erste Antwort darauf gibt‘s mit dem Abpfiff. Neben Brasilien, Spanien und Italien zählt Deutschland naturgemäß auch zu den Favoriten, hat aber im eigenen Land zuletzt viel Kredit verspielt: Nur noch ein Viertel aller Bundesbürger glaubte an den insgesamt vierten Titelgewinn der DFB-Auswahl zuletzt. Unsere Umfrage unter Fußball-Kennern bestätigte die allgemeine Lageeinschätzung, wonach Jogi Löws Auserwählte in Südamerika schon eine Leistungsexplosion brauchen, wollen sie im Konzert der Großen bis zum Schluss mitspielen. Nur Sky-Reporter Wolf-Christoph Fuss traut Deutschland trotz fehlender Bestbesetzung die dominante Rolle zu.

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Johann „Buffy“ Ettmayer (68), österreichischer Ex-Nationalspieler mit VfB-Vergangenheit aus Notzingen: „Bundestrainer Jogi Löw hat mit Klose nur einen Stürmer mit zur WM genommen, zudem einige noch nicht fitte Spieler wie Philipp Lahm. Wenn das Unternehmen schief geht in Brasilien, möchte ich nicht in Löws Haut stecken. Trotzdem ist Deutschland zweifellos auch diesmal einer der Mitfavoriten auf den Titel – neben Spanien, Italien und Brasilien. Die Erfahrung zeigt, dass bei fast jedem WM-Turnier irgendein Außenseiter für Furore sorgt. Belgien ist mein Geheimfavorit.“

Nadine Enoch, 25-jährige Angreiferin des TSV Weilheim: „Argentinien, Brasilien, Deutschland und Belgien, das viele Spieler bei europäischen Topklubs hat: Das sind meine vier Topfavoriten. Das System mit der „falschen Neun“ finde ich in der DFB-Auswahl gar nicht schlecht. Dass Jogi Löw bei der Kaderauswahl auf einen zweiten gelernten Stürmer verzichtet hat, ist richtig. Jetzt haben wir eine Spieler-mischung, die passt, besonders im Mittelfeld. Ins Halbfinale kommt die deutsche Mannschaft deshalb auf alle Fälle.“

Markus Prettner (36), Torjäger des SV Nabern: „Ich tippe auf Spanien als alten und neuen Weltmeister – weil die nicht nur eine gewachsene Mannschaft haben, sondern vergleichsweise auch das beste Spielerkollektiv. Für Deutschland sehe ich eher schwarz: Mein Tipp ist, dass spätestens im Viertelfinale Endstation ist. Manche Personalentscheidung von Löw war für mich nicht nachvollziehbar. Mit dem 36-jährigen Miroslav Klose nur einen einzigen gelernten Stürmer nach Brasilien mitzunehmen, könnte sich rächen.“

Hans-Martin Kleitsch, 62-jähriger Chefscout des Bundesligisten 1899 Hoffenheim und Kirchheimer Schafhof-Bewohner: „Brasilien und Spanien sind meine Topfavoriten, auch, weil sie durch die klimatischen Bedingungen klare Vorteile haben. Bei der deutschen Mannschaft sehe ich viele Fragezeichen, weil einige Spieler noch nicht fit sind, und dazu einen Stürmermangel: Löw hätte neben Klose besser auch noch Volland und den Leverkusener Kießling mitgenommen – Letzterer ist ein Torgarant. Wenn‘s dumm läuft, scheidet Deutschland schon im Viertelfinale aus.“

Tim Lämmle (24), Kreisliga-A-Torschützenkönig aus Dettingen und künftiger Landesligaspieler in Boll: „Es gibt einen klaren Favoriten – Spanien. Die Mannschaft ist seit zwölf Jahren die beste Mannschaft und in diesem Zeitraum zwei Mal Europameister und einmal Weltmeister geworden. Mein Geheimfavorit ist Chile. Meine Prognose ist, dass Brasilien nicht ins Endspiel kommt – weil die im Halbfinale gegen Deutschland aus dem Turnier fliegen. Doch auch die DFB-Auswahl halte ich nicht für stark genug, das Endspiel zu gewinnen. Die Taktik mit der „falschen Neun“, die Jogi Löw ab und an probiert, halte ich für katastrophal. Wenigstens ein gelernter Stürmer sollte immer auf dem Platz stehen – ich hätte Mario Gomez als komplettesten deutschen Stürmer mit nach Brasilien genommen.“

Helmut Gross (67), Berater von Ralf Rangnick (der Sportdirektor bei RB Salzburg und RB Leipzig ist) und Ex-Oberliga-Trainer des VfL Kirchheim: „Meine Favoriten heißen Brasilien, Spanien, Chile und Argentinien. Es sind Nationalmannschaften, die besonders gut von langsamem Spiel auf schnelles Spiel umstellen können. Für die deutsche Mannschaft wird das Endspiel kaum ein Thema werden, realistischer ist ein Vorstoß ins Halbfinale. Ein Problem mit der sogenannten Taktik der „falschen Neun“ sehe ich bei Deutschland nicht, denn neben Klose ist ja schließlich auch Lukas Podolski ein gelernter Angreifer. Im Übrigen gab es die „falsche Neun“ bereits viel früher. Der legendäre Alfredo di Stéfano spielte die Rolle bei Real Madrid schon in den 1950er-Jahren. Ein Problem für die Deutschen ist die Hitze.“

Wolf-Christoph Fuss, 37-jähriger Sky-Reporter mit frühen Wurzeln als freier Teckboten-Mitarbeiter: „Mit dem Verzicht auf einen weiteren Angreifer neben Klose hat sich Jogi Löw in Brasilien ohne Not der Option „Brechstange“ beraubt – der Hamburger Pierre-Michel Lasogga wäre die richtige Wahl gewesen. Doch auch ohne ihn und Marco Reus hat Deutschland eine Mannschaft, die von großer individueller Klasse ist. Für mich ist die DFB-Auswahl der Topfavorit dieser WM. Mein Tipp: Wir werden Weltmeister.“