Lokalsport

Viele gute Aktionen und wenig Gegentore

REIMUND ELBE

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KIRCHHEIM Unter Trainer Andreas Kleinhansl gelang damals der bisher größte Triumph einer VfL-Mannschaft: Regionalliga-Aufstieg. Die neue sportliche Großtat des VfL reiht sich nun nahtlos in die positiven Höhepunkte der Kirchheimer Kickerhistorie ein. Doch es gibt Aspekte, die die aktuelle Erfolgsstory zu einer äußerst ungewöhnlichen machen.

Die Altersstruktur des Teams beispielsweise ist bemerkenswert. Noch nie gab es einen Verbandsligameister, der so viele junge Akteure in seinem Kader aufweist. Sieht man von den Routiniers Torsten Raspe (37), Mario Grimm (27), Patrick Gühring und Ferdi Er (beide 26) ab, tummeln sich beim frischgebackenen Meister ausschließlich Spieler, die das Vollenden des 20. Lebensjahres noch vor sich oder vor nicht allzu langer Zeit hinter sich gebracht haben. Über die Hälfte des Kaders setzt sich aus ehemaligen oder noch aktuellen VfL-Jugendspielern zusammen.

Mit 17 Gegentoren (0,56 im Schnitt) ist der VfL einsame Spitze im höherklassigen baden-württembergischen Amateurfußball die Quote ist nahezu guinessbuchreif. Wie einst Andreas Kleinhansl beim Sensationscoup '97 hat auch Trainer Michael Rentschler in Kirchheim die Chance erhalten, seine Philosophie von Fußball über Jahre hinweg zu predigen und weiter zu entwickeln. Auch Rentschler hatte es mit Kritikern und Besserwissern zu tun, doch der nicht immer pflegeleichte Ex-Regionalligafußballer geht als großer Triumphator aus knapp drei Jahren Trainerarbeit mit Höhen und Tiefen hervor.

Die Startbedingungen des jetzigen Meistertrainers waren miserabel. Die Fußball-Abteilung der Kirchheimer stand unmittelbar vor dem finanziellen Kollaps, ein Rückzug des Verbandsligateams selbst in die Kreisliga schien denkbar, viele Spieler aus dem Kader der Vorsaison hatten das Weite gesucht. Rentschler stellte sich dem unüberschaubaren Projekt, fand mit Norbert Krumm einen Partner als sportlichen Leiter an der Seite, der auch wie er selbst mit exzellenten Kontakten in die Fußballszene ausgestattet ist. Folglich gelang es den Kirchheimern kontinuierlich, den Kader zu verstärken. Mit leerem Geldbeutel, aber mit viel Fingerspitzengefühl lotsten sie Fußballer wie Alban Meha, Feriz Meha, Ferdi Er oder Patrick Gühring unter die Teck einige der Stützen des jetzigen Meisterteams.

Auch der von den Fans oft verkannte Ex-Profi Torsten Raspe, damals nahe der Sportinvalidität, ließ sich für das "Projekt VfL" begeistern und wurde aufgrund seiner Routine zu einem wichtigen Baustein beim sportlichen Höhenflug. Dass es auch hinter den Kulissen zunächst mit Winfried Scholz, gefolgt von Dr. Jörg Mosolf und Thomas Rieth an der Abteilungsspitze in geordneten und für Sponsoren zuverlässigen Bahnen verlief, war zusätzlich erfolgsfördernd. Zusammengefasst heißt das: Aus wenigen Möglichkeiten viel gemacht.

Die kommende Oberligasaison wird für den VfL zum Härtetest. Doch die Verantwortlichen kokettieren momentan noch damit, mit dem geringsten Etat

in die Oberligasaison starten zu wollen. Unter 200 000 Euro soll er liegen Stand heute. Die Aufstiegseuphorie, Teamgeist und harte Trainingsarbeit sollen den Klassenerhalt bescheren. Und das wiederum erinnert stark an das Jahr 1997.

Damals stand am Ende der Abstieg, doch Geschichte muss sich nicht immer wiederholen.