Lokalsport

Viele Tore und Diskussionen

Bewegter Auftakt des 49. Teckbotenpokal-Turniers – Offene VfL-Kritik am Oberliga-Rückzug

Langsam kommt das 49. Teckbotenpokal-Turnier in die Gänge: Nach schleppendem Auftakt strömten die Besucher gestern reichlich. Gastgeber-Verein VfL Kirchheim, nach dem jähen Rückzug der Oberliga-Mannschaft weiter in der Diskussion, konnte zufrieden sein.

Zuseher
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Kirchheim. Zuerst kochten die Besucherströme beim 49. Teckbotenpokal-Turnier auf Sparflamme: Nur ein paar Dutzend Schaulustige fanden sich am Samstagmorgen zu den Eröffnungsspielen ein. Erst am Nachmittag zog die Besucherzahl spürbar an, und der passable Zulauf am Mammut-Sonntag mit 12 Spielen sorgte dafür, dass die VfL-Organisatoren auf dem Turnierwagen nicht sauertöpfisch aus der Wäsche gucken mussten. „Die Besucherzahl von 1 780 an zwei Tagen – allerdings waren nur etwa die Hälfte davon zahlende Zuschauer – ist angesichts des durchwachsenen Wetters okay“, befand Turnierleiter Walter Rau in seiner Erstbilanz, „doch wenn die Temperaturen steigen, kommen sicherlich ein paar Fans mehr.“ Vielleicht wird‘s heute was: Da soll‘s bis zu 23  Grad warm werden und das kleine Sommer-Comeback geben.

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Fußballerisch gab‘s am Turnier-Opening wenig herumzumäkeln und am wenigsten an der Torezahl: Exakt 57 Treffer fabrizierten die Angreifer in den 16 Wochenend-Matches – ein Schnitt von 3,5 pro Partie. Damit fliegt beim 49. Teckbotenpokal im Schnitt in jeder 16. Spielminute ein Ball in die Maschen. Den höchsten Sieg landete bisher der VfL Kirchheim II (7:0 über den TSV Wernau), doch auch die Finalanwärter TSV Weilheim (4:0 über SFD II) und TSV Notzingen (5:2 über Ohmden) zeigten sich früh in Torlaune. Eine komfortable Situation schoss Bezirksliga-Aufsteiger SF Dettingen heraus: Nach Siegen über Jesingens Zweite (2:1) und den TV Unterlenningen (4:1) ist ihm das Achtelfinal-Ticket kaum mehr zu nehmen. Bereits sicher weiter sind der TSV Jesingen und die Weilheimer Zweite in Gruppe A.

Der Unterhaltungswert beim Teckbotenpokal ist bisher recht hoch – und das lokale Fußballthema Nummer eins weiter allgegenwärtig. Der Oberliga-Rückzug des VfL wird ex- und intern weiter heiß diskutiert, und als Kritiker des Kurses von VfL-Präsidentin Doris Imrich und Fußball-Abteilungsleiter Dr. Jörg Mosolf outete sich nun auch Turnier-Statis­tiker Norbert Krumm. „Mir blutet das Herz nach dem Rückzug. Es hätte eine andere Vorgehensweise und andere Lösungsalternativen geben müssen“, sagte das lang gediente VfL-Mitglied, das schon viele Höhen und Tiefen erlebte. Für Krumm war der Beschluss ein Schnellschuss und er stand mit seiner Meinung nicht allein. Auch die ehemaligen VfL-Abteilungsleiter Werner Hund, Winfried Scholz sowie Weilheims Fußball-Chef Martin Koch („was beim VfL passiert ist, ist unglaublich“) reagierten auf das Geschehene mit Frust oder Unverständnis.

Auf Konfrontationskurs zu den Beschluss-Kritikern ging beim Teckboten-Cup derweil Ohmdens Trainer Karl-Heinz Toparkus. „Wenn einem Verein 100 000 Euro in der Kasse fehlen, gibt es keine Alternative. Dann muss man unweigerlich die Konsequenzen ziehen“, erklärte er. Auch Ex-VfL-Abteilungsleiter Jürgen Collet sieht das so: „Dass der VfL in dieser Situation einen Cut macht, in finanzieller Hinsicht ebenso wie in konzeptioneller, ist richtig.“ Auch Collet verkörpert keine Minderheitenmeinung. Gegner und Bejaher der in der VfL-Geschichte einmaligen Mannschaftsabmeldung sind in zwei etwa gleich große Lager geteilt.

Was an zukunftssichernden VfL-Plänen auf den Tisch kommt, wird man sehen – bei der außerordentlichen Hauptversammlung im Herbst. Dann wird es bei den Blauen eine dicke Zäsur geben, auch in personeller Hinsicht: Auf den schon länger amtsmüden Jörg Mosolf könnte der 54-jährige Kurt Dangel als neuer Abteilungsleiter folgen. Dangel, Logistikleiter bei einer Frickenhausener Firma, war vor rund zwei Wochen zum stellvertretenden Vorsitzenden befördert worden und stünde für die Wahl zum Nachfolger nach eigener Aussage bereit.

Noch sind derlei VfL-Personaldiskussionen aber nur auf Spekulatio­nen aufgebaut, von denen Dr. Mosolf nichts weiß. „Sicher ist nur, dass ich im Herbst als VfL-Funktionär abtreten werde und mein Sponsoring-Engagement künftig auf die Jugend ausrichten werde“, sagte er. Der große Schnitt wird kommen bei der VfL-Fußballabteilung, die nach dem jähen Finanzcrash mitten im Jubiläumsjahr jetzt darum kämpft, den Imageschaden zu reduzieren.

Die Bühne dazu haben sie mit dem Teckbotenpokal-Turnier. Dieses erlebt heute seinen dritten Tag mit vier Spielen und einem ungewöhnlichen Abendprogramm im Zelt: Eine badische Band intoniert Schlager aus Zeiten, in denen die Welt wirtschaftlich noch in Ordnung war. Irgendwie passt‘s zum VfL-Thema.