Lokalsport

Vom Einzelkämpfer zum Teamplayer

Nach seinem bisher erfolgreichsten Jahr im Amateurlager steht die Saison 2007 für Karsten Vesterling unter neuen Vorzeichen. Mit dem Aufstieg in die Elite-A-Klasse haben sich dem 22-Jährigen aus Oberlenningen Türen geöffnet. Im Activity-Racing-Team des TSV Schmiden findet er in Bahn-Nationalfahrer Leif Lamparter einen prominenten Mitstreiter.

BERND KÖBLE

Anzeige

LENNINGEN Die Solonummer ist zur Gewohnheit geworden. Seine Trainingspläne schreibt er selbst, in punkto Leistungsdiagnostik findet er Unterstützung bei den Mountainbikern des MTB Teck und das Trainingsrevier liegt im heimischen Oberlenningen direkt vor der Haustür. Er hat gelernt, auf sein eigenes Urteil zu hören, auch wenn dies anfangs nicht frei von Irrtümern war. Fürs Lehrgeld hat Karsten Vesterling ein ums andere Mal tief in die Tasche greifen müssen. Als er sich in seinem ersten Jahr als C-Lizenzfahrer bei einem Rennen krank an den Start stellte und sich die unerklärliche Schwächeattacke im Nachhinein als Pfeiffersches Drüsenfieber entpuppte, war die Saison gelaufen, bevor sie begonnen hatte. Das war an Ostern 2005 in Schönaich beim traditionellen Saisonauftakt um den LBS-Cup.

Die mit elf Rennen bedeutendste Serie im württembergischen Amateurradsport wird auch 2007 seinen Wettkampfkalender bestimmen. Trotzdem wird am 9. April, wenn dort erneut der Startschuss fällt, einiges anders sein. In seinem ersten Jahr nach dem Aufstieg zum Elite-A-Fahrer, den er sich mit seinem Sieg im Amateurrennen auf dem Kirchheimer Alleenring erkämpft hat, ist aus dem Solisten ein Teamplayer geworden. Nach Jahren der Odyssee, zunächst als Einzelkämpfer im RKV Kirchheim, im vergangenen Jahr dann unter der Flagge des MTB Teck, hat der ehemalige Mountainbiker, der erst vor fünf Jahren als U19-Fahrer auf die Straße wechselte, mit dem Activity-Racing-Team des TSV Schmiden erstmals ein schlagkräftiges Straßenteam um sich. Was es heißt, im hart umkämpften Feld auf sich alleine gestellt zu sein, hat er oft genug erlebt, wenn die Taktik in entscheidender Phase eines Rennens das Zünglein an der Waage spielte. Wer sich mit diesem Handicap durchbeißt, kann kein Schlechter sein, dachte sich Marc Sannwald. Der sportliche Leiter des Schmidener Rennstalls hatte Vesterling schon 2005 ein Angebot unterbreitet, nachdem dieser überraschend das Heimrennen durch die Fellbacher Weinberge gewonnen hatte. Doch der Lenninger damals noch in Diensten des RKV Kirchheim lehnte ab.

2007 haben beide Seiten nun doch zueinander gefunden. Marc Sannwald, der nicht nur Teamchef, sondern als aktiver Fahrer gleichzeitig auch Mannschaftskollege ist, ist von den Qualitäten des Lenningers überzeugt: "Karsten braucht vielleicht noch ein bis zwei Jahre, um beim LBS-Cup um den Gesamtsieg fahren zu können", meint Sannwald. "Für den einen oder anderen Überraschungssieg ist er auf jeden Fall gut." Im achtköpfigen Kader bei Activity, das im vierten Jahr seit der Gründung neben dem A-Team auch zwei C-Teams ins Rennen schickt, hat Vesterling nicht nur den letztjährigen Vize der LBS-Cup-Einzelwertung, Enrico de Monte, neben sich, sondern seit Februar auch Shooting-Star Leif Lamparter. Der Bahn-Nationalfahrer und Sieger beim Stuttgarter Sechstagerennen wird für die Fellbacher den LBS-Teamcup bestreiten.

Von deren Klasse erhofft sich Karsten Vesterling nun neue Impulse für die eigene Entwicklung. In Marc Sannwald findet er zudem einen wichtigen Fürsprecher. "Ein sehr engagierter Teamchef mit den nötigen Kontakten", lobt der 22-Jährige. Die könnten solange die Leistung stimmt tatsächlich als Türöffner dienen. Ein solch vielversprechender Kontakt ist jener zum neu gegründeten Continental-Team um Hartmut Täumler. Der Hartnäckigkeit des langjährigen Landestrainers ist es zu verdanken, dass es nach dem Ende der Hofbräu-Radler mit Ista wieder ein drittklassiges Profiteam in der Landeshauptstadt gibt ein positives Signal für den Nachwuchs im württembergischen Radsport. Täumler arbeitet zudem eng mit Gerolsteiner-Boss Hans-Michael Holczer zusammen und sorgt damit für die nötige Durchlässigkeit an der Spitze. Eigengewächse aus dem Ländle wie die heutigen Gerolsteiner-Profis Sven Krauß (Gültstein) und Matthias Ruß (Reutlingen) sind diesen Weg gegangen. Die Chance für junge Talente wie Karsten Vesterling, erstmals Profiluft zu schnuppern, hat Täumler bereits in Aussicht gestellt: mit der Teilnahme an einen oder anderen Trainingslager oder einer mehrtägigen Rundfahrt in diesem Jahr. Die Zukunft ist offen, auch für einen Späteinsteiger wie Vesterling. Der scheint immerhin einen Weg zu kennen, wie man seine Chance nutzt: "Du musst wissen, was du kannst und dann alles geben."