Lokalsport

Vom geheimnisumwitterten Spiel mit der Filzkugel zum weißen Volkssport

KIRCHHEIM Am heutigen Standort an der Stuttgarter Straße wurde der TCK am 27. August 1930 als Tennisverein Kirchheim unter Teck e.V. gegründet. Auf der im

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REINER WIEST

Grundbuchamt eingetragenen "Öde untere Au" wurde von den Gründern ein Gelände zum Bau von zwei Tennisplätzen und einem Vereinsheim für 4 500 Goldmark erworben. Die Gründer waren Dr. von Langsdorff (Erster Vorsitzender), Erich Springer, Dr. Bauer, Frederik Hahn, Karl Kammerer, Fritz Wiest und Georg Prem. Schon damals galt das noch heute gültige Prinzip, dass die TCK-Familie sich nur auf eigenem Grund und Boden wohl fühlt und nicht abhängig von Erbpacht- oder Darlehensgebern in ihren strategischen Entscheidungen sein will.

Damit der Spielbetrieb aufgenommen werden konnte, wurden in den Jahren 1931 bis 1934 zwei Tennisplätze genau an der Stelle der heutigen Plätze eins und zwei gebaut. Der Bau eines Vereinshauses ebenfalls am Ort des heutigen Clubhauses schloss sich in den Jahren 1935 und 1936 an. Bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges konnten die damals etwa 50 Vereinsmitglieder den in Kirchheim noch unbekannten Tennissport politisch ungestört betreiben einerseits mit großer Freude, andererseits aber auch mit der Einsicht, dass der Umgang mit Racket und Ball gar nicht so einfach ist, wie es aussieht.

Während der Kriegszeit ruhte der Tennisbetrieb weitgehend. Auf der Platzanlage wuchsen schnell Gestrüpp und meterhohe Bäume. Mit Kriegsende fanden für den Tennissport begeisterte Schüler die zugewachsenen Tennisplätze und das leer stehende Vereinshaus vor und ergriffen unter Leitung des heutigen TCK-Vorsitzenden Wolfgang Pörtner die Initiative, zuerst den Platz eins und später den Platz zwei mit Äxten, Sägen und Schaufeln zu roden. Mit Gießerei-Schlacke und selbst gemahlenem Ziegelmehl wurde nach und nach die alte Platzanlage von dieser jugendlichen Idealisten-Gruppe in Hunderten von Arbeitsstunden so in Form gebracht, dass ein aktiver Spielbetrieb möglich wurde.

Im Jahr 1949 gesellten sich dann zu den jugendlichen "Stürmern und Drängern" sieben erwachsene Damen und Herren, um aus dem bis dahin brach liegenden ehemaligen Tennisverein einen neuen Tennisclub zu gründen. Der Grund und Boden wurde von den neuen Gründungsmitgliedern Max Rothacker, Gertrud Sommer, Erwin Benz, Erich Mikat, Georg Prem, Doris Gaier und Herbert Volz übernommen. Wegen der damals herrschenden Wohnungsnot wurde 1947 eine siebenköpfige Familie in das alte Vereinshaus einquartiert, die aus ihrer schlesischen Heimat flüchten musste und froh war, ein Dach über dem Kopf zu haben.

Die Begeisterung für das Tennisspielen im neu gegründeten Tennisclub wurde immer größer und mit dem dritten Platz bei den Württembergischen Mannschaftsmeisterschaften stellten sich auch die ersten Erfolge ein. Unter der Anleitung von erfahrenen neuen Mitgliedern des TCK konnten die Mädchen und Knaben sehr schnell in die Geheimnisse des Tennisspielens eingeweiht werden. Der im Jahr 2003 im hohen Alter von 90 Jahren verstorbene Gerd Soff stand damals in seiner Freizeit dem TCK-Nachwuchs als Amateur-Trainer zur Verfügung. Er verstand es, in unnachahmlicher Art, Alt und Jung für den Tennissport so zu begeistern, dass die Entwicklung des Clubs in rasantem Tempo voran schritt. Die zwei Tennisplätze reichten für die immer größer werdende Mitgliederzahl nicht mehr aus, zumal immer mehr Akteure am offiziellen Turnierspielbetrieb teil nahmen.

An der Stafette der TCK-Vorsitzenden bis zum heutigen Tag waren beteiligt: Max Rothacker, Georg Prem, Herbert Ruprecht, Reiner Wiest, Karl Haug, Peter Treiber, Dr. Hans-Jürgen Roll, Dr. Josef Bähr, Joachim Jassner, und Wolfgang Pörtner. In den Jahren 1954 bis 1962 wurde das Grundstück jenseits des Werkskanals in nördlicher Richtung erworben, auf dem dann zunächst die heutigen Plätze drei, vier und fünf errichtet wurden. Dieses Gelände war in früherer Zeit ein Baggersee, der von der Eisengießerei Grüninger und Prem mit Restschlacke aufgefüllt und trocken gelegt wurde.

1964 baute der TCK ein neues Clubhaus in Fertigbauweise am bisherigen Standort des alten Vereinsheims aus der Vorkriegszeit. Im Jahr 1969 wurde die Tennishalle 1 erbaut, damit dem TCK, dem Tennisclub Wendlingen und der Tennisgesellschaft Plochingen der hauptberufliche Tennislehrer Theodor Sedmak zur Verfügung stehen konnte. Dadurch ermöglichte der Verein die konsequente sportliche Betreuung seines Tennis-Nachwuchses. Sedmak wurde den Verantwortlichen der Tennisclubs durch seinen Freund Keretic als spielstarker Trainer empfohlen. Keretic selbst hatte sich damals schon als Spitzen-Trainer in Württemberg beim TC Waldau-Stuttgart einen Namen gemacht. Dass Sedmak für den TCK ein Glücksgriff war, sollte sich schnell zeigen. Nicht nur seine Spielstärke und langjährige tennissportliche Erfahrung, sondern auch sein Geschick als Motivator und Pädagoge war ein wichtiger Baustein für die sportliche und menschliche Entwicklung des Vereinslebens im TCK. Durch Sedmak wurde die Nachwuchsarbeit nicht nur im TCK, sondern auch in den Nachbar-Tennisclubs der Region belebt.

1974 trug der TCK das erste Bambini-Turnier im Verbandsgebiet des Württembergischen Tennisbundes auf eigene Initiative und mit großem Zuspruch aus. Dieses Turnier hat noch heute seinen festen Platz im WTB-Turnierkalender. 1975 erfolgte dann der Bau der zweiten Tennishalle. Im Rahmen der Städte-Partnerschaft mit Rambouillet fanden mehrere Tennistreffen in Kirchheim und in Rambouillet statt. Im Jahr 1978 wurde das Clubhaus für die inzwischen 550 Mitglieder ausgebaut und erweitert. Die sportlichen Erfolge der am Turnierbetrieb beteiligten Mannschaften häuften sich. In den Jahren 1975 bis 1986 spielte die erste Damenmannschaft in der Oberliga. Von 1977 bis 1998 behauptete sich die erste Herrenmannschaft in der Verbandsliga und von 1990 bis 2004 in der Oberliga. 1976 bereits errang die Jugend-Mannschaft die erste württembergische Meisterschaft für den TCK.

Durch diese sportlichen Leistungen und die Arbeit der verantwortlichen Vereinsfunktionäre genießt der TCK im Württembergischen Tennissport bis heute einen hohen Stellenwert. So ging die in Deutschland vollzogene Entwicklung des Tennissports zum Volkssport auch am TCK nicht spurlos vorbei. Der Zustrom aktiver Mitglieder stieg so stark an, dass ein Aufnahmestopp notwendig wurde, bis die Zahl der vorhandenen acht Freiplätze durch Neubaumaßnahmen aufgestockt werden konnte.

Die Weltstars des internationalen Tennissports, Boris Becker und Steffi Graf, konnten in dieser rapiden Entwicklungszeit des Tennissports sogar mehrmals beim TCK bewundert werden. Beim jährlich von engagierten TCK-Sportwarten wie Werner Novotny oder Ewald Metzger organisierten Adventsturnier für Doppel-Wettbewerbe waren sie zusammen mit anderen Größen des deutschen Tennissports in den Tennishallen des TCK dabei.

In jüngster Zeit musste der TCK wie andere Tennisvereine auch dem Abwärts-Trend im deutschen Tennissport Tribut zollen. Nicht was die Leistungsstärke der aktiven Spieler anbelangt, sondern bei der Entwicklung der Mitgliederzahlen. Die Kapazität der schönen clubeigenen Tennisanlage mit acht Frei- und zwei Hallenplätzen bietet zu jeder Tageszeit allen Mitgliedern die Chance, zum Racket zu greifen. Die Verantwortlichen des TCK haben vorgesorgt, um allen Mitgliedern auch künftig attraktives, am Leistungs- und Hobbysport gleichermaßen orientiertes Tennis bieten zu können. 2004 vollzog sich eine positive Trendwende bei den Mitgliederzahlen. Ein deutlicher Zuwachs war vor allem bei den Jugendlichen zu verzeichnen.

Die langjährige Tradition einer optimalen Betreuung durch pädagogisch und sportlich kompetente Trainer wird auch im Jubiläumsjahr fortgesetzt. Seit der Saison 2005 hat der Verein mit Jörn Kaiser nicht nur ein Eigengewächs, sondern auch einen Deutschen Meister in der Klasse Herren 30 zum Trainer. Als Leistungsträger der ersten Herrenmannschaft ist es ihm in diesem Jahr gelungen, zusammen mit seinen Mannschaftskollegen in die Oberliga aufzusteigen.

Das Vereins-Jubiläum wird am Sonntag, 31. Juli, ab 10.30 Uhr auf der Anlage des TC Kirchheim gefeiert. Ehemalige und derzeitige Clubmitglieder sind zusammen mit Vertretern der hiesigen und umliegenden Sportvereine sowie der Stadtverwaltung, des Gemeinderats und der Sportverbände willkommen. Das Festprogramm beleuchtet nicht nur die bewegte 75-jährige Vereinsgeschichte. Es wirft auch einen Blick in die Zukunft und zeichnet auf, wie es beim TC Kirchheim künftig weitergehen wird.