Lokalsport

Von Hongkong und Honolulu auf die Hahnweide

PETER EIDEMÜLLER

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KIRCHHEIM "Tue, was du willst so bald es geht und dann so gut wie möglich." Worte eines Mannes, der zwar erst 59 ist, aber bereits die Weisheit eines Stammesältesten versprüht. Kein Wunder: Wer als Berufspilot bei über 16 000 Flugstunden in nahezu jedem Land der Erde gelandet ist und darüber hinaus noch regelmäßig bis zu acht Stunden im Segelflieger verbringt, muss zwangsläufig eine tiefergehende Lebensmaxime in sich tragen. Richard Aldous ist aber nicht nur in Sachen Fliegerei ein Weltenbummler. Ist der pensionierte British-Airways-Pilot mit dem schütteren Haar mal nicht im Segelflieger über England oder Deutschland unterwegs, fährt er leidenschaftlich gerne Ski am Arlberg oder taucht im Pazifik egal, was er tut, er tut es ganz im Sinne seines Lebensmottos.

Dass er überhaupt in der Lage ist, sein Leben gemäß seiner Vorlieben zu gestalten, verdankt er einer gehörigen Portion Glück, wie er sagt. "Ich war einfach immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort", lacht er. Aufgewachsen in der Nähe eines Flugplatzes in Lytham St. Annes, einer Stadt nördlich von Manchester in der Grafschaft Lancashire gelegen, war Richard Aldous von kleinauf vom Fliegen fasziniert. "Seit ich als Kind bei einer Flugshow gewesen war, begeistert mich alles, was damit zu tun hat", erinnert er sich. "Mit acht habe ich dann meine ersten Modellflieger gebaut." Rasch wurde er auf den örtlichen Segelflugverein aufmerksam, wollte unbedingt Mitglied werden. Was fehlte, war das nötige Kleingeld. So verdingte er sich kurzerhand gegen Trinkgeld als Gepäckträger für die wenigen auf dem Flugplatz landenden Touristen mit Erfolg: Noch bevor er auf das College ging, konnte er dem Verein beitreten.

Ein Stipendium der Royal Air Force ebnete ihm schließlich den Weg zum Berufspiloten. Aldous landete nach einem harten Auswahlverfahren bei British Airways. An seine erste Maschine, eine Boeing 707, erinnert er sich noch genau. "Die ersten Flugrouten gingen nach Südamerika, in die Karibik, aber hauptsächlich nach Australien." Zu Zeiten, in denen Piloten nur alle zwei Tage einen Flug zu absolvieren hatten, gab es auch noch genug Zeit, die illustren Zielorte zu besichtigen: Buenos Aires, Rangun, Kalkutta, Singapur, Sydney, Hongkong, Tokio, Honolulu kaum eine Weltstadt, die Richard Aldous noch nicht gesehen hätte. "Heutzutage ist der Zeitplan erheblich enger, die Piloten haben mehr Starts pro Tag."

Nach 35 Jahren im Cockpit ging er vor vier Jahren in Pension. Ein Schritt, der ihm laut eigenem Bekunden nicht schwer fiel. "Anders wie bei vielen Kollegen war das berufsmäßige Fliegen nie mein einziger Lebensinhalt." Bereits während seines zeitaufwendigen Jobs legte er großen Wert auf seine Hobbys, die er nun als Pensionär naturgemäß umso energischer betreiben kann: Trotz Ruhestands ist der Kalender von Richard Aldous nämlich prall gefüllt. Während des europäischen Winters verbringt er viel Zeit mit Segelfliegen in Australien, im Februaur und März jagt er am Arlberg in Österreich die Skipisten hinunter und den Rest des Jahres verbringt er daheim in England oder bei Freunden im Großraum Kirchheim.

Dass er sowohl beruflich als auch privat regelmäßig in die Luft ging, war für ihn nie ein Problem. "Obwohl es viele Parallelen gibt, kann man diese beiden Arten des Fliegens nur schwer vergleichen", sagt er. "Als Berufspilot muss man mehr im Team funktionieren. Segelfliegen hat eine individuellere Note." Kein Wunder also, dass seine zweitliebste Beschäftigung ebenfalls ein gehöriges Maß Eigenverantwortung voraussetzt: Auch am Tauchen, dem er vorzugsweise im Pazifischen Ozean nachgeht, schätzt der umtriebige Insulaner das Individualistische. Eigenbrötlerisch ist Richard Aldous aufgrund dessen aber noch lange nicht, im Gegenteil: Sowohl beim Segelfliegen als auch beim Tauchen schätzt er die Kameradschaft nach getaner Arbeit. So auch beim Hahnweid-Wettbewerb, an dem er vor sieben Jahren zum ersten Mal teilnahm. "Die Atmosphäre hier hat mich von Anfang an begeistert", sagt er mit leuchtenden Augen, "das ist wie eine große Familie." Da stört es ihn auch nicht weiter, dass er mit seiner Ventus 2c im laufenden Wettbewerb drittletzter der 18-m-Klasse ist. "That's okay", sagt er lächelnd.