Lokalsport

Vor der Kür steht dreimal die Pflicht

Bei dem vermeintlich leichten Auftaktprogramm der Rückrunde, das morgen Abend beim Tabellenvorletzten KuSG Leimen beginnt, wollen die Kirchheim Knights Selbstvertrauen für das Titelrennen in der Basketball-Regionalliga tanken. Das scheint auch nötig, denn optimal verlief die Winterpause ganz und gar nicht.

KIRCHHEIM Die erste schlechte Nachricht erreichte den Tabellenzweiten der Regionalliga Südwest-Süd gleich zum Jahresauftakt: Marco Renz, der drei Wochen zuvor eine feste Zusage gegeben hatte und dessen Spielerpass bereits vorlag, entschied sich, doch nicht beim VfL anzuheuern. Seine permanenten Knieprobleme sowie die Belastung durch seine Diplomarbeit, die er demnächst beginnen will, würden dem Wiedereinstieg nach anderthalb Jahren Basketball-Pause doch im Weg stehen.

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Einen doppelten Dämpfer gab es dann am vergangenen Sonntag: Das Testspiel gegen den Ligakonkurrenten SV 03 Tübingen II wurde, noch ohne die erst am nächsten Tag aus den USA zurückkehrenden Ross Jorgusen und Bill Goehrke, 71:82 verloren. Anschließend musste Nenad Lukic bekennen, dass seine Achillessehnenbeschwerden bei einer unglücklichen Bewegung wieder aufgebrochen seien. Die Vermutung, der VfL-Oldie (32) müsste nun die Basketball-Schuhe endgültig an den Nagel hängen, erwies sich nach einem Arztbesuch zwar als voreilig, die kommenden drei Wochen wird Lukic aber mindestens nicht zur Verfügung stehen.

Da Joe Hountondji nach seiner Lungenerkrankung noch lange nicht wieder gesund ist und Franjo Kikic weiter schichtet, hatte Pasko Tomic in dieser Trainingswoche nur neun Akteure zur Verfügung der Headcoach fehlte ebenfalls: Theo Leftakis war über die Ferien in Griechenland, in dieser Woche ist er wieder einmal als Fiba-Kommissar unterwegs. Keine Probleme hat wenigstens Neuzugang Tomislav Martinovic, der sich in der zweiwöchigen Vorbereitung langsam an das Team gewöhnt hat, nachdem er vor seinem ersten Spiel zum Vorrundenabschluss in Schwenningen fast keine Gelegenheit dazu gehabt hatte. Der 26-Jährige war vom MTV Stuttgart gekommen, bei dem er der einzige Überlegene des Aufstiegsteams war, aber praktisch keine Spielzeit erhielt. "So um die 15 Minuten pro Spiel hatte ich mir schon erhofft, aber mir wurde recht bald klar, dass daraus nichts wird", so Martinovic. Bereits Coach Slobodan Konjevic vertraute nur seinen ersten Fünf, und auch die kurze Hoffnung nach dem Wechsel auf Takis Genikomsidis erwies sich als trügerisch: "Ich durfte einmal rein, habe auch gut gespielt, dann aber gar nicht mehr."

Martinovic, der auf den Freiplätzen von Feuerbach das Basketballspiel gelernt hat und der auch schon beim TSV Crailsheim in der zweiten Liga aktiv war, hofft nun auf einen Neuanfang bei den Knights: "Wenn wir uns alle am Riemen reißen, müsste es klappen mit der Aufstiegsrunde. Schwenningen hat gegen uns am Maximum gespielt, wir hatten einen schlechten Tag. Ich denke, wir brauchen uns nicht zu verstecken."

Los geht es damit morgen Abend (Spielbeginn 20 Uhr im Sportpark Leimen) gegen den Ex-Zweitligisten, der eine turbulente, aber erfolglose Vorrunde hinter sich hat. Nur ein Spiel, gegen den sieglosen Letzten USC Freiburg II, konnte gewonnen werden. Bereits im November verließ mit Center Horst Marschall berufsbedingt der wichtigste Spieler das Team, und Anfang Dezember schmiss dann Coach Michael Haidle entnervt das Handtuch. Jetzt versuchen die Spieler Christoph Schropp und Martin Otter als Nachfolger zu retten, was kaum mehr zu retten ist.

Alles andere als ein klarer Sieg der Knights wäre deshalb eine Überraschung. Doch Vorsicht: das erste Spiel nach einer Pause hat oft eigene Gesetze, und Ausrutscher darf sich ein Spitzenteam nicht erlauben. Denn die Konkurrenz ist extrem stark, hat zum Teil sogar noch einmal nachgerüstet: Karlsruhe tritt neuerdings mit dem Juniorennationalspieler Edwin Offori-Attah an, in Schwenningen erwartet man einen neuen 2,02-Meter-Mann, in Konstanz peilt Neu-Trainer Roger Washington plötzlich ebenfalls die Aufstiegsrunde an und wird womöglich personell noch einmal nachlegen. Deshalb sind drei Siege in den ersten drei Spielen in Leimen, gegen Mannheim und in Tübingen absolute Pflicht. Erst dann beginnt die Kür für die VfL-Korbjäger

mad

VfL Kirchheim:

Goehrke, Hayden, Jaballah, Jorgusen, Kranz, Lenger, Martinovic, Neboh, Tsouknidis.