Lokalsport

Warum Corucle kein Deutscher wird

Wenn Tobias Unger einen zweiten Fehlstart verursacht, nimmt ihn der Kampfrichter aus dem Rennen. Bei seinem Trainer war das etwas anders. Beim Versuch, die deutsche Staatsbürgerschaft zu erlangen, zeigte sich Micky Corucle selber die Rote Karte.

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Klaus Schlütter

Kirchheim. Der gebürtige Rumäne Corucle übersiedelte vor 20 Jahren ins Schwabenland. Frau und Kinder sind Deutsche, gemeinsam leben sie in Köngen, da wollte der Vater jetzt endlich auch einen deutschen Pass. Seit Rumänien der EU angehört, ist die Doppel-Staatsbürgerschaft möglich. Aber das Gesetz schreibt vor, dass der Antragsteller einen Sprach- und einen Einbürgerungstest bestehen muss. Corucle meldete sich an, überwies die dafür erforderliche Summe von 160 Euro.

Doch schon der Sprachtest erwies sich als unüberwindliche Hürde. Nicht, dass Corucle wie manch hoch bezahlter Fußballprofi gar nicht oder nur gebrochen Deutsch spräche. Nein, das Gegenteil ist der Fall. Wenn‘s sein muss sprudelt Corucle wie ein Wasserfall. Der Stolperstein: Es gibt keinen geeigneten Termin für die Prüfung.

Die Deutschtests an lizenzierten Instituten oder bei der Volkshochschule finden immer freitags und samstags statt. Für die schriftliche und mündliche Prüfung ist ein ganzer Tag veranschlagt, von morgens 8 bis abends 19 Uhr.

Ein Tag, der Corucle teuer zu stehen käme. Der Leichtathletik-Trainer betreibt in Köngen ein Sportgeschäft in alleiniger Regie. „Freitag und Samstag habe ich die meisten Kunden. Ich kann mir nicht erlauben, das Geschäft zu schließen. Das wäre ein zu hoher finanzieller Verlust“, sagt er. Zumal er schon an vielen Wochenende zu Lehrgängen oder mit seinen Leichtathletik-Schützlingen zu Wettkämpfen unterwegs ist. Schweren Herzens hat er deshalb auf Tests und doppelte Staatsbürgerschaft verzichtet. Unger wird auch in Zukunft von einem Rumänen trainiert (was „Tobi“ schnuppe sein dürfte).

Für Corucle ist der Fall damit noch nicht erledigt. Für den beantragten, aber nicht absolvierten Einbürgerungstest drohen 190 Euro Ordnungsstrafe. Der Amtsschimmel lässt schön grüßen.