Lokalsport

Gonschinska

Der Fall Alex Schaf hat bei den Verantwortlichen des Deutschen Leichtathletikverbands nicht für Gesprächsstoff gesorgt. Das sagt zumindest DLV-Cheftrainer Cheick-Idriss Gonschinska, der eine Kaderzugehörigkeit offenbar nicht als zwingende Voraussetzung für Topleistungen sieht.

Deutsche Hallenmeisterschaften vor der Haustüre: Auf was freut sich der Leipziger DLV-Cheftrainer am Wochenende ganz besonders?
Gonschinska: „Da unsere Geschäftsstelle in Darmstadt ist, relativiert sich das mit dem „vor der Haustüre“ ein bisschen. Grundsätzlich ist eine Atmosphäre bei deutschen Meisterschaften immer etwas, auf das man hin fiebert. Ich persönlich freue mich auf viele spannende Duelle, da diese den Reiz der Leichtathletik in allen Disziplinen ausmachen.“

Spannend dürfte vor allem die Konkurrenz über 60 Meter der Männer werden, zumal mit dem Kirchheimer Alex Schaf ein Sprinter anreist, der beim DLV unlängst für Gesprächsstoff gesorgt haben dürfte . . .
Gonschinska: „Wieso soll er für Gesprächsstoff gesorgt haben? Entgegen anders lautender Meldungen ist Alex nicht wegen des Ausscheidens der Staffel bei der WM 2011 in Daegu aus dem Bundeskader gestrichen worden, im Gegenteil: Er wurde erstmals am 1. Oktober 2011, also nach der WM, berufen und war bis 30. September 2013 im Bundeskader. Da er vergangenes Jahr leistungsmäßig instabil war und andere Sprinter sich entwickelt hatten, konnten wir ihn nicht weiter ihm Kader belassen. Dass er nun wieder so schnell ist und bereits die WM-Norm knacken konnte, hat mich sehr gefreut, gerade weil er ein Quereinsteiger und ein besonderer Typ ist.“

Wie bewerten Sie seine Leistungsentwicklung vor dem Hintergrund, dass er momentan keinem Kader, keinem Staffelpool und keinem Topteam angehört?
Gonschinska: „Er hat offenbar ein System für sich gefunden, in dem er trotz seiner schwierigen Situation zwischen Beruf und Training sein Leistungspotenzial voll abrufen kann. Es sollte uns doch freuen, wenn auch Nicht-Kaderathleten in der Lage sind, vorne mitzumischen. Das ist das Schöne am Wettbewerb, das Unerwartete macht den Sport doch auch aus.“

Gibt es Ihnen nicht zu denken, dass ein Athlet ohne offizielle Verbandsunterstützung der Konkurrenz in der bisherigen Hallensaison davonläuft?
Gonschinska: „Gegenfrage: Warum hat er die Leistung nicht gebracht, als er noch im Kader war? Leistung erfolgt niemals linear, sondern hängt von ganz vielen verschiedenen Prozessen ab, die einen Athleten täglich beeinflussen. Außerdem ist die Hallensaison ja noch nicht zu Ende und auch nur ein Teilbereich, der zur Bewertung einer Gesamtsituation beiträgt. Es ist ja auch nicht ausgeschlossen, dass bei den deutschen Meisterschaften Konkurrenten schneller als Alex laufen.

DLV-Sportdirektor Thomas Kurschilgen wurde im Fall Schaf mit den Worten zitiert, dass man sich für eine mögliche Wiederaufnahme in den Kader nun den weiteren Verlauf seiner Hallensaison anschauen und danach eine Neubewertung in Absprache mit Ihnen vornehmen werde. Was heißt das konkret?
Gonschinska: „Wenn Alex noch einmal so überzeugen kann wie zuletzt, ist er für die Nationalmannschaft sicher eine Verstärkung, keine Frage. Hier muss man gemeinsam mit dem Bundestrainer und dem Heimtrainer aber genau evaluieren, ob er für Staffelmaßnahmen oder für Einzelrennen infrage kommen würde. Davor müssen wir aber zunächst noch die Hallen-DM abwarten. Ich bin kein Freund von Prognosen auf Spekulationsbasis.“

Zur Person
Cheick-Idriss Gonschinska (45) wurde 2010 Bundestrainer für die Sprint- und Laufdisziplinen. Seit 2012 ist der Diplom-Sportwissenschaftler aus Leipzig Chef aller Bundestrainer im DLV.

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