Lokalsport

Web-Cam-Einsatz in den Lehenäckern

Big Brother lässt grüßen: Wenn am Sonntag der Teckbotenpokal in Jesingen beginnt, werden für neugierige und entfernte Fußball-Fans zwei so genannte Web-Cams im Einsatz sein, die es erlauben, das Turniergeschen via Internet mitzuverfolgen.

PETER EIDEMÜLLER

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KIRCHHEIM Spätestens seit dem vergangenen Jahr ist der Teckbotenpokal nicht nur dem lokal interssierten Kicker-Freund vorbehalten. Seit

O:17070503.JP_der Neidlinger Alex Amiri vor dem letztjährigen Turnier unter dem Reußenstein die Internet-Domain www.teckbotenpokal.de für 17 Euro erworben hat, ist das traditionsreiche Vorbereitungsturnier der Teckvereine für jedermann auf der ganzen Welt verfolgbar per Mausklick.

Der diesjährige Ausrichter TSV Jesingen will das, was in Neidlingen in Sachen Internetpräsenz gut angelaufen ist, nicht nur fortführen, sondern toppen. Mit dem 29-jährigen Martin Müller haben sich die Verantwortlichen den richtigen Mann für dieses Vorhaben ins Boot geholt. Müller, selbstständiger EDV-Dienstleister, zeichnet für die gesamte Aufbereitung des Turniergeschehens im Internet verantwortlich, bastelt seit Anfang März an der Turnier-Homepage. "Nachdem die 17 Euro für die Domain an die Neidlinger gezahlt waren, haben die mir die Zugangsdaten geschickt", erklärt er, "danach konnte ich richtig loslegen."

Neben allen rund um das Turnier wichtigen Daten (Gruppeneinteilung, Spielplan, Eintrittspreise, Rahmenprogramm, Lageplan etc.) war es den Machern wichtig, dass sämtliche Sponsoren auf der Seite auftauchen bei inzwischen über 70 Geldgebern keine leichte Aufgabe. Turnierboss Steffen Mauz verteilte im Gespräch mit den jeweiligen Sponsoren Müllers Visitenkarte, dieser setzte sich mit allen in Verbindung. "Ich brauchte ja von jedem in irgendeiner Form das jeweilige Firmenlogo, um es auf der Seite zu platzieren."

Nebenbei machten sich Mauz und der für die sportlichen Belange verantwortliche Uwe Wascheck Gedanken, wie man das Turnier weiter aufpeppen könnte. Schnell war die Idee geboren, während des Turniers zwei so genannte Web-Cams zum Einsatz kommen zu lassen. Während der Partien zwischen den beiden Spielfeldern angebracht, sollen diese Kameras jedem, der es nicht in die Lehenäcker schaffen sollte, ermöglichen, das Turnier von jedem Computer der Welt aus zu verfolgen. "Ein paar ehemalige Jesinger Kicker sind über den halben Globus verstreut", sagt Müller, "wir hatten im Vorfeld bereits Zugriffe auf die Homepage von Polen und Mexiko aus."

Und so funktioniert's: Die beiden Kameras schießen pro Minute ein Standbild, das per drahtlosem Funknetzwerk jeweils automatisch auf der Homepage aktualisiert wird und gleichzeitig in eine Bildergalerie gestellt wird. So können an einem Tag bis zu 1 000 Bilder entstehen. Bei acht Turniertagen und der entsprechend zu erwartenden Datenmenge sah sich Martin Müller genötigt, für ausreichend Speicherkapazität zu sorgen. "Ich habe einen zusätzlichen Server mit zehn Gigabyte organisiert. Da sollte alles draufpassen." Eine simultane Wiedergabe des Turniergeschehens, sozusagen live im Internet, würde laut Müller die Grenzen des technisch Machbaren sprengen. "Da würde die Leitung zusammenbrechen, wenn zu viele Leute auf die Homepage zugreifen."

Nach den Spielen werden die Kameras dann kurzerhand im Party-Zelt angebracht wer sich am nächsten Tag dann in einer alkoholbedingt unvorteilhaften Weise im Internet wiederfindet, kann dem drohenden Ärger mit der Freundin oder dem Chef aus dem Weg gehen. "Wenn jemand ein Bild von sich aus der Bildergalerie gelöscht haben will, ist das kein Problem", versichert Müller, "und wer sich Bilder herunterladen will, kann das ohne Probleme von der Homepage aus machen."

Neben allem Spaß-Charakter, dem man einer solchen Aktion zubilligen muss, haben die Web-Cams aber durchaus auch seriöse Dienste zu verrichten. "Ab drei Uhr nachts werden sie auf Bewegungsmelder umgeschaltet, um so die Nachtwachen zu unterstützen", sagt Müller. Big brother is watching you auch in Jesingen. Doch aller Orwell'schen Tendenzen zum Trotz, der Einsatz der Web-Cams ist völlig ungefährlich. "Die Strahlenbelastung, die durch die Funkübertragung der Daten entsteht, liegt unter der eines schnurlosen Telefons", sagt Fachmann Müller, der sich bereits mit Anfragen besorgter Eltern konfrontiert sah.

Die einzige Sorge, die er hat, ist das Wetter. "Bei Regen steigt die Wahrscheinlichkeit, dass der Funk ausfällt." Ansonsten ist der Internet-Mann jedoch für alle eventuellen Störfälle gewappnet. "Ich habe für jedes Problem Alternativlösungen parat", sagt er, "das Schlimmste, was passieren könnte, wäre ein Erdbeben."