Lokalsport

Weichenstellung in der Wühle

Acht lange Jahre hat es gedauert bis es in der Handball-Bezirksliga unter der Teck wieder zu einem echten Lokalderby kommt. Ein Vergleich, der es in sich hat: Mit dem VfL Kirchheim und dem TSV Weilheim treffen heute Abend in der Wühlehalle (20 Uhr) zwei Mannschaften aufeinander, die beide Anspruch auf den Titel anmelden.

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Bernd Köble

Kirchheim/Weilheim. Manch einer dürfte damals argwöhnisch in den Kalender geblickt und einen Aprilscherz vermutet haben. Das letzte Aufeinandertreffen von VfL und TSV hinterließ vor mehr als acht Jahren ungläubige Gesichter. Es roch nach neuem Holz und frischer Farbe, als am 1. April 2001 der frisch gebackene Bezirksligameister aus Weilheim Einzug in die noch neue Sporthalle Stadtmitte hielt, um beim Tabellenzehnten die Punkte abzuholen. Doch der Schlichtenmayer-Truppe saß nach einer überragenden Saison wohl noch die Meisterfeier in den Knochen. Am Ende ging die Mannschaft von VfL-Coach Jörg Weber mit 18:17 als verdienter Sieger vom Platz und war damit dem Klassenerhalt ein großes Stück nähergerückt. Beide Teams verloren sich danach für Jahre aus den Augen: Der Weilheimer Höhenflug reichte bis in die Verbandsliga, während die Kirchheimer vier Jahre später mit dem Abstieg in die Bezirksklasse den Tiefpunkt erreichten.

Nicht der Geruch von neuem Lack und Glanz, wie damals vor acht Jahren, dürfte den Zuschauern in der Wühlehalle heute Abend entgegenschlagen. Eher schon handballerischer Stallgeruch nach Schweiß und dampfender Kulisse. Der Hexenkessel unter der Limburg erlebt die Neuauflage des lokalen Klassikers unter völlig neuen Vorzeichen. Schwerer als nach dem vierten Spieltag der laufenden Bezirksligasaison dürfte es selten gefallen sein, unter den beiden Kontrahenten einen klaren Favoriten auszumachen. Beide Teams stehen mit 6:2 Punkten ganz oben in der Tabelle und beide Trainer reden nicht lange um den heißen Brei: Man will mitmischen im Rennen um den Aufstieg. Für die Weilheimer ist die sofortige Rückkehr in die Landesliga erklärtes Ziel, für das die gesamte Mannschaft trotz zahlreicher Lockrufe höherklassiger Teams dem Verein die Treue hielt. Beim VfL will man im zweiten Jahr nach dem Aufstieg die Gunst der Stunde nutzen und den Schwung des gelungenen Saisonstarts mitnehmen. „Der Handball ist in Kirchheim endgültig angekommen“, nimmt VfL-Trainer Ralf Wagner nach Jahren der Tristesse positive Signale wahr. Das tempogeladene Spiel seiner jungen Mannschaft sorgt erstmals wieder für volle Ränge in der Halle.

Beide Mannschaften können heute Abend in Bestbesetzung antreten. Leichte Vorteile liegen auf der Seite der Gastgeber. Die sprichwörtliche Heimstärke der Weilheimer und die größere Erfahrung könnten am Ende den Ausschlag geben in einem Spiel, von dem erwartet wird, dass es intensiv und mit einigen Emotionen beladen sein wird. In einem Punkt sind sich beide Kontrahenten einig: Einen deutlichen Sieger wird es nicht geben. „Die Mannschaften bewegen sich auf Augenhöhe“, sagt Weilheims Coach Alen Dimitrijevic, der bei aller Brisanz an eine faire Partie glaubt. „Meine Aufgabe wird sein, Hektik und unnötige Emotionen erst gar nicht aufkommen zu lassen.“ Beiden Mannschaften fehlt noch die nötige Konstanz, doch beide haben zuletzt bewiesen, dass sie Rückschläge unbeeindruckt wegstecken können. Die Weilheimer entschieden zuletzt das Topduell an der Spitze gegen Mitfavorit TV Reichenbach für sich und haben damit im Fernduell mit den Kirchheimern die Nase vorn. Der VfL ließ an der Fils zwar beide Punkte liegen, tankte mit einem 38:26-Heimsieg gegen das HT Uhingen-Holzhausen jedoch rechtzeitig vor der heutigen Partie mächtig Selbstvertrauen.

Weder Dimitijevic noch Wagner haben demnach Grund, ihr personelles Gerüst entscheidend zu verändern. Für Weilheim spricht die größere individuelle Klasse. Mit dem überragenden Michael Rehkugler im Tor und den Rückraumkräften Björn Bachofer und Marcel Planitz verfügt der TSV über die besseren Einzelspieler. Der VfL hingegen ist durch seine mannschaftliche Geschlossenheit schwer auszurechnen. Was im Übrigen auch für den Trainer gilt: „Ralf ist immer für eine Überraschung gut“, rechnet Alen Dimitrijevic mit der einen oder anderen taktischen Finte seines Gegenübers, mit dem er ein freundschaftliches Verhältnis pflegt. Wer immer heute Abend als der Glücklichere vom Platz gehen wird, „der Sieger wird einen gewaltigen Schub mitnehmen“, ist sich Ralf Wagner sicher.

TSV Weilheim: Rehkugler, Illi – Auweter, Klein, T. Sigel, Schorr, Holl, Eker, Seyferle, Bachofer, Wiesinger, Zettl, S. Sigel, Schill, Planitz

VfL Kirchheim: O. Latzel, D. Pisch – Richter, Schafhitzel, S. Latzel, J. Mikolaj, Metzger, Banzhaf, Keller, M. Mikolaj, Weber, M. Pisch, Pradler