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Mit ihrem zumindest in dieser Höhe unerwarteten 29:22 (16:10)-Sieg in der Verbandsligapartie bei der TG Nürtingen haben Lenningens Handballer selbst die kühnsten Erwartungen ihrer Fans übertroffen. Nürtinger Spieler und deren Anhänger zeigten sich am Sonntag konsterniert. Selbst Hallensprecher Roland Dotschkal nahm sofort nach Spielende Reißaus in Richtung Owen.

NÜRTINGEN Lenningens Ex-Trainer Hans Hahn, zum zweiten Mal in dieser Saison unter den Zuschauern, brachte es auf den Punkt: "Hier hat eine Mannschaft gegen zehn Einzelspieler gespielt. Schon nach zehn Minuten war für mich klar, dass die SG gewinnt." In der Tat: Lenningen legte los wie ein Hurrikan. Nach vier Minuten hatte Christoph Wiesinger beim 3:0 bereits zum zweiten Mal getroffen. Dann kam für ihn das Aus. Er knickte um und musste daraufhin behandelt werden. Doch der Ausfall führte nicht zum befürchteten Riss in der Mannschaft. Im Gegenteil: Die SG-Angriffsmaschinerie überrollte die schwerfällige TG-Abwehr ein ums andere Mal. Nürtingens Torjäger Julian Heimsch entpuppte sich am Sonntag als Totalausfall. Auch Jochen Blum, zu Beginn ebenfalls im Spielrhythmus gestört, hatte ungewöhnlich lange Ruhezeiten auf der Bank.

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TG-Trainer Sinisa Mitranic musste ohnmächtig mit ansehen, wie seine Mannschaft das Spiel nicht in den Griff bekam. Bezeichnend war, dass Gästetrainer Bruno Rieke die Auszeiten nahm, um dann korrigierend einzugreifen. Das war in der 17. Minute so, als Markus Schmid, einziger Nürtinger Angreifer mit Tordrang, zum 6:10 verkürzte. Sein Statement nach dem Spiel lautete: "Lenningen hat schnell gemerkt, dass wir am Kreis heute nicht gefährlich waren und konnte dadurch unser Rückraumspiel neutralisieren." Nürtingens verletzter Kreisläufer Steffen Liebscher musste mit ansehen, wie Nürtingen im Angriff regelrecht aufgerieben wurde. Lenningen war immer einen Tick schneller, aggressiver und im Abschluss auch treffsicherer.

Eine Klasseleistung lieferte neben Torhüter Sven Lamparter auch Jens Kirschmann ab. Für Bruno Rieke wird er in dieser Form immer mehr zum Führungsspieler. Einen Beweis seiner Abgezocktheit lieferte Kirschmann bei zwei schnell ausgeführten Freiwürfen, die bei Nils Bücker und Benjamin Hauptvogel Fassungslosigkeit hinterließen. Das 16:10 mit einer Rolle vorwärts, war eine Augenweide für die begeisterten SG-Fans. Mit donnerndem Applaus verabschiedeten sie ihre Farben in die Halbzeitpause.

Wer nach dem Wechsel ein Aufbäumen der Gastgeber erwartet hatte, wurde enttäuscht. Lenningen machte hinten dicht und der TG fehlten die Angriffsalternativen. Die einzige Gefahr für die Abwehr der Gäste stellte Markus Schmid dar. Schwächen offenbarte Lenningen lediglich im Überzahlspiel, wo überhastete und unvorbereitete Würfe immer wieder ihr Ziel verfehlten. Beim 15:18 (42.) sah sich Rieke zu einer Auszeit genötigt. Als dann die Ordnungsprinzipien wieder griffen, war Marc Segeritz präsent. Er steuerte zwei Treffer zum 23:16 bei. Nürtinger Gegentreffer zu diesem Zeitpunkt nicht mehr als Nadelstiche. Wie rund es bei der SG lief, zeigten die feinen Kazmaier-Anspiele: Egal ob Jens Kirschmann oder Hagen Braunwarth die Adressaten waren, sie verwerteten hundertprozentig.

Bruno Rieke fand nach dem Abpfiff lobende Worte für seine Mannschaft: "Ich bin stolz, sie haben meine taktischen Anweisungen gut umgesetzt." Wie gut das SG-Kollektiv harmonierte, zeigt die Schlussszene: Volker Schwohls Strafwurf spritzte vom Pfosten zurück und Jens Kirschmann faustete den Ball mit einem "Becker-Hecht" zum 29:22-Endstand ins Netz.

döl

SG Lenningen:

S. Lamparter, Tombrägel; Kirschmann (9), Segeritz (5), Braunwarth (4), Kazmaier (4), J. Lamparter (2), Leitner (2), C. Wiesinger (2), Baumann (1), Renz, Schwohl, J. Wiesinger.TG Nürtingen:

Bücker, Hauptvogel; Schmid (10/4), Sigel (3), Heimsch (2), Güntner (2), Fehringer (2), Unruh (1), Hennig (1), Blum (1), Arbeiter, Laux.Zuschauer:

250, davon 100 SG-Fans. Schiedsrichter:

Fähnle/Schulle, Oberkochen/Königsbronn.