Lokalsport

Weiterhin Bewegung am US-Markt

Die Bälle sind noch im Schrank. Auf der Tartanbahn und im Fitnessstudio tanken Kirchheims Basketballer derzeit Kraft und Ausdauer für die am 3. Oktober beginnende Saison in der Pro A. Mehr als eine Rumpftruppe steht Coach Frankie Ignjatovic dabei nicht zur Verfügung. Das soll sich spätestens zu Wochenbeginn ändern.

Anzeige

BERND KÖBLE

Kirchheim. Eines haben alle Ballsportler gemein: Nimmt man ihnen das runde Spielobjekt weg, sind sie schnell beleidigt. Basketballern sagt man einen besonders ausgeprägten Spieltrieb nach. So gesehen wirkt die Stimmung bei den Knights derzeit erstaunlich gelöst. Kilometer fressen auf der Tartanbahn statt cooler Dribblings unterm Korb. Training ohne Ball – wenig geliebt und doch unerlässlich während der Saisonvorbereitung. „Die kommenden zwei Wochen werden hart“, verspricht Teammanager Michael Schmauder. Geschwitzt wird bereits diese Woche und zwar täglich im Stadion, in der Halle oder im Kraftraum.

Dabei wäre Knights-Coach Frankie Ignjatovic gerne bereits eine Woche älter. Nicht weil er die Arbeit im Training scheute, sondern weil er die elf Spieler dann beisammen hätte, die ab Oktober die Mission Klassenerhalt in Angriff nehmen sollen. So gleicht die Truppe noch immer einem Torso. Die beiden Ludwigsburger Leihgaben Ziyed Chennoufi und Phillipp Heyden trainieren derzeit mit ihrem Stammverein, und hinter dem zusätzlichen Center und der so wichtigen Aufbauposition steht noch immer ein Fragezeichen. Die Betonung liegt auf noch, denn Montag schon hofft Michael Schmauder, Vollzug auf den beiden Schlüsselpositionen vermelden zu können. Mit zwei weiteren US-Amerikanern, die bis zum Wochenende auf Urlaub in der Heimat sind, scheinen die Verhandlungen kurz vor dem Abschluss zu stehen. Dass sich Schmauder derart bedeckt hält und erst Namen nennen will, wenn die Unterschriften vorliegen, hat einen Grund: „Wir haben in den vergangenen Wochen schlechte Erfahrungen gemacht“, begründet er seine Zurückhaltung. Mit dem Lange­ner Center Mark Kelly waren die Kirchheimer fast handelseinig, bis der Amerikaner plötzlich und unerwartet neue, unerfüllbare Gehaltsforderungen stellte. Ähnlich lief es bei Kellys Landsmann Ty Harrelson, der ebenfalls seinen Vertrag in Langen nicht verlängert hatte und zuvor in Bayreuth der herausragende Spielmacher war. Ihn hatten die Knights als obersten Wunschkandidaten auf der Rechnung. Doch Harrelson sprang in letzter Minute ab und unterschrieb in der ersten finnischen Liga. Diesmal hofft man auf ein glücklicheres Händchen.

Am Dienstag trainieren die Knights erstmals wieder in der Halle. Dann hofft nicht nur Frankie Ignjatovic auf zwei neue Gesichter in der Mannschaft. Schon am Wochenende darauf wartet beim dreitägigen Vorbereitungsturnier der KGJ Schwenningen der erste ernsthafte Test, den der Trainer mit dem endgültigen Kader bestreiten will. Aus Kirchheimer Sicht von besonderem Interesse dürfte dabei die Begegnung mit dem künftigen Ligakonkurrenten aus Chemnitz sein. Überbewerten will Ignjatovic das mit internationalen Teams besetzte Turnier nicht. Die Mannschaft feilt noch immer an der Athletik. „Wir sind noch nicht so weit, dass wir an Spielsystemen arbeiten können,“ sagt er.

Der US-Markt noch in Bewegung, der restliche Kader der Knights hingegen steht: Neben dem Stamm-Trio mit Kapitän Tom Klemm, Andi Hornig und Gordon Scott gehören weiterhin Peter Klemm und Routinier Paul Howard zur Mannschaft. Aber auch der eine oder andere Name, den viele bereits abgeschrieben hatten. Dass die letztjährigen Reservisten Willu Lenger und Jan Reichmuth erneut zum Aufgebot zählen, hat einen Grund: Sechs Deutsche auf der Bank, davon mindestens einer auf dem Feld – so die Forderung, mit der die Pro A den Nachwuchs im deutschen Basketball vor dem Exitus bewahren will. Ein aus der eigenen Jugend stammendes Talent, das zuletzt für die Ludwigsburger in der Regionalliga und der Nachwuchs-Bundesliga NBBL am Ball war, wird kommende Saison ebenfalls zum Kader zählen: Der erst 19-jährige Darly Ifuly soll unter Ignjatovic eine Chance erhalten. Dafür müsste es allerdings mit der Einbürgerung des aus Zentralafrika stammenden Eigengewächses klappen, um die sich beide Seiten derzeit bemühen. Als weiterer Ausländer im Team, dürften Ifulys Aussichten auf einen Einsatz nicht die besten sein.

Um einen anderen ist es dagegen ungewohnt ruhig geworden: An Kai-Uwe Kranz schieden sich zuletzt die Geister. Für die einen Reizthema, für die anderen die Integrationsfigur schlechthin im Kirchheimer Basketball. Die launische Diva, auf dem Feld wie im Privaten nicht gerade das, was man pflegeleicht nennt, scheint der große Verlierer der aktuellen Personalpolitik zu sein. Fakt ist: Kranz erhielt keinen neuen Vertrag, nachdem er zwei Tryouts unentschuldigt fern-geblieben war. „Kai passte nicht mehr ins Konzept des Trainers“, sagt Michael Schmauder.