Lokalsport

Wider den Finalfluch

Bloß keine Saison der zweiten Plätze – was für Bayerns Profikicker im Champions-League-Finale heute Abend gegen Chelsea die Antriebsfeder schlechthin sein wird, steht auch bei Daniel Zirn ganz oben auf der Wunschliste: Der Hallensprecher der Knights, der immer noch am verpassten Pro A-Titel der Kirchheimer Basketballer knabbert, hat als glühender FCB-Fan eins der begehrten Tickets für das Finale dahoam ergattert.

Knights-Hallensprecher Daniel Zirn hat Karte fYr Champions-League-Finale
Knights-Hallensprecher Daniel Zirn hat Karte fYr Champions-League-Finale

Kirchheim. Eimerweise Häme und intonierten Spott abzubekommen, gehört dieser Tage noch mehr zum Dasein eines Bayern-Fans, als ohnehin schon. Auch Daniel Zirn muss sich einiges anhören, seit seine heiß geliebten Münchner letzten Samstag zum zweiten Mal binnen weniger Wochen von den schwarz-gelben Emporkömmlingen aus Dortmund die Lederhosen ausgezogen bekommen haben. „Borussia, Borussia“, stimmen drei Damen mittleren Alters feixend einen Chor an, als sie den 25-Jährigen mit dem rot-weißen Schal im Kirchheimer Straßencafé als Bayern-Sympathisanten erkennen. „Da muss man ja echt was einstecken“, grinst er, „aber noch kann ja alles gut werden.“ Wie Millionen anderer Bayern-Fans hofft er auf den Coup heute Abend im Münchner Heim-Finale der Champions League gegen Chelsea.

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Dabei ist es in Sachen Bayern-Support für Daniel Zirn persönlich schon viel besser gelaufen, als er noch vor dem 3. Mai zu hoffen gewagt hätte. An jenem Donnerstag um Punkt 9.10 Uhr durchschnitt ein gellender Jubelschrei die Bibliothek der Uni Karlsruhe, wo Maschinenbaustudent Zirn gerade über einer wichtigen Prüfung büffelnd seine E-Mails checkte und dabei die wohl schönste Nachricht seines Lebens erhielt: Der Computer des FCB-Ticket-Service hatte ihn als glücklichen Gewinner einer Karte fürs Finale dahoam ausgespuckt. „In dem Moment ist das Adrenalin in Strömen geflossen“, lacht er. Kein Wunder, schließlich hatten sich für die 17 500 Tickets, die Bayern zur Verfügung hatte, rund 200 000 Mitglieder beworben, die der Verein im Losverfahren ausschließlich an eben solche verteilen durfte – einer davon ist Daniel Zirn, der seine unbändige Freude via Facebook gleich in die ganze (virtuelle) Welt hinausposaunte. Für 70 Euro sitzt er, der seit über zehn Jahren FCB-Mitglied ist, heute Abend auf Höhe der Eckfahne im Bayernblock. „Vielleicht kann ich ja mit Franck Ribery abklatschen, wenn er eine Ecke reinschlägt“, witzelt er, dessen Vorliebe zum deutschen Rekordmeister ihm als gebürtigen Schwaben aus dem Kernland des VfB immer wieder in Erklärungsnot bringt. „Ich war früher ziemlich oft dort im Stadion“, erinnert er sich an die Anfänge seiner Bayern-Liebe, die durch einen Studienaufenthalt von vergangenen September bis März dieses Jahres zementiert wurde. „Ich bin ein großer Freund von Stadt und Land“, bekennt er, der bis auf die Partien gegen Manchester und Marseille in dieser Champions-League-Saison bei allen Bayern-Heimspielen im Stadion war – nun beim Letzten und alles Entscheidenden live dabei zu sein, kann der Kirchheimer immer noch nicht so recht fassen. „Die Vorfreude ist riesengroß“, jubelt er.

Emotionen zu kanalisieren ist Daniel Zirn gewohnt wie kein Zweiter. Als gleichermaßen frenetischer wie sachlicher Hallensprecher der Knights ist er seit Jahren die Stimme des Kirchheimer Basketballbooms, der vor knapp zwei Wochen seinen bittersüßen Höhepunkt in der knappen Niederlage im Zweitligafinale fand. „Klar war die Enttäuschung groß“, analysiert Zirn, „aber was unter dem Strich bleibt, ist eine grandiose Saison.“

Im Finale stehen und dann nur Zweiter werden – nach den beiden vergebenen Bayern-Matchbällen in Meisterschaft und Pokal und dem Vizetitel der Knights hofft Daniel Zirn heute Abend auf Ende des Finalfluchs seiner Lieblingssportteams. Sein Tipp: „2:1 für die Bayern in der regulären Spielzeit.“